Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


Nußdorfer ärgern sich über Vorgehen des Zementwerks: „Einen verträglichen Abbau gibt es nicht!“

Steinbruch des Zementwerks in Nußdorf: Sprengungen oder Verstürzungen von Gestein finden nicht nur bei regnerischem Wetter statt und sorgen dann für erheblich Immissionen, von denen unmittelbar die Anwohner des Nußdorfer Ortsteils Überfilzen betroffen sind. Steffenhagen

Vor Kurzem äußerte sich Zementwerk-Geschäftsführer Mike Edelmann zur Situation am Nußdorfer Steinbruch. Drei Nußdorfer nehmen jetzt Stellung und sind mit vielen Aussagen nicht einverstanden.

Nußdorf – „Einen verträglichen Abbau, wie ihn das Südbayerische Portland-Zementwerk (SPZ) in Rohrdorf wohlwollend nennt, den gab es nie und den wird es auch nie geben“, sagt Sepp Reisinger und nimmt Bezug auf den erst kürzlich erschienenen Bericht in den OVB-Heimatzeitungen. Darin erläuterte Mike Edelmann, Geschäftsführer des Zementwerks in Rohrdorf, seine Sicht zur Situation am Nußdorfer Steinbruch. „Das tat er, nicht ohne dabei zugunsten des Zementwerks Vergangenheit und Zukunft zu beschönigen“, wirft ihm jetzt Reisinger vor.

Erster Abbauantrag nicht genehmigt

Er ist Mitglied beim Bund Naturschutz, zweiter Vorsitzender der Parteifreien Nußdorfer und Gemeinderat. Gemeinsam mit seinen Mitstreitern, Andi Salminger und Uli Kottmann, will er einige der Aussagen der Zementwerksleitung gerade rücken. Dabei stützt er sich auf das Gerichtsurteil des Bayerischen Verwaltungsgerichtshofs vom 28. Mai 2018.

+++

Tipp der Redaktion: Kennen Sie schon unseren kostenlosen Feierabend-Newsletter? Die Top-Themen der Region um 17 Uhr per E-Mail – sauber ausrecherchiert und aufgeschrieben von Ihrer OVB-Redaktion. Jetzt Newsletter ausprobieren!

+++

Dreh- und Angelpunkt der seit Jahren andauernden Auseinandersetzung mit dem Steinbruch sind die Abbauhöhe, der Erhalt der Sicht-, Staub-, und Lärmschutzwand und die Nichteinhaltung des Zementwerks zahlreicher Genehmigungsauflagen. „Im Winter 1978 wurde unter fachmännischer Anleitung vom damaligen Regierungsbaudirektor Otto Kirschenhofer ein Modell des Steinbruchs gebaut.

Es sollte veranschaulichen, wie der Steinbruch aussehen könnte, würden die Pläne des Betreibers tatsächlich umgesetzt“, schildert Reisinger. Damit habe das Modell, dass erst später vom Südbayerischen Portlandzementwerk (SPZ) aufgekauft wurde, dazu beigetragen, dass der Abbauantrag des SPZ in erster Fassung nicht genehmigt wurde. So finden sich im Genehmigungsbescheid vom 21. Juli 1980 sechs Bermen (Terrassen) mit 30 Metern Höhe und zehn Metern Tiefe, so wie die sich daraus ergebende Steinbruchoberkante von 758 Meter wieder. Dieser Rechtsauffassung konnte sich auch der Bayerische Verwaltungsgerichtshof in seinem Urteil anschließen. „Nicht nur mit dem Bermenabbau, sondern auch mit der Abbauhöhe konnten sich schon damals die Bewohner gegen das SPZ durchsetzen“, führt Uli Kottmann ins Feld.

Lesen Sie auch: Nußdorfer Bürgermeister: „Viel versprochen, nichts gehalten“

Lkw-Verkehr belastet Anwohner stark

Die Aussagen der Zementwerk-Geschäftsführer, dass bei der geplanten jährlichen Abbaumenge von 200 000 Tonnen Gestein nur rund 30 Lastwagen pro Tag verkehrten, könnten sie nicht nachvollziehen, so Reisinger. Seien doch dem Gemeinderat bereits 50 Abfahrten und 50 Zufahrten täglich genannt, was für eine erhebliche Verkehrsbelastung der Anwohner sorge.

Um diese Belastung für die Nußdorfer Anwohner möglichst gering zu halten, wurde in der Erstgenehmigung von 1960 festgelegt, dass die LKW außerhalb des Ortskerns über die dafür angelegte Betonstraße und dann über die A 93/A 8 das Zementwerk in Rohrdorf anfahren müssten, weiß Reisinger. „Mag sein, dass die Geschäftsführung das bei ihren Transporteuren so angeordnet hat. Konsequent umgesetzt wird das offensichtlich nicht. Die LKW weichen der Autobahn aus und nehmen die Route durch das Dorf, was wiederum zu einer massiven Belastung der dortigen Anwohner führt“, schildert der Nußdorfer. Das stelle leider keine Ausnahmen dar, hätten ihm Anwohner der Neubeurer und der Brannenburger Straße erzählt.

Sprengungen wehen Staub übers Dorf

Dass das abgebaute Gestein bisher nicht nur bei regnerischer Wetterlage verstürzt wurde, um die Staubimmission möglichst gering zu halten, sei so nicht richtig, stellen die Drei unter Bezugnahme auf die Äußerungen der Zementwerk-Vertreter unisono fest. Denn in der Vergangenheit sei immer wieder auch bei trockenem Wetter das Gestein von den Bermen gestürzt worden. Je nach Wetterlage und Windrichtung würden bei Sprengungen die Staubfahnen von Überfilzen sogar bis nach Nußdorf hineinziehen.

Lesen Sie auch: Diskussionen über Nordzulauf: Wo werden Lkw künftig fahren?

Außerdem werde die Forststraße vor der Sichtschutzwand seit 1996 rechtswidrig auch für den Abtransport von Material zur Zementherstellung und das Abfahren von Abraummaterial durch die Firma Holzner genutzt, so die drei Bürger.

Sprengungen im Steinbruch, die ebenfalls für eine hohe Staubbelastung sorgten, seien nicht nur weithin sicht- und hörbar, sondern lösten in den Gebäuden von Überfilzen Erschütterungen aus. „Durch den langjährigen Gesteinsabbau fehlt mittlerweile das dämpfende Polster, um diese Aktivitäten zu mildern,“ stellt Andreas Salminger fest.

Gutachten von 1993 bis heute nicht angepasst

Das von der SPZ-Geschäftsführung angesprochene zusätzliche Polster zum Schutz der Sichtschutzwand kann laut den drei Männern ebenfalls nicht nachvollzogen werden. Dazu Reisinger: „Eher macht es den Anschein, dass das Landratsamt in Rosenheim seiner Aufsichtspflicht nicht nachgekommen ist. So ist zum Beispiel das bereits im Jahr 1993 zum Schutz der Sichtschutzwand angefertigte Gutachten von Dr. Floss bis heute nicht von einem unabhängigen Gutachter angepasst worden“, wirft er der Behörde vor.

Warten auf Termin im Landratsamt

Im erschienenen OVB-Bericht räumt Mike Edelmann ein, dass bei aller Sorgfalt und unter Einhaltung von den geforderten Auflagen und Gesetzen nicht ausgeschlossen werden kann, dass immer alles regelgerecht abgebaut wird. „Wenn von vorne herein vom Antragsteller so argumentiert wird, ist das Landratsamt aufgefordert, eine entsprechende Genehmigung erst gar nicht auszusprechen“, kommentiert Sepp Reisinger. Gespannt blicken Reisinger, Kottmann und Salminger auf den erwarteten Erörterungstermin im Landratsamt, zu dem alle Einwände der Bürger gegen den geplanten Abbau der SPZ behandelt werden sollen.