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Das Wort der Eltern gegen das Wort der Bürgermeisterin

Kein Platz für Maxi (3) – Bub mit Gehbehinderung darf nicht in den Nußdorfer Kindergarten

Mit dem kleinen „Gehwagerl“ kann sich Maxi Amor (Mitte) fortbewegen. Seine Eltern Florian und Monika Amor sind enttäuscht, dass ihr Sohn nicht im Kindergarten aufgenommen wird.
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Mit dem kleinen „Gehwagerl“ kann sich Maxi Amor (Mitte) fortbewegen. Seine Eltern Florian und Monika Amor sind enttäuscht, dass ihr Sohn nicht im Kindergarten aufgenommen wird.
  • VonPaula L. Trautmann
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Maxi Amor (3) hat eine Bewegungsstörung und braucht ein „Gehwagerl“, um sich fortzubewegen. Er kann Treppen steigen und ist auch sonst recht selbstständig. Bei allem anderen hilft ihm seine Individualbetreuerin. Dennoch wird er nicht im Nußdorfer Kindergarten „St. Vitus“ aufgenommen. Die Eltern schockiert diese Entscheidung. Bürgermeisterin Susanne Grandauer wehrt sich gegen die Vorwürfe.

Nußdorf – Maxi ist ein Kind wie jedes andere. Er will Feuerwehrmann werden, liebt Baggervideos und tobt gern mit seinen Freunden. Die Krippenkinder stehen vor einem großen Ereignis in ihrem Leben: dem Übergang in den Kindergarten. Im Gegensatz zur Krippe ist dieser nicht barrierefrei. Deshalb trennen sich die Wege der Freunde.

Aus dem sozialen Umfeld gerissen

Monika und Florian Amor hätten sich gewünscht, dass es nicht so weit kommt. Für die psychische und kognitive Entwicklung von Maxi sei es besser, wenn er in einen „normalen“ Kindergarten gehe. „Das ist Integration und Inklusion. Es ist das Blödeste für ein Kind, wenn es aus seinem sozialen Umfeld gerissen wird“, sagt Monika Amor.

Doch Anfang Juni bringt der Postbote einen kleinen Brief mit großer Bedeutung. Nach unzähligen Terminen, Telefonaten und Gesprächen ist nun klar: Maxi darf den Nußdorfer Kindergarten nicht besuchen. Als Träger der Kita „Haus für Kinder St. Vitus“ kündigt die Gemeinde den Betreuungsvertrag. Die Voraussetzungen dafür seien erfüllt.

Kein Vertrauensverhältnis zwischen den Parteien

Nach Angaben in dem Brief braucht Maxi eine besondere pädagogische Förderung, „die in der Kindertagesstätte nicht geleistet werden kann“. Als Grund werden räumliche und personelle Gegebenheiten angeführt. Die Zusammenarbeit mit den Eltern gestalte sich schwierig und es sei kein Vertrauensverhältnis mehr gegeben.

„Der Kindergarten ist in keiner Weise barrierefrei“

Wann und weshalb es zum Vertrauensbruch kam, will Bürgermeisterin Grandauer nicht beantworten. Sie müsse sich an die Schweigepflicht halten. Der Hauptgrund für die Absage seien ohnehin die Räume und das „hügelige Gelände“. Grandauer zufolge müsste viel umgebaut werden. Es gebe zu viele Schwellen und Stufen. Maxi könne sich in dem Gruppenraum nicht mit seiner Gehhilfe bewegen. Das Zimmer sei zu klein. „Der Kindergarten ist in keiner Weise barrierefrei“, sagt die Bürgermeisterin. Aufgrund der Hanglage seien große Erdbewegungen nötig, um Barrierefreiheit im Garten zu schaffen.

Dass die Räume und das Gelände nicht barrierefrei sind, zählt für die Amors nicht als Argument. Maxi kann Treppen rauf und runter gehen, indem er sich am Geländer festhält. Alternativ krabbelt er die Stufen hinauf oder rutscht sie hinunter. Er braucht nur ein, bis zwei Minuten länger als ein Kind ohne Gehbehinderung. Monika Amor zufolge sollte jemand aufpassen, damit Maxi nicht herunter purzelt.

Die Stunden der Individualbetreuerin können aufgestockt werden

Die Treppe zum Eingang des Kindergartens brächten die Eltern ihr Kind ohnehin selbst hinauf. Die Stufen in den Garten nehmen die Kinder nach Angaben von Monika Amor einmal am Tag, in den Turnraum im Keller gehen sie ein bis zwei Mal die Woche. Maxis Individualbetreuerin könne ihm dabei helfen. „Sie ist nur für ihn da“, sagt Amor. Maxi wäre 31 Stunden im Kindergarten. Die Betreuungskraft sei für 18,5 Stunden in der Woche genehmigt. Die Stundenzahl könne auf 30 erhöht werden.

Auch der Garten sei kein Problem. Mit einer Gehhilfe könne sich Maxi auf hügeligem Gelände bewegen. Monika Amor hat angeboten, einen Rollator im Kindergarten zu lassen. Das habe die ehemalige Kindergartenleiterin nicht gewollt. Ihre Nachfolgerin, Veronika Schied, wollte sich weder zu diesem Thema, noch zu den personellen Gründen äußern.

Laut der Bürgermeisterin gibt es zu wenig Erzieher

Nach Angaben von Bürgermeisterin Grandauer sucht der Kindergarten nämlich Erzieher. Aktuell sei nicht genügend Fachpersonal angestellt, um Maxi zu betreuen. Auch wenn sich die Individualbetreuerin Vollzeit um den Bub kümmern würde, sei eine Aufnahme aufgrund der Räume nicht möglich.

Das stößt auf Unverständnis bei den Eltern, weil sich die Individualbetreuung nur um Maxi kümmert. „Ich war etwas perplex, weil ich mit so vielen Gegenargumenten nicht gerechnet habe“, sagt Monika Amor. Die Bürgermeisterin und die ehemalige Kindergartenleiterin hätten betont, dass alles Mögliche getan wird, damit Maxi bleiben kann. Lösungen haben sie der Mutter zufolge jedoch nicht gesucht. „Das hat mich total frustriert“, sagt sie.

Florian Amor teilt die Enttäuschung: „Es wird alles immer nur abgelehnt. Es heißt: Der Maxi kann das nicht, das nicht und auch das nicht.“ Dabei sei seine Frau von Anfang an aktiv gewesen, habe angeboten, sich um alles zu kümmern und sogar Förderanträge zu stellen. Die finanzielle Unterstützung zum Umbau des Kindergartens hat die Gemeinde nach Angaben von Bürgermeisterin Grandauer bereits kurz nach ihrem Amtsantritt im Dezember beantragt.

Haftungsgründe als Problem?

„Wir warten noch auf die Zusage der Fördermittel“, sagt Grandauer. Auch der „vorzeitige Maßnahmenbeginn“ sei noch nicht genehmigt. Erst damit könne die Gemeinde den Auftrag für den Umbau öffentlich ausschreiben. Die Weichen seien gestellt, die Realisierung dauere nur länger als gedacht. Sie könne sich nicht über die Vorschriften hinwegsetzen und müsse die Förderrichtlinien einhalten. Das Ziel, einen barrierefreien Inklusions-Kindergarten für die gesamte Gemeinde zu schaffen, verfolge sie mit vollem Engagement.

Aus Haftungsgründen könne die Einrichtung Maxi unter den aktuellen Bedingungen aber nicht aufnehmen. Der Kindergarten habe keinen Integrationsstatus. Wenn die Gemeinde dennoch Integrationskinder aufnähme, obwohl keine Barrierefreiheit besteht, werde das „zum großen Problem“. „Das ist eine Verantwortung, die niemand übernehmen kann, beziehungsweise darf“, sagt Grandauer.

Die Kommunikation scheint gescheitert

Unabhängig davon, welche Argumente beide Seiten nennen, scheint die Kommunikation gescheitert. Die Eltern beklagen, dass die Bürgermeisterin Maxis Kinderärztin und Therapeuten „hinter ihrem Rücken“ kontaktiert habe. Nach Angaben von Monika und Florian Amor hat im April ein Treffen zwischen den Therapeuten und Susanne Grandauer stattgefunden. Die Eltern waren nicht eingeladen.

Zudem habe die Bürgermeisterin den Amors zufolge einen schriftlichen Bericht über Maxis kognitive und körperliche Fähigkeiten angefordert. Das Gutachten liegt der Redaktion vor. Dritte haben die Aussagen der Eltern bestätigt. Susanne Grandauer versichert hingegen, dass sie einen solchen Bericht nie verlangt habe.

Die Eltern sollten die drei Seiten Papier nach eigenen Angaben zum „runden Tisch“ Ende Mai mitbringen. Die Bürgermeisterin hatte dazu eingeladen. Teilgenommen haben die Amors, die Therapeuten, die Kinderärztin, die Kindergartenleiterin und ihre Stellvertreterin sowie die Bürgermeisterin und ihr Stellvertreter. Sie sprachen über Maxis Zukunft. Um das Ergebnis positiv zu beeinflussen, wollte Monika Amor den Bericht mitbringen, vergaß ihn jedoch „vor lauter Aufregung und Übelkeit“.

„Das war wie eine Gerichtsverhandlung“

Im Nachhinein sind sich die Eltern sicher, dass das Gutachten ohnehin nichts geändert hätte. „Das war wie eine Gerichtsverhandlung“, erinnert sich Florian Amor. Er und seine Frau hatten das Gefühl, dass die Entscheidung schon längst gefallen sei. Die Bürgermeisterin wollte sich nicht zu dem „runden Tisch“ äußern.

Auf die Frage, ob Maxi in den Nußdorfer Kindergarten aufgenommen werde, wenn er umgebaut ist, antwortet Grandauer: „Das kann ich momentan nicht abschätzen, das bedarf immer einer individuellen Prüfung.“ In der Zwischenzeit hat Maxi einen Platz gefunden – in einem Kindergarten im Nachbarort. Auch dort gibt es viele Stufen und Schwellen im Innenbereich sowie Hügel und Hindernisse im Garten.

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