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Leserforum

Audorfer Chinesen

Zum Bericht „Gewerbegebiet statt grüner Wiese“ (Lokalteil):

Was macht das Leben auf dem Land aus? Dass sich Menschen über Generationen kennen, in Familienbetrieben wirtschaften und im Einklang mit der Natur leben? In China ganz bestimmt nicht: Viele Dörfer sind ausgestorben und jeder will in die Stadt. Als Ethnologe habe ich diesen Wandel seit 2005 mitverfolgt, als Bergbauernsohn kam ich jedes Jahr zurück nach Oberaudorf. Während China jedes Jahr anders aussah, liefen die Uhren langsamer in der bayrischen Heimat.

Seit letztem Jahr kommt mir Oberaudorf chinesisch vor: Es wird gebaut, verdichtet, und genehmigt, was das Zeug hält. Das Gschwendtnerfeld wird zubetoniert, am Heimfeld werden zahlkräftige Münchner angesiedelt, es kommen Discounter und Mietskasernen. Für wen eigentlich? Kann es sein, dass persönliche Interessen im Spiel sind in den Entscheidungen der Mehrheitspartei? Zumindest im Netz gibt es keine Opposition mehr und in der Facebook-Gruppe „OA da san mia dahoam“ (3200 Mitglieder) werden alle Nachrichten, die dem Parteiprogramm widersprechen, gelöscht. Nicht nur in diesem Sinn sieht Oberaudorf heute aus wie China vor 20 Jahren. Schade eigentlich. Es gäbe doch so viel Erhaltenswertes: ein lebendiges Vereinsleben, ein belebter Ortskern, fleißige Handwerker und Bauern. Das Betongold verspricht schnelle Lösungen, die aber nicht nachhaltig sind. Statt neuer Mieteinheiten müssten die Bestehenden besser genutzt werden und es braucht Grenzen beim Zuzug. Auf Aldi und Rossmann können wir nicht vertrauen: nicht in der Nahversorgung und ganz bestimmt nicht, was die Dorfgemeinschaft betrifft.

In China setzt langsam ein Umdenken ein. Braucht Oberaudorf dazu noch mehr blindes Wachstum? Die Fes te, die jetzt stattfinden, stimmen hoffnungsvoll: der Maibaum steht für unser Dorf, fia des wos mia san – und nicht für das, was andere für notwendig halten.

Hans Steinmüller junior

Cambridge/Zimmerau

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