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Nußdorf am Inn, Neubeuern und Samerberg

Ein Standesamt für drei Gemeinden: Das ändert sich für die Bürger

Gemeinde Neubeuern Luftbild
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Die Gemeinde Neubeuern soll ab dem ersten Januar Sitz des neuen Standesamtsbezirks Inntal werden.
  • VonVolkhard Steffenhagen
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  • Katharina Koppetsch
    Katharina Koppetsch
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Drei Inntalgemeinden wollen ab dem 1. Januar 2023 einen gemeinsamen Standesamtsbezirk gründen. Nußdorfs Bürgermeisterin Susanne Grandauer erklärt in einer außerordentlichen Bürgerversammlung, für welche Behördengänge die Einwohner künftig nach Neubeuern fahren müssen.

Nußdorf – Die Idee, dass die drei Gemeinden Nußdorf, Neubeuern und Samerberg ein Standesamtsbezirk bilden, ist nicht neu. Bereits vor sechs Jahren habe das Rosenheimer Landratsamt den drei Gemeinden gesagt, das eine Zusammenlegung Sinn machen würde, erklärt Nußdorfs Bürgermeisterin Susanne Grandauer in einer außerordentlichen Bürgerversammlung. Der Sitz des Standesamtsbezirk soll ab dem ersten Januar in Neubeuern entstehen. Für die Bürger aus den drei Gemeinden bedeutet das, dass sie für Beurkundungen eigentlich ins Neubeurer Rathaus fahren müssen. Dabei gibt es aber einige Ausnahmen.

In der Gemeinde Samerberger wird es trotz den Zusammenschluss weiterhin eine Außenstelle geben. Damit können die Dienste des Standesamts weitgehend am Ort zur Verfügung stellen, heißt es von Bürgermeister Georg Huber (Parteifreie Samerberger) auf Anfrage. Etwas, das allen drei Gemeinden erhalten bleibt, sind Trauungen. Wenn es die Paare wünschen, kann der Bürgermeister sie nach wie vor vor Ort abhalten. Für alle anderen Dinge, die das sogenannte Personenstandsgesetz betreffen, wie zum Beispiel eine Namensänderung, die Beurkundung von Sterbefällen oder Anerkennung von der Mutter- oder Vaterschaft müssen die Nußdorfer Bürger und die Samerberger Bürger, soweit ihre Außenstelle nicht besetzt ist, voraussichtlich ab Januar ins Auto steigen und sieben bis 15 Minuten nach Neubeuern fahren.

Referentin teilt ihre Erfahrungen

Dass die drei Gemeinden nun diesen Schritt in der Verwaltung gehen, hat vor allem personelle Gründe. Es reiche nicht aus, dass eine Gemeinde einen qualifizierten Standesbeamter vorhalten müsse, sondern diese müsse auch die Vertretung sicherstellen, so die Nußdorfer Bürgermeisterin. Das sei gar nicht so leicht, denn nicht jeder Gemeindemitarbeiter könne einen Standesbeamten vertreten, erklärt die zur Bürgerversammlung eingeladene Referentin Claudia Schaber. Sie hat in den vergangenen Jahren auf diesem Gebiet als Mitarbeiterin eines großen Standesamtsbezirks im nördlichen Landkreis von Rosenheim, dem insgesamt elf Gemeinden angehören, viel Erfahrung gesammelt.

Insbesondere Nußdorf würde zu den kleineren Standesämtern gehören, bei dem die Vertretung nur schwer umsetzbar sei. In Nußdorf würden zum Beispiel im Jahresdurchschnitt zehn bis zwölf Eheschließungen, 25 bis 30 Sterbefälle und eine Geburt abgewickelt. Das sei zu wenig, um eine Standesamtsleitung einzustellen, so Nußdorfs Bürgermeisterin. Zudem ändere sich in den kommenden Jahren die personelle Situation in Neubeuern und am Samerberg. Dort würden in absehbarer Zeit die Standesamtsleiter aus dem Dienst ausscheiden.

Ein komplexer Beruf

Um ein Standesbeamter zu werden, seien umfangreiche Lehrgänge und regelmäßige Fortbildungen notwendig, erläutert die Gastreferentin. „In Zeiten, in denen der Fachkräftemangel die Gemeinden hart trifft und in Zukunft noch härter treffen wird, ist es wichtig, zukunftsweisende Entscheidungen zu treffen und Synergieeffekte auszunutzen“, sagt Grandauer.

Die Bürgermeister der jeweiligen Gemeinden können nach wie vor Trauungen vornehmen.

Qualität der Arbeit soll erhalten bleiben

„Die Gründe für mich und unser Gremium sind eigentlich recht klar“, erläutert Neubeuerns Bürgermeister Christoph Schneider (Parteifreie Bürger für Neubeuern) die Beweggründe seiner Gemeinde gegenüber dem OVB. „Der Fachkräftemangel im Bereich des Standesamtswesen, die immer fortschreitende Komplexität und Spezialität der Anliegen und Sachverhalte verändern diesen Bereich stetig. Um die Qualität in der Sachbearbeitung aufrecht zu erhalten und eine gute Vertretung zu gewährleisten und später auch Kosten zu sparen ist es wohl aktuell der richtige Schritt.“ Alle drei Gemeinderäte haben daher in ihren jeweiligen Gremiumssitzungen für eine Zusammenlegung gestimmt. Damit nun der Standesamtbezirk „Inntal“ entstehen kann, muss nach den Gemeinden auch das Landratsamt Rosenheim als zuständige Behörde der Zusammenlegung zustimmen.

Angst vor Verwaltungsgemeinschaft

Neben überwiegend positiven Reaktionen gab es eine kritische Anmerkung während der Nußdorfer Bürgerversammlung. Ein Bürger sieht hier den Beginn der Zusammenlegung von Gemeinden zu einer Verwaltungsgemeinschaft. Dem widersprach Susanne Grandauer: „Die Zusammenlegung der Standesämter hat nichts mit der Bildung einer Verwaltungsgemeinschaft zu tun. Davon sind wir weit entfernt. Das wollen wir nicht.“

Auch Samerbergs Bürgermeister Huber stellt klar: „Wir dürfen in dem Bereich keine Berührungsängste haben. Wir arbeiten interkommunal zusammen und damit kommt es zu einer Verbesserung.“ Christoph Schneider aus Neubeuern sieht in der Zusammenlegung der Standesämter eine Chance. „Wahrscheinlich wird es in Zukunft mehr Kooperationen geben müssen, damit Autonomie und Selbstständigkeit erhalten werden können. Der Fachkräftemangel und die durch die Gesellschaft gestellten Anforderungen an öffentlichen Leistungen machen es für kleine Gemeinden mit überschaubaren Verwaltungspersonal sehr herausfordernd.“

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