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Werk von Tizian entdeckt

Jürgen Jung aus Oberaudorf liebt die Kunst des Barock und zeigt seine Sammlung in seinem Museum

Jürgen Jung, Leiter des Barockmuseums in Oberaudorf, plant für den Sommer eine Ausstellung.
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Jürgen Jung, Leiter des Barockmuseums in Oberaudorf, plant für den Sommer eine Ausstellung.
  • Barbara Forster
    VonBarbara Forster
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Er ist ein Sammler und Kenner: Jürgen Jung aus Oberaudorf. 2013 hat er im Luftkurort das Barockmuseum gegründet. Interessierten sein Wissen über Kunst zu vermitteln, ist seine Leidenschaft. Im Gespräch mit der Heimatzeitung schildert er Ausstellungspläne, die derzeit nur in seinem Kopf stattfinden.

Oberaudorf – Jürgen Jung hat ein geschultes Auge. Er ist in der Lage, in alten verdreckten Gemälden Details zu erkennen, die andere übersehen würden. „Jedes Bild hat eine Handschrift“, weiß er. Und sein Job ist es, diese dem richtigen Künstler zuzuordnen.

Der 61-Jährige ist gelernter Gemälderestaurator und leidenschaftlicher Kunstsammler. Vor allem die „Alten Meister“ haben es ihm angetan. Als er vor einigen Jahren mit all seinen Gemälden von München ins Inntaler Bergdorf zog, realisierte er, dass es in der Nähe kein einziges Kunstmuseum gab. Das sei für ihn die „Initialzündung“ gewesen, 2013 ein Barockmuseum zu gründen.

Einen Tizian für 270 Mark erstanden

„Ganz klein“ habe sich die Idee entwickelt. Er mietete den Raum einer alten Glaserei in der Kufsteinerstraße und hängte zunächst seine eigenen erworbenen Bilder auf. Später kamen Leihgaben und Schenkungen hinzu – mittlerweile hingen über 70 Barockbilder vom 15. bis hin zum 18. Jahrhundert dort. Viele der Bilder hat Jung selbst entdeckt. Zum Beispiel ein kleines Porträt des Malers Tizian. Das habe er damals für 270 Mark in einer Auktion erstanden. Das Bild wurde „verkannt“, doch Jung hat den Wert des Bildes „erkannt“ und verhalf ihm durch eine Restauration zum erneuten Glanz.

Werbung müsse Jung für sein kleines Museum nicht machen: „Das läuft alles über Mundpropaganda.“ Viele Touristen, teils auch internationale, ziehe es in die roten Wände, hinein in die Welt der barocken Kunst. Und dort lauschen sie Jungs Erklärungen zu den alten Gemälden.

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„Kunst verbindet in jeder sozialen Schicht“, sagt der Museumsleiter, „früher konnten die Leute nicht lesen, da mussten die Bilder für sich sprechen.“ Mit Besuchern sein Wissen zu teilen, sei für ihn „kein Zwang“, sondern ein Vergnügen. Deshalb mache es ihm nichts aus, jeden Sonntag für Kunstinteressierte bereitzustehen.

Aber seit Oktober sind die Pforten des Museums erneut geschlossen. Noch im August, vor dem zweiten Lockdown, hat Jung eine Ausstellung in der Oberaudorfer Turnhalle initiiert: „Europäische Stillleben des Barock im 17. und 18 Jahrhundert“, lautete der Titel. Ein Erfolg, wie der 61-Jährige erzählt. Von nun an möchte er mehr Themenausstellungen in die Wege leiten.

Über 70 Werke hängen in dem Barockmuseum, welches Bürgermeister Matthias Bernhardt als wahres „Kleinod“ bezeichnet.

Geplant sei im kommenden Sommer zum Beispiel ein grenzüberschreitendes Projekt mit der Fachhochschule Kufstein. Wegen Corona sei das aber „alles noch offen“. Aber in Jungs Kopf ist schon alles geplant. Unter dem Aspekt „Deutsche und österreichische Barockmalerei des 17. und 18. Jahrhunderts“ will er Werke zusammentragen. Auch ein Katalog soll dazu erstellt werden. Da sei allerdings die finanzielle Frage noch nicht geklärt. Die Nachbarländer seien auch in der Kunst eng miteinander verbunden, weiß der Experte. „Früher ist man gewandert. Die österreichischen Künstler sind nach Augsburg gekommen und umgekehrt.“

Momentan in der Warteschleife

Auch wenn man sich derzeit in der „Warteschleife“ befinde, gibt sich der 61-Jährige optimistisch: „Das Projekt steht. Zusagen von Leihgaben sind auch schon da.“ Wo die Ausstellung stattfinden wird, sei allerdings noch ungeklärt. Wegen der Pandemie brauche man auf jeden Fall ein „großes Gebäude“. Gezeigt werden sollen an die 50 Werke.

Bürgermeister Matthias Bernhard bezeichnet das Barockmuseum als „Kleinod“ in Oberaudorf. „Solche ausgestellten Gegenstände findet man sonst nur in großen Museen.“ Jemanden wie Jung im Dorf zu haben sei deshalb ein „Highlight“. Er habe ein enormes Fachwissen. Dadurch kriege man einen ganz anderen Blick auf die Kunst.

Ein besonderes Vergnügen ist es für den Museumsleiter, wenn Schulklassen zu Besuch kämen. „Die sind fast noch ausdauernder als die Erwachsenen“, sagt er. Dass Barock „nur etwas für alte Leute ist“, sei längst vorbei. Die meisten Besucher wären junge Leute. Und das freut den 61-Jährigen. Denn barocke Kunst sei für ihn ein Stück „Kulturgut“, das keinerlei Rechtfertigung bedarf. Schon als Junge war er von den „bunten, leuchtenden“ Deckengemälden der alten Kirchen fasziniert. „Und damit hat es angefangen“, sagt Jung. Leidenschaft. Was ihn antreibe, sei pure Leidenschaft.

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