Neue Räume für neuen Unterricht: Stephanskirchen plant Schulerweiterung für 4,5 Millionen

Der Ostflügel der Otfried-Preußler-Schule wird abgerissen, dort entstehen sechs neue Klassenzimmer mit Nebenräumen für die Grundschule. Und eventuell eine neue Aula für Grund- und Mittelschule. Schlecker

Mehr Platz – und den dringend – braucht die Otfried-Preußler-Schule. Grundschule, Mensa und Mittagsbetreuung müssen größer werden. Die Kosten für das Projekt, inklusive verbesserter Erschließung und erneuerter Außenanlagen, liegen nach einer ersten Schätzung bei knapp 4,5 Millionen Euro.

Von Sylvia Hampel

Stephanskirchen – Der Platzmangel war schon im „alten“ Gemeinderat Thema, nun beschäftigte sich der neue Bauausschuss mit den Planungszielen für die Erweiterung.

Bauamtsleiter Wolfgang Arnst verwies angesichts der vielen neuen Ausschussmitglieder noch einmal auf eine Machbarkeitsstudie, die Architekt Richard Kröff vergangenes Jahr vorgelegt hatte. Der Studie nach soll der derzeit kaum genutzte Ostflügel abgerissen werden. Dort könnten ausreichend Klassenzimmer entstehen, um aus der zweizügigen eine dreizügige Grundschule zu machen.

Mittagsbetreuung hat sich ausgebreitet

Die Mittagsbetreuung, die laut Schulleiter Florian Burggraf Zuwachsraten bis zu 20 Prozent pro Jahr hat, ist aus ihren Räumen herausgewachsen und hat einen Raum in Beschlag genommen, der für die Erweiterung der Mensa gedacht war. „Der Raum ist ideal, weil die Kollegen von dort auch die Kinder draußen im Blick haben“, so Burggraf.

Platz schaffen durch Decke in der Aula?

Allerdings habe die Mittagsbetreuung immer noch nicht genug Platz, vor allen die Garderobe – gedacht für 44 Schüler, aktuell von 82 Kindern genutzt – quillt über. Laut Bauamtsleiter müsse man überlegen, ob die Aula, die ohnehin nur noch bedingt den Ansprüchen einer modernen Schule genüge, nicht zugunsten der Mittagsbetreuung mit einer Decke versehen werde, damit entstehe im ersten Stock mehr Platz. Eine neue Aula könnte laut Arnst zum Beispiel an der Nahtstelle der neuen Grundschule mit der bestehenden Schule geplant werden.

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Behält die Mittagsbetreuung den jetzt schon genutzten Raum neben der Mensa, müsste Letztere an anderer Stelle erweitert werden. Kröff hatte in seiner Machbarkeitsstudie einen gläsernen Anbau vorgeschlagen. Diesen fanden die Ausschussmitglieder nur bedingt schön, da soll noch nach Alternativen gesucht werden.

Lernzentrum Flur

Der erste Entwurf für den neuen Grundschulflügel enthält bereits einige Elemente, die aus früheren Jahrzehnten so nicht bekannt sind. Nicht nur, dass die Klassenzimmer über Gruppenräume verfügen, die Flure sind breiter und mit größeren freien Flächen ausgestattet. Was laut Schulleiter gut zu den veränderten Unterrichtsbedingungen passt. Der über viele Jahre gewohnte Frontalunterricht spielt eine immer geringere Rolle, die Unterrichtsformen haben sich laut Burggraf deutlich verändert, „die Digitalisierung beispielsweise hat sich in sieben Wochen vollzogen“.

Klassen nicht mehr so homogen wie früher

Es seien andere Unterrichtformen nötig, da die Klassen längst nicht mehr so homogen seien, wie früher. Die Spannbreite reiche bei den Grundschülern von Hochbegabten bis zu Inklusionskindern, von „Musterschülern“ bis zu ADHS-Kindern, zunehmend seien traumatisierte Kinder dabei, so Burggraf. Daher müsse der Unterricht individualisiert werden. Dafür seien entsprechende Neben- und Rückzugsräume nötig.

Garderoben weg von den Fluren

Auch auf den Fluren, die immer mehr zum „Lernzentrum“ würden. Und die deswegen von den Garderoben befreit werden müssten. So sei „Lernen in Bewegung“, erklärtes Ziel des bayerischen Lehrerinnen- und Lehrerverbandes, wesentlich besser umzusetzen, als in den alten Strukturen. Da improvisierten seine Lehrkräfte, so gut es eben gehe. „Ich sehe den Neubau als Riesenchance“, so der Schulleiter. Eine Riesenchance, die nach ersten Schätzungen etwa drei Millionen Euro kosten wird.

1,5 Millionen für Mittagsbetreuung, Mensa, Erschließung und Anlagen

Dazu kommen die Kosten für die Erweiterung der Mittagsbetreuung und der Mensa sowie für eine verbesserte Erschließung des Geländes und erneuerte Außenanlagen. Gesamtkosten voraussichtlich knapp 4,5 Millionen Euro.

Erinnerung an Montessori-Schule

„Die Veränderungen machen auch vor einer eher ländlich geprägten Schule nicht halt“, stellte Bürgermeister Karl Mair (Parteifreie) fest. Johannes Lessing (Die Grünen) wollte wissen, ob in den „Lernzentren“ im Flur auch klassen- und jahrgangsübergreifend gearbeitet werde, was Burggraf bejahte. Herbert Bauer (Parteifreie) fühlte sich ein wenig an die Montessori-Schule seiner Kinder erinnert, „die Lernzentren gefallen mir“.

Aufpassen bei den Fluchtwegen

Thomas Hoffmann (CSU) hatte noch eine ganz praktische Anregung für die Planung des Grundschul-Neubaus: Die Fluchtwege von Neubau und Bestand müssen zusammenpassen. Und dem Bürgermeister missfällt, dass von außen kaum zu erkennen ist, welcher Schulteil in welchem Gebäudeteil untergebracht ist. Das sollte besser werden. Ein Ortstermin an der Schule soll spätestens im Juli stattfinden. Bis dahin soll vom Architekten nach einhelliger Meinung des Bauausschusses ein erster Planungsvorschlag erarbeitet werden.

Lehrermangel verschärft die Lage

Neben den eingeschränkten Räumlichkeiten hat Burggraf noch ein weiteres Problem: Seine Grundschulklassen sind voll. Einige Jahrgänge sind schon in drei statt zwei Klassen geteilt, im nächsten Schuljahr müsste er zehn Grundschulklassen bilden, „aber ich bekomme nicht genug Lehrer. Das steht schon fest.“ In einer Jahrgangsstufe sind beide Klassen mit 28 Kindern besetzt, zieht nur ein Kind in diesem Alter in den Sprengel der Otfried-Preußler-Schule, muss Burggraf hoffen, dass in der Schloßberger Schule Platz für dieses Kind ist. „Aber bei den Kollegen ist es genauso voll, wie bei uns“, so Burggraf.

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