Nußdorf: Der Erler Wind wird jetzt genau untersucht

Zwischen Erl in Tirol und Nußdorf kann ein seltenes meteorologisches Phänomen beobachtet werden, dass sich aus der besonderen geografische Situation des nördlichen Inntals ergibt.
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Zwischen Erl in Tirol und Nußdorf kann ein seltenes meteorologisches Phänomen beobachtet werden, dass sich aus der besonderen geografische Situation des nördlichen Inntals ergibt.

Zwischen Erl in Tirol und Nußdorf kann ein seltenes meteorologisches Phänomen beobachtet werden, dass sich aus der besonderen geografische Situation des nördlichen Inntals ergibt.

Nußdorf/Sonnhart – In diesem Bereich verengt sich das Inntal zwischen den Bergen des Mangfallgebirges und Chiemgauer dem Kranzhorn.

Merkwürdiges Phänomen

Dazu heißt es beim Nußdorfer Ortschronisten Dürnegger (Nußdorf Einst und Jetzt, 1951): „Merkwürdig ist hier der Südwind, welcher den vulgaren Namen Erlerwind hat, von dem nächsten Tiroler Dorf, über welches er sich aus den Tiroler Schluchten hervorzwängt und sich in die Ebenen Bayern längst dem Inn fortsetzt. Am häufigste bläst er am Morgen und gewöhnlich sehr kalt.“ Bernegger zitiert dabei eine Quelle aus dem 18. Jahrhundert. Und schließlich war auch der Erler Namensgeber für den Nußdorfer Ortsteil mit dem bezeichnenden Namen Windshausen.

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Ein Ungleichgewicht der Luftmassen und der Temperaturunterschied zwischen der Rosenheimer Ebene und den Alpen sorgt für Luftdruckunterschiede und für das Phänomen, das sich vereinfacht so erklären lässt: Kalte und damit schwere Luft fällt in der Nacht von den Bergen hinunter ins Tal und sorgt damit für einen heftigen kalten Südwind, der durch den Düseneffekt zwischen den Gebirgen verstärkt wird. Am Vormittag ändert sich dann der Verlauf, nun weht der Wind taleinwärts. So ergibt sich eine besondere Eigenart in dieser Region, die zwar seit Jahrhunderten beobachtet wurde, ab dennoch viele Fragen offenlässt, insbesondere die Frage, ob diese Windenergie wirtschaftlich genutzt werden kann.

Forschungsprojekt gestartet

Daher möchte die Technische Hochschule Rosenheim, in Kooperation mit der Fachhochschule Kufstein, im Rahmen eines Forschungsprojekts den Erler Wind wissenschaftlich untersuchen und eine fundierte Datengrundlage liefern.

Um diese Daten zu erheben, wurde ein eigens entwickelter, zehn Meter hoher, energieautarker Meteorologiemessmast in Sonnhart aufgestellt. Dieser misst in kurzen Intervallen alle wichtigen Klimadaten und überträgt diese zur Auswertung an die TH Rosenheim. Die Messstation gehört zu einem Meteorologienetzwerk der TH, das über fünf Standorte in den Landkreisen Rosenheim und Traunstein verfügt. Zudem wird über rund vier Wochen ein laser-basiertes Messgerät die Windgeschwindigkeiten in Höhen bis 200 Meter messen, um so die Höhenentwicklung des Windes zu erforschen. So erhoffen sich die Forscher, dass sie sich ein genaueres Bild vom Erler Wind machen können. Die Daten könnten dann auch als Grundlage für eine Bewertung dienen, ob und an welchen Standorten sich Kleinwindkraftanlagen im Inntal rechnen.

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