Ausbau der Mobilfunkversorgung

Nußdorfer Bürger in Sorge: Kommt ein Mobilfunkmast direkt am Rathaus?

Die Telekom wünscht sich einen zentralen Mobilfunkstandort – idealerweise am Rathaus. Ohne Mitsprache will das die Gemeide Nußdorf nicht hinnehmen und hat Experten beauftragt, Untersuchungen durchzuführen.
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Die Telekom wünscht sich einen zentralen Mobilfunkstandort – idealerweise am Rathaus. Ohne Mitsprache will das die Gemeide Nußdorf nicht hinnehmen und hat Experten beauftragt, Untersuchungen durchzuführen.
  • vonVolkhard Steffenhagen
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Die Mobilfunkversorgung in der Gemeinde Nußdorf soll besser werden. Darum will die Telekom an zentraler Stelle einen Mobilfunkmast hinbauen. Der ideale Standort wäre am Rathaus. Bürger und Gemeinde sind dagegen – eine alternative Standortsuche läuft.

Nußdorf – Mitte 2018 begann die Telekom mit der Suche nach einem geeigneten Mobilfunkstandort in Nußdorf, weil die Versorgung nicht an allen Stellen im Gemeindegebiet zufriedenstellen sei. Wenn es nach der Telekom ginge, sollte ein Funkmast an einer zentralen Stelle im Ort errichtet werden: idealerweise am Rathaus. Viele Einwohner haben jedoch Bedenken, wenn sich ein Telefonmast in der Nähe ihrer Wohnung oder ihres Arbeitsplatzes befindet. Sie gehen davon aus, dass die Belastung durch Strahlungen hier besonders hoch sei.

Gemeinde beauftragt Experten mit Untersuchungen

Ohne Mitsprache auf Basis aussagefähiger Fakten und belastbarer Werte wollte der Nußdorfer Gemeinderat die Installation eines solchen Mobilfunkmasts in Nußdorf nicht hinnehmen. Um sich ein eigenes Bild von der Mobilfunkversorgung zu machen beauftragte die Gemeinde die Firma IK-T GmbH (Innovative Kommunikations-Technologien GmbH) aus Regensburg mit einer umfangreichen Untersuchung. Das Ergebnis trug nun der leitende Mitarbeiter Dr. Reiner Grasberger in der jüngsten Sitzung vor.

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Untersucht wurden die Netze der Anbieter T-Mobil, Vodafone und Telefonica, die mit ihren Netzen 2G, 3G und 4G im Ort präsent sind. Dazu wurde mit einem Messfahrzeug das gesamte Gemeindegebiet, einschließlich der Nebenorte und der Berglagen, abgefahren. Im Ergebnis liegen dem Gemeinderat nun zahlreiche Karten vor, die Auskunft zu jedem gewünschten Standort geben. Der Experte stellte fest, dass alle Anbieter mit ihren unterschiedlichen Netzen in unterschiedlicher Qualität zu empfangen seien. So komme es immer auf den jeweiligen Standort an, wie die Untersuchungen ergeben haben.

Auffällig war, dass es im Ortszentrum einige wenige Punkte gibt, die von allen Anbietern unzureichend ausgeleuchtet werden. Er empfiehlt den privaten Verbrauchern, bei schlechtem Empfang gegebenenfalls den Anbieter zu wechseln. Außerdem könne man auch auf das künftige 5G-Netz hoffen, dass Verbesserungen mitbringen werde.

Dabei würden die Frequenzen des 4G-Netzes auf das 5G-Netz übergehen und das 4G-Netz würde auf den 5G-Standard wechseln. Teilweise erfolge die Versorgung mit Mobilfunk in der Gemeinde von den Sendern, die an der Bundesautobahn stehen würden. Hier gäbe es auch eine Verpflichtung der Anbieter, für eine entsprechende Ausleuchtung des Gebietes zu sorgen. Sein Tipp: Um einen guten Empfang zu haben, müsse der Nutzer bestenfalls Sichtkontakt zu einem der Sendemasten haben. Der Indoor-Empfang wird von den Experten generell schlechter beurteilt, weil die Bauwerke die Funkwellen abschirmen würden. Gleiches gelte auch für den Empfang in Kraftfahrzeugen.

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Allerdings käme Nußdorf mittelfristig wohl nicht umhin, sich mit einem neuen Standort für einen Funkmasten zu beschäftigen. Mit den vorliegenden Unterlagen könne die Gemeinde ein Mobilfunkförderverfahren anstrengen, um die Mobilfunkversorgung im Ort zu verbessern. Dabei gäbe es die Möglichkeit, eine Markterkundung bei den Mobilfunkanbieter durchzuführen, um das Eigeninteresse auszuloten. Wenn sich darauf allerdings kein Netzbetreiber meldet, der eigenwirtschaftlich einen Mast betreiben möchte, könnte die Gemeinde über das Mobilfunkförderverfahren selbst einen Mast errichten. Dann könnte die Kommune die Antennenplätze vermieten oder den Auftrag an einen Konzessionär übergeben, der dann die Vermietung übernimmt.

Mobilfunkversorgung in der Gemeinde insgesamt schlecht

Im Zusammenhang mit der Markterkundung sollte die Gemeinde bereits einen Standort benennen können. Die zusammenfassende Feststellung: Die Mobilfunkversorgung ist in der Gemeinde laut Untersuchung insgesamt schlecht. „Im nächsten Schritt werden wir Standortalternativen aufzeigen, mit den Fachleuten besprechen, im Gemeinderat diskutieren und mit der Bevölkerung nach einem Konsens suchen“, so Bürgermeister Sepp Oberauer (CSU/FWG).

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