Schach

Nußdorfer mit 87 bester Spieler in der A-Klasse des Kreisverbandes Inn-Chiemgau

Werner Höller aus Nußdorf hält viel von einer guten Partie Schach. Der 87-Jährige ist überzeugt: Das Schachspiel hält ihn geistig fit.
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Werner Höller aus Nußdorf hält viel von einer guten Partie Schach. Der 87-Jährige ist überzeugt: Das Schachspiel hält ihn geistig fit.
  • Barbara Forster
    vonBarbara Forster
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Worin liegt der Reiz im Schachspielen? Für Werner Höller liegt das klar auf der Hand: „Im Schach gibt es sehr schöne Kombinationen mit vielen Überraschungen.“ Der 87-Jährige ist seit Jahrzehnten Mitglied des Vereins „Inntaler Schachfreunde“ Und für ihn muss ein guter Spieler auch verlieren können.

Nußdorf/Oberaudorf –  Ein Brett mit 32 Figuren – und dazwischen zahlreiche Zugvariationen. „Schachspielen ist eine halbe Wissenschaft, eine Kunst für sich“, sagt Werner Höller. Und der 87-Jährige muss es wissen. Seit er sieben Jahre alt ist, beschäftigt er sich mit dem königlichen Spiel, studiert die Eigenarten der Spielfiguren oder analysiert Meisterpartien. Schachspielen sei schwer zu erlernen, so die Meinung des Experten. Schach sei kein Glücksspiel, sondern Denksport.

Vorstellungsvermögen und gutes Gedächtnis

Höller spielt seit Jahrzenten Turniere und gehört seit über 40 Jahren dem Verein „Inntaler Schachfreunde“ an. Und er habe doppelt so oft gewonnen wie verloren.

Was macht einen guten Schachspieler aus? „Konzentration, Vorausblick, Vorstellungsvermögen und ein gutes Gedächtnis“, nennt Höller als Schlagwörter. Man müsse seinem Gegner geistig stets einen Schritt voraus sein. „Ich muss mir vorstellen: Wie schaut nach drei, vier Zügen die Stellung auf dem Brett aus?“

Wer es aber wirklich zu einem Meister bringen möchte, müsse begabt sein. Begabt und fleißig: „Fleißige Spieler lesen Literatur und betreiben Theoriestudium.“ Und dennoch: Zum Schachspielen gehöre es auch, verlieren zu können.

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Werner Höller über einen Gegner

Eine Partie können Stunden dauern. „Viele ertragen es dann nicht, zu verlieren.“ Einmal, so schildert der Nußdorfer lachend, hätte er einen Gegner gehabt, der den Tisch einen halben Meter von sich weggeschoben hat. Ein würdevoller Verlierer reiche dem Gewinner stets die Hand. Eine Geste, die derzeit wegen Corona nicht möglich ist.

Seine letzte Partie? Ist schon eine Weile her. Im September spielte er im Oberaudorfer Ratskeller, fällt dem 87-Jährigen wieder ein. Seither beschäftigt er sich zuhause mit „Problemschach“. Das seien Schachaufgaben, die man schriftlich lösen muss.

Zwar sind die „Inntaler Schachfreunde“ mittlerweile auf Schachpartien im Internetportal „LICHESS“ umgestiegen, aber das interessiere Höller nicht. Er habe kein Internet. Und zum Schachspielen gehört für ihn stets ein Gegenüber dazu. „Im Internet, da könnte ich ja praktisch schwindeln.“

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Ein „begnadeter Schachspieler“

Dieter Schönleben, Vorsitzende der „Inntaler Schachfreunde“, bezeichnet Höller als „begnadeten Schachspieler“. In der vergangenen Saison sei er der beste Spieler in der A-Klasse des Kreisverbandes Inn-Chiemgau gewesen. Für die Mannschaft der Inntaler Schachfreunde erzielte er in der A-Klasse acht Siege und ein Remis aus insgesamt neun Partien. Mittlerweile sei Höller, der von 1991 bis 2998 Vereinsvorsitzender war, Ehrenvorsitzender. „Er ist ein bescheidener Mann“, sagt Schönleben. Aber er habe es verdient, auch einmal im Mittelpunkt zu stehen. „Er hat sich viel um den Aufbau des Schachclubs gekümmert.“

Dass von 35 Mitgliedern des Vereins 20 unter 18 Jahre sei, findet Werner Höller toll. Sein Wissen und seine Erfahrungen gibt er gern an die jüngere Generation weiter. In den 70er Jahren schrieb er außerdem ein Schachbuch für Kinder. Der Titel des Buches: „Schach für Jungen und Mädchen. Ein Lehrbuch für die Jugend.“ Laut Höller war das zur damaligen Zeit eines der ersten Schachbücher für Kinder.

Er selbst hat Schach von seinem Vater gelernt. „Ein schwacher Spieler“, offenbart Höller. Aber es reichte, um in ihm das Interesse zu wecken. Als er in der Schule einen Kameraden fand, der ebenfalls seine Leidenschaft für Schach teilte, intensivierte er seine Fähigkeiten. Mit 14 Jahren trat er dem Ebersberger Schachclub bei. „Da habe ich dann langsam mit Turnieren begonnen.“

Schach ist immer für Überraschungen gut

Seit 1959 ist der gebürtige Grafinger in Nußdorf ansässig. In das schöne Inntal kam er wegen seines Berufs als Hauptschullehrer. Und durch die „Inntaler Schachfreunde“ ergaben sich manche langjährige Freundschaften. Ob er wegen des Schachspiels mit 87 Jahren noch so fit sei? Davon ist der Pensionär überzeugt: „Im Schach gibt es sehr schöne Kombinationen mit vielen Überraschungen.“ Man wisse nie ganz genau, was auf einen zukomme. Das mache das Schachspiel auch so spannend.

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