Nostalgie am Samerberg: Nachgebaute Postkutsche kommt ins Kino

Michael Sattelberger (rechts) auf seiner nachgebauten Postkutsche. Am Samerberg fand jetzt die Jungfernfahrt in historischen Uniformen statt
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Michael Sattelberger (rechts) auf seiner nachgebauten Postkutsche. Am Samerberg fand jetzt die Jungfernfahrt in historischen Uniformen statt

Michael Sattlberger hat sich für die Samerberger eine kleine Zeitreise einfallen lassen. Er hat - wie berichtet - eine alte Postkutsche nachgebaut. Ihr eigentlich geplanter Einsatz ist Corona-bedingt erst mal abgesagt worden. Dafür hat sich bereits ein neues Angebot ergeben. Nun kommt seine Kutsche sogar ins Kino.

Von Kathrin Woitsch

Samerberg – Die besten Ideen kommen aus heiterem Himmel. Zumindest in Michael Sattlbergers Leben ist das so. „Plötzlich war der Gedanke da“, erzählt er. Und als Seniorchef der Schreinerei in Samerberg (Kreis Rosenheim) hat er sie natürlich sofort umgesetzt. Wobei sofort in diesem Fall einige Monate bedeutet. Denn bei der Idee handelt es sich um den Nachbau einer Jahrhunderte alten Postkutsche.

Für jemanden wie Michael Sattlberger liegt so eine Idee auf der Hand. Er ist Mitglied in der historischen Gruppe des örtlichen Trachtenvereins. Die Vergangenheit gehört für ihn quasi zur Gegenwart. „Ich habe mir ein paar alte Postkutschen-Bilder angeschaut“, erzählt er. Schnell hat er gemerkt: Jede Postkutsche war anders. „In den Bergen mussten sie zum Beispiel deutlich leichter gebaut sein“, erklärt er. Aus all den Motiven hat er dann ein eigenes Modell entwickelt. Und dazu gleich den passenden Plan, um sie der Öffentlichkeit zu präsentieren.

Er wollte mit der Kutsche von Südtirol zum Samerberg reisen, unterwegs immer wieder Station machen – und die Vergangenheit für die Menschen aufleben lassen. Pünktlich zum 50. Gemeindejubiläum wollte er im Mai in Samerberg eintreffen. Doch dann kam Corona – und alles kam anders.

Durch die Medienberichte über seine Kutsche wurde der Münchner Filmemacher und Regisseur Klaus Bichlmeier auf die Kutsche aufmerksam. Er plante gerade einen Kinofilm unter dem Titel„Zeitreise Bayern“. Etwas Besseres als Sattlbergers Postkutsche hätte er sich gar nicht ausdenken können. Und der 69-jährige Samerberger freute sich natürlich, dass es seine Kutschen nun sogar in die Kinos schafft.

In Uniformen des Hauses Turn und Taxis

Dafür ließen er und sein Freund Michael Stuffer sich sogar die passenden Kostüme nähen – nach dem Vorbild der Uniformen des Hauses Thurn und Taxis. Stuffer spannte zwei seiner Kaltrösser vor die Kutsche – und schon ging die Zeitreise in Samerberg los. Die Jungfernfahrt wurde nicht nur von dem Kamerateam begleitet, das die Filmaufnahmen machte. „Etliche Leute haben sogar angehalten und uns aus dem Auto heraus fotografiert“, berichtet Sattlberger. Für sie hat er nur zu gern in sein historisches Fürst-Pless-Horn geblasen.

Natürlich bekam auch Bürgermeister Georg Huber mit, dass es in seiner Gemeinde in diesen Tagen etwas nostalgischer zugeht. „Ich finde die Idee großartig“, sagt er begeistert. Michael Sattlberger plant nun bereit den nächsten Einsatz für seine Kutsche. Noch im Juli will er die Reise von Südtirol nach Bayern nachholen. Dafür hat er ja jetzt sogar das passende Outfit.

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