Neues Abstandsflächenrecht gilt vorerst nicht

Neubeuern – Das Thema „Nachverdichtung“ ist politisch in aller Munde und in Zeiten von Wohnraumknappheit auch in Neubeuern ein brisantes Thema.

Wegen der Immobilienpreise sind viele junge Leute momentan gezwungen, am Elternhaus Veränderungen vorzunehmen und sich über die Anhebung von Kniestöcken, das Bauen von Gauben oder einen Anbau, Wohnraum zu schaffen, um nicht wegziehen zu müssen.

Dörfer innenverdichten

Um diese Vorhaben zu fördern und in den nächsten Jahren eine Innenverdichtung zu schaffen, hat sich die bayerische Landesregierung mit einer Baurechtsnovelle beschäftigt. Diese sieht vor, Abstandsflächen deutlich zu reduzieren. Die Tiefe der Abstandsfläche bemisst sich nach der Wandhöhe, die senkrecht zur Wand gemessen wird. Die Wandhöhe (H) ist das Maß von der Geländeoberfläche bis zum Schnittpunkt der Wand mit der Dachhaut beziehungsweise bis zum oberen Abschluss der Wand. So sollen die Tiefen von 1,0 H (Wandhöhe des jeweiligen Bauwerks) auf 0,4 H in Wohngebieten reduziert werden, in Gewerbe- und Industriegebieten von 0,25 H auf 0,2 H. Insgesamt herrscht ein Mindestabstand von drei Metern.

Zwar begrüßt der Gemeinderat mehrheitlich ein neues Abstandsflächenrecht. Den Zeitpunkt, ein solches auf Landesebene mit Wirkung zum 1. Februar 2021 zu beschließen, hält das Gremium allerdings für fragwürdig.

In Zeiten von Ausgangssperren und Versammlungsverboten sollte eine so sensible Gesetzesänderung, die im Einzelfall Nachbarschaftsstreitigkeiten auslösen kann, nicht beschlossen werden, hieß es. Es wäre notwendig, sich differenziert damit auseinanderzusetzen, was das neue Recht mit sich bringt.

Ferner sollte die Kommune ihre Handhabe nutzen und individuell auf die Gesetzesänderung mit einer Abstandsflächensatzung reagieren können. Dies werde der Gemeinderat Neubeuern auch tun. Eine Abstandsflächenreduzierung sei in Neubeuern gewollt – allerdings nicht in dem von der Regierung geforderten Maße.

Ortsbilderhalten

Deshalb soll im Januar das neue Recht mit einer städtebaulichen Begründung eingefroren werden. Anschließend soll sich das Gremium Gedanken machen, in welchem Umfang man eine Innenverdichtung im Ortsgebiet zulassen möchte. Nicht zuletzt deshalb, um das Ortsbild zu erhalten. eri

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