Noch viele Fragen

Samerberg - Vor einer erneuten Beschlussfassung zum Sendestandort Hochries für den Digitalen Behördenfunk möchte der Samerberger Gemeinderat weiterführende Informationen vorliegen haben. Die zeitweise emotional geführte Diskussion in der jüngsten Sitzung machte klar, dass die Angelegenkeit, wie es Bürgermeister Georg Huber formulierte, "zu wichtig ist, um unklare Fragen außen vor zu lassen". Mit drei Gegenstimmen votierte das Gremium dafür, von der Betreiberfirma Telent eine klare Aussage zu fordern, ob die Hochries der einzige Standort für einen Tetrafunk-Masten in der Gemeinde bleibe. Zusätzlich soll ein unabhängiger Gutachter Auskunft über die Sendeleistung liefern.

Gemeinderätin Dr. Irene Schulze-Strein wollte zunächst den Tagesordnungspunkt zum Digitalen Behördenfunk, insbesondere eine Beschlussfassung dazu, aufgrund nicht vorliegender neuer Sachverhalte von der Tagesordnung gestrichen haben. Vor einer Beschlussfassung müsse eine vergleichende Immissionsprognose vorliegen, aus der eindeutig hervorgehe, mit welchen Strahlenbelastungen für die Sicherheitskräfte und die Wohngebiete am Samerberg zu rechnen sei. Für diesen Antrag stimmten nur drei Gemeinderäte.

Als Grund für die erneute Behandlung der Thematik nannte Bürgermeister Huber den Antrag von Gemeinderätin Annelies Weyerer, laut dem Gemeinde und Hochriesbahn den Standort Bergstation für eine Integration der Tetrafunkantenne an der bestehenden Sendeanlage zur Verfügung stellen sollten. Damit könne die Errichtung eines separaten 30 Meter hohen Mastens und eines Nebengebäudes, wie es die aktuellen Planungen der Firma Telent aufzeigen, verhindert werden.

Die Untere Naturschutzbehörde des Landratsamtes Rosenheim spreche sich für eine Integration in die bestehende Sendeanlage an der Bergstation aus, berichtete Huber. Ein separater Sendemasten stelle einen erheblichen Eingriff in das schützenswerte Natur- und Landschaftsbild der Hochries dar.

Zahlreiche Bürger haben sich mittlerweile gegen den Tetrafunk-Standort Hochries ausgesprochen. Dr. Schulze-Strein überreichte dem Bürgermeister rund 500 Unterschriften und zitierte den örtlichen Arzt Dr. Hubert Ippisch, der eine überdurchschnittlich hohe Krebsrate am Samerberg beobachtet habe.

Gemeinderätin Weyerer betonte, dass die Untere Naturschutzbehörde eine Sendeanlage auf der Hochries nicht grundsätzlich ablehne. Zudem sei beim Standort Bergstation eine Einflussnahme seitens der Gemeinde auch für die Zukunft leichter möglich als bei einem separaten Masten auf dem Staatsforstgelände.

Da bereits rund 80 Prozent des Netzes gesichert sind, werde der BOS-Funk auf alle Fälle kommen, stellte Geschäftsleiter Andreas Müllinger fest. Er warf Schulze Strein Angstmache und fehlende Sachargumente vor.

In die Diskussionsbeiträge mehrerer Räte mischte sich immer wieder Resignation aufgrund der Missachtung des Bürgerwillens, wie es sich am Beispiel des Sendemastens auf dem Dandlberg zeigte, der trotz einstimmiger Ablehnung des Gemeinderats errichtet wurde. Auch an der Hochries könne das Vorhaben vielleicht verzögert, aber nicht verhindert werden, so Zweiter Bürgermeister Wolfgang Maurer. Eigentlich sei eine erneute Abstimmung über die Thematik unnötig, da bereits ein Beschluss gegen den Standort vorliege, so mehrere Räte.

Zugelassen wurden in der Sitzung mehrere Wortmeldungen von Bürgern, wobei auch die permanente Sendeleistung des BOS-Funks sowie mögliche Belastungen durch Endgeräte angesprochen wurden.

Die Gemeinde soll nun die geforderten Informationen eingeholen. Unter zeitlichen Druck will sich die Kommune nicht setzen lassen, betonte Bürgermeister Huber. mc

Kommentare