Nordzulauf: Samerberg lehnt Tunnelbau wegen Trinkwasserschutz ab

Die violette Tunneltrasse unterquert das Trinkwasserschutzgebiet nahe Steinkirchen. KLinger

Samerberg – Aus der Sicht der Gemeinde Samerberg sind die vorliegenden Trassen der Bahn für den

Brenner-Nordzulauf abzulehnen. Betroffen ist der Samerberg von der Tunnelvariante violett, die auf einer ungefähren Höhe von 460 Metern über dem Meeresspiegel unter dem Samerberg durchführt. Die Trasse tangiert mit dem dortigen Wasserschutzgebiet Steinkirchen eine Zone, aus der ein wichtiger Teil des Samerberger Trinkwassers entnommen wird.

„Dies gilt es nachhaltig zu schützen“, so Bürgermeister Georg Huber in der jüngsten Gemeinderats-Sitzung. Der Schutz des Trinkwasser-Einzugsgebietes steht deshalb auch im Mittelpunkt der Stellungnahme zum Nordzulauf. Der Tunnel führt von Bergen in leichtem Bogen östlich an Nußdorf vorbei, schwenkt auf Höhe von Törwang nach Norden ab und erreicht schließlich östlich von Rohrdorf, bei der Ortschaft Geiging an der Autobahn A8 nach einer Länge von etwa 10 km das nördliche Tunnelportal, welches hier vermutlich auf einer von etwa 450 m liegt. Eine Nebenvariante sieht vor, den Tunnel Steinkirchen nach Norden bis Riedering zu verlängern. Auch wenn das Wassergewinnungsgebiet Steinkirchen deutlich über dem möglichen Tunnelbau liege, könne letztlich eine Gefahr für das Trinkwasserschutzgebiet nicht ausgeschlossen werden, so Diplom-Geologe Eduard Eichenseher, der die Situation im Auftrag der Gemeinde geprüft hatte. Die Wasserschutzgebietsverordnung sieht ein Verbot für Untertage- Bergbau und für Tunnelbauten vor. Die vorgelegte Tunnelvariante wird daher von der Gemeinde abgelehnt.

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„Zum derzeitigen Zeitpunkt fehlen für eine weitere detaillierte Beurteilung der Baumaßnahme Unterlagen, die die genaue Trassenführung beschreiben wie auch die gewählte Bauweise, Tiefenlage der Trasse, Wasserhaltungs- und Entwässerungsmaßnahmen, Hilfsbauwerke wie Bau- und Betriebsstraßen, Lagerplätze für Tunnelausbruchsmaterial, Zugangsschächte sowie die erforderlichen Begleitbauwerke wie Lüftungsschächte, Notausstiege, Entwässerungen et cetera“, führte Eichenseher weiter aus: „Nach heutigem Kenntnisstand ist die Trasse nicht konform mit den Schutzanforderungen unseres Trinkwassers.“

Nachdem die Quellen das oberflächennahe quartäre Grundwasser nutzen, stellen jegliche Baumaßnahmen, Bauwerke, Hilfsbauwerke oder mit der Baumaßnahme in Verbindung stehende baubegleitende Maßnahmen, welche im Bereich des Einzugs- und Schutzgebietes vorgenommen werden sollten, eine potenzielle Gefährdung für die Qualität und die Quantität des Quellwasservorkommens dar, heißt es weiter in der Stellungnahme.

Außerdem heißt es in der Stellungnahme: Die Auswirkungen auf das Landschaftsbild durch tunnelbegleitende Bauwerke, wie Lüftungseinrichtungen, Zugangsschächte oder Notausstiege können ebenso nicht hingenommen werden wie Jahrzehnte lange Bauphasen, die das Erholungsgebiet Samerberg nachhaltig in seiner Existenz gefährden.

Erhebliche negative Belästigungen und Beeinträchtigungen während einer möglichen Bauphase und einer späteren Betriebsphase sind erheblich. Der Verlust der Planungshoheit und der Flächennutzung im Umfeld der Trasse ist für die Gemeinde nicht hinnehmbar und würde die Entwicklung und den Erhalt des Samerbergs und seiner Erholungsfunktion für die gesamte Region nachhaltig beschädigen.

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