Gemeinderat protestiert

Nußdorf: Landratsamt kippt öffentlichen Erörterungstermin zum Steinbruch – wegen Corona

Der Steinbruch am Heuberg bereitet den Bürger und Anwohner vom Ortsteil Überfilzen Kopfzerbrechen. Bis Freitag, 30. Oktober, können noch Stellungnahmen beim Landratsamt eingereicht werden.
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Der Steinbruch am Heuberg bereitet den Bürger und Anwohner vom Ortsteil Überfilzen Kopfzerbrechen. Bis Freitag, 30. Oktober, können noch Stellungnahmen beim Landratsamt eingereicht werden.
  • vonVolkhard Steffenhagen
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Das Landratsamt Rosenheim will nun auf einen öffentlichen Erörterungstermin coronabedingt verzichten und ohne Bürgerbeteiligung über den Antrag zur Erweiterung des Steinbruches in Nußdorf entscheiden. Der Gemeinderat Nußdorf ist dagegen und bringt seine Einwände zu Papier.

Nußdorf – Entgegen der bisherigen Absicht, will das Landratsamt Rosenheim auf einen öffentlichen Erörterungstermin coronabedingt verzichten und ohne Bürgerbeteiligung über den Antrag zur Erweiterung des Steinbruches in Nußdorf entscheiden. Dadurch würde eine umfangreiche Abstimmung der betroffenen Bürger unterbunden werden. Um dies zu verhindern, hat der Gemeinderat Nußdorf in der jüngsten Sitzung einstimmig beschlossen, den Arbeitskreis „Steinbruch“ zu beauftragen, die Stellungnahmen der Gemeinde auszuarbeiten und beim Landratsamt termingerecht einzureichen.

Stellungnahmen seien noch nicht komplett

Im April 2019 stellte der Steinbruchbetreiber, die südbayerischen Portlandzementwerk Gebrüder Wiesböck & Co. GmbH (SPZ), einen Antrag auf wesentliche Änderung des Steinbruchs mit Durchführung eines Umweltverträglichkeitsverfahrens unter Öffentlichkeitsbeteiligung.

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Die Auslegungsfrist hierzu endete am 30. September 2020. Die Bevölkerung hat aber noch bis Freitag, 30. Oktober, Gelegenheit, Einwendungen schriftlich beim Landratsamt einzureichen.

Die Gemeinde Nußdorf hat Spezialisten mit der Ausarbeitung von Vorschlägen für die Einwendungen beauftragt. Zwischenzeitlich würden einige dieser Stellungnahmen vorliegen (unter anderem die Umweltverträglichkeitsprüfung sowie das Sprenggutachten), die Unterlagen seien aber noch nicht komplett, sagte Bürgermeister Sepp Oberauer (CSU/FWG) in der Sitzung. Deshalb trifft sich der Arbeitskreis „Steinbruch“ am Montagabend (26. Oktober), um alle Einwände zu Papier zu bringen. Dabei soll auch der Einwand gegen den Wegfall eines öffentlichen Erörterungstermins vorgebracht werden, erklärte Oberauer auf Nachfrage der OVB Heimatzeitungen. Laut Gemeinde könne gegen dieses Vorgehen Einspruch erhoben werden.

Abbau von knapp zehn Millionen Tonnen Kalkstein für Zement

Gemeinderätin Barbara Schiedermair (Parteifreie Nußdorfer) schlug wegen der Bedeutung und der bisher großen Bürgerbeteiligung vor, gegebenenfalls das Erörterungsverfahren so lange zu verschieben, bis es coronabedingt wieder durchzuführen wäre. „Das Thema hat für unsere Region eine so große Bedeutung, dass man so eine Erörterung nicht hinter verschlossenen Türen durchführen kann.“ Unterdessen hat der Bund Naturschutz ein Muster für eine Einwendung als Hauswurfsendung an alle Nußdorfer Haushalte verteilt. Auch der Ortsverband der Grünen Neubeuern/Nußdorf ist dagegen, dass das Landratsamt Rosenheim über die Köpfe der unmittelbar betroffenen Bürger hinweg entscheiden will.

Bei dem ursprünglich öffentlichen Erörterungstermin gehe es um den weiteren Abbau von knapp zehn Millionen Tonnen Kalkstein zur Zementgewinnung über die nächsten 50 Jahre, erklärt Corinna Muttray, Sprecherin des grünen Ortsverbands Neubeuern/Nußdorf, in einer Pressemitteilung. Und das ist in den Augen der Grünen ein als hoch zu bewertender Eingriff in das Schutzgut Landschaftsbild. Die vorgesehenen Spreng- und Abraumarbeiten würden noch weitere zwei bis drei Generationen betreffen. Der Ortsverband fordert vom Landratsamt, alle Möglichkeiten zur Durchführung eines öffentlichen Erörterungstermins zu prüfen.

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Nach Ansicht der Grünen sollte die Anhörung zur Not in kleineren Gruppen und über mehrere Tage hinweg durchgeführt werden, bestenfalls kombiniert mit einer Live-Online-Übertragung und der Möglichkeit, sich per Video-Konferenz zuzuschalten.

Grüne haben erhebliche Bedenken

Im Steinbruch bei Überfilzen werde seit rund 60 Jahren Kalkstein zur Zementherstellung abgebaut. Mittlerweile sei der Eingriff so massiv, dass das Loch im Berg bereits vom Irschenberg aus gut zu sehen sei und das Landschaftsbild des Inntals negativ präge.

Eine nochmalige Erweiterung in dieser Höhe und mit einem Volumen, das ungefähr dem Doppelten der Allianz-Arena entspreche, hätte „weitere fatale, irreversible und weithin sichtbare Folgen für das Landschaftsbild“, macht Muttray deutlich.

Nach Einsicht der Antragsunterlagen bestünden zudem erhebliche Bedenken im Bereich der geologischen Standsicherheit: „Dass das Ökosystem dort jetzt schon nicht mehr funktioniert, haben die Überschwemmungen nach dem Starkregen Anfang August gezeigt.“

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