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Bergsteiger in Patagonien tödlich gestürzt

Oberaudorfer (†48) verunglückt: Bereits vor 5 Jahren entging Christoph Klein nur knapp dem Tod

Christoph Klein im Jahr 2017: Bei einem Bergunfall an der Südwestwand am Marmolata entkam er damals nur knapp dem Tod.
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Christoph Klein im Jahr 2017: Bei einem Bergunfall an der Südwestwand am Marmolata entkam er damals nur knapp dem Tod. Nun ist er bei einem Sturz in Patagonien ums Leben gekommen.
  • VonEva-Maria Gruber
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Kurz vor Weihnachten kam der Theologe Christoph Klein (48) aus Oberaudorf bei einem Bergunfall in Patagonien ums Leben. Der erfahrene Kletterer bestieg seit vielen Jahren sehr anspruchsvolle Gipfel in Europa und der ganzen Welt. Doch bereits im Jahr 2017 erlebte er in den Dolomiten einen dramatischen Unfall, bei dem er nur knapp dem Tod entging.

Oberaudorf - Der folgende Artikel aus dem Jahr 2017, der in den OVB-Heimatzeitungen erschienen ist, beschreibt das dramatische Ereignis, das sich im Sommer 2017 in den Dolomiten zugetragen hat:

Fast zwei Stunden ist Kletterer Christoph Klein nach einem Bergunfall klinisch tot

Wer ihn so reden sieht, den schlaksigen, jungen Mann, putzmunter, mit strahlendem Blick, scherzend, der kann seine Geschichte kaum glauben. Und doch ist sie wahr. „Ein Wunder ist geschehen“, sind sich seine Familie und die vielen Freunde einig, die in der schweren Zeit nach seinem Bergunfall und während seiner Genesungsphase mit seiner Familie gehofft und gebetet haben. Die Retter haben ihn nicht aufgegeben, ihn festgehalten im Leben, obwohl fast zwei Stunden kein Puls mehr zu spüren, Christoph Klein tot war. 

Der verhängnisvolle Tag

Zurück zu jenem zunächst so schönen und dann so verhängnisvollen Tag in den Dolomiten. Ziel war die Südwestwand der über 3300 Meter hohen Marmolata di Penia. Als groß, ernst und alpin wird die Tour beschrieben. In Kleins erst kürzlich erschienener Neuauflage von „im extremen fels“, der 100 legendären Kletterführen von Walter Pause, zitiert Klein Pause so: „Schon bei mittlerer Vereisung (...) können unvorstellbare Schwierigkeiten auftauchen! Vor allem klettere man, noch bevor diese Schlucht erreicht wird, volle 40 Meter im Wasserfall.“ Kalt und feucht sei der Aufstieg. Die Warnungen seien ernst zu nehmen, heißt es weiter. Oben warte Spritzwasser. Ärmel und Brust würden schnell pitschnass werden. Ein Biwak unter dieser Seillänge sei eine „Todesfalle“. Pause bewertete die 1936 von G. Sold`a und U. Conforto erstbegangene Tour als „ganz große Prüfung“.

Die bisherigen Erfahrungen mit der sogenannten Sold`a – eine Vorwarnung? Nein, so könne man das nicht sagen, entgegnet Christoph Klein. An diesem Tag herrschten ideale Bedingungen: Das Wetter war schön, der Fels trocken. Doch gegen Abend, ausgerechnet im Bereich der häufig nassen und vereisten Kaminschlucht im Gipfelbereich, zieht ein lokales Ge-witter auf mit Starkregen, Sturm und Hagel. Klein und sein Begleiter erkennen die Gefahr, entschließen sich zur Umkehr. Mit Blick auf ihre aussichtslose Situation im tobenden Gewitter rufen die beiden Bergsteiger schon jetzt die Bergrettung. 

Eiskaltes Wasser in der Kaminschlucht

In Strömen schießt eiskaltes Wasser durch die gefährliche Kaminschlucht. Der 43-jährige Klein seilt sich als erster ab, will den Stand erreichen. Doch zehn Meter oberhalb verknotet sich das Seil. Was in diesem Moment letztlich am Fels
passiert ist, lässt sich nicht mehr sagen. Hat ein Blitz den erfahrenen Kletterer getroffen? Christoph Klein weiß es nicht, kann sich nicht mehr erinnern.

Bergretter riskieren ihr Leben

Trotz der schwierigen Wetterverhältnisse – das Gewitter ist noch in Abklingen   – brechen die Bergretter auf zu den Verunglückten – und erkennen schnell die dramatische Lage: Christoph Klein hängt leblos im Eiswasser. Ein Retter seilt sich vom Hubschrauber aus zu Klein ab. Schon im Hubschrauber wird versucht, den jungen Mann „aufzuwärmen“, liegt doch die Körperkerntemperatur bei gerade noch 20 Grad. Am Fuß der Wand beginnen die Retter mit der Reanimation. Wieder und wieder. Kein Puls.

Doch das Rettungsteam gibt nicht auf, gibt Klein nicht auf. Der Verunglückte wird ins Spital nach Trient geflogen. Dort entschließt sich das Ärzteteam zu einem relativ seltenen Eingriff, einer zentralen ECMO. ECMO ist die Abkürzung für Extracorporeal Membrane Oxygenation, das heißt, das Blut wird mit Sauerstoff an einer Membran außerhalb des Körpers angereichert. Kleins Brustkorb wird geöffnet, um ihn an die Herz-Lungen-Maschine anschließen zu können. Die Bemühungen fruchten: Nach fast zwei Stunden ohne Puls fängt das Herz langsam wieder an zu schlagen. Klein ist zurück im Leben. Vier Tage liegt er noch im Koma. Doch dann reagiert er mit einer zaghaften Bewegung auf die Bitte seiner Schwester: „Christoph, mach die Augen auf!“ 

Ein medizinisches Wunder

Dass das Gehirn des Sportlers keinen Schaden nahm, erklären die Ärzte mit der durch das Eiswasser verursachten rapiden Abkühlung des Körpers, sprechen aber von einem medizinischen Wunder.

Der Genesungsprozess schreitet schnell voran. Nach neun Tagen verlässt der Theologe das Krankenhaus. In der Nachbetrachtung des Geschehens lässt sich etwas erahnen von der prägenden Wucht.

Dank in Oberaudorf

Dankbar lud Christoph Klein deshalb im Jahr 2017 die vielen Oberaudorfer ein, die für ihn über Wochen gebetet „und mich so über die Zeit getragen haben“, wie er gestand. Gerade diese Erfahrung der Gemeinschaft über die heimatlichen Grenzen hinweg - Klein lebt in Altstätten in der Schweiz - habe ihn sehr berührt.

Beim Abendgebet an jenem Montag in der Klinik Bad Trissl in Oberaudorf wird mit bewegenden Worten dem Herrn für seine Rettung gedankt. Ob Gott eine Botschaft an ihn hatte? Klein interpretiert es so: „Du wirst gebraucht und der Herr hat noch ganz wichtige Aufgaben für mich.“ 

Klein spricht von Treue und Dankbarkeit

Und plötzlich spricht Klein, der sonst eher unbekümmert von dem Geschehen berichtet, von Treue, von Konsequenz, von Dankbarkeit. Die Suche nach Antworten auf die Frage, was genau seine Sehnsucht sei, habe ihn auf den Gedanken eines neuen Kletterkonzepts gebracht, das heikle und ernsthafte Touren nicht mehr beinhalten soll, sagt er – vor allem mit Blick auf seine Familie. 

Aufstieg zum Brünnsteingipfel

Zumindest bei seinem Besuch in Oberaudorf hat Christoph Klein mit der Umsetzung des Konzepts schon begonnen: Am letzten Tag seines Aufenthalts in der Inntalgemeinde geht er „nur“ hinauf zum Brünnsteingipfel, was ihm Erfüllung und Freude genug war, sagt er versonnen, greift sich ans Brustbein, tastet vorsichtig die Narbe ab – ganz so als wolle er sich des Wunders seines Überlebens versichern.

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