WOHLRIECHENDE ERWEITERUNG

Stephanskirchen: Gewürzbouquet statt Lackausdünstung in der Landlmühle

Die ehemalige Lackierhalle in Landlmühle, im Herbst kurzzeitig Galerie, soll zur Gewürzmanufaktur mit Verkauf werden.
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Die ehemalige Lackierhalle in Landlmühle, im Herbst kurzzeitig Galerie, soll zur Gewürzmanufaktur mit Verkauf werden.
  • Sylvia Hampel
    vonSylvia Hampel
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Aus einer Lkw-Lackiererei wird eine Tagespflege wird eine Galerie wird eine Gewürzmanufaktur. Rudolf Finsterwalder will sein Gelände in Landlmühle bei Stephanskirchen um eine wohlriechende Werkstatt erweitern. Der entsprechende Antrag lag jetzt dem Bau- und Planungsausschuss vor.

Stephanskirchen – Bürgermeister Karl Mair (Parteifreie) musste lachen, als er den Tagesordnungspunkt aufrief: „Erst Fleisch, dann Bier, jetzt Gewürze – die Reihenfolge hat das Bauamt festgelegt...“ So locker ging es aber nicht weiter. Denn auch wenn kein Ausschussmitglied etwas gegen die Gewürzmanufaktur an sich hatte, gab es doch andere Kritikpunkte.

Zwei Wohneinheiten an Manufaktur möglich

Thomas Hoffmann (CSU) hatte „ein ganz großes Problem“ mit den zwei Wohneinheiten, die mit der Manufaktur beantragt wurden: Die vertrügen sich nicht mit der Einordnung der Landlmühle im Flächennutzungsplan als Gewerbegebiet. Christian Hausstätter, Baurechtler der Gemeinde, verwies darauf, dass der Flächennutzungsplan dazu keine Aussagekraft habe.

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Für Landmühle gibt es eine Ortsabrundungssatzung und nach der sind Art und Maß der umgebenden Bebauung ausschlaggebend. Die zwei Wohnungen, die auch schon im Sommer 2019 mit der Tagespflege beantragt waren, sind demnach möglich.

Gewürzmanufaktur wird größer als Tagespflege

Gegenüber dem – mittlerweile zurückgezogenen – Antrag für eine Tagespflegeeinrichtung ändert sich nun aber die Größe. Die Gewürzmanufaktur mit Verkauf soll um knapp 70 Quadratmeter Grund- und knapp 80 Quadratmeter Geschossfläche größer werden. „Das fügt sich gerade noch in die Umgebungsbebauung ein“, so die Einschätzung des Bauamtes.

Diskussion über die Parkplätze

Bei Thema „Stellplätze“ ging die Diskussion dann los. Für die Gewürzmanufaktur mit Verkauf sind sieben zusätzliche Stellplätze nötig, die im Bauantrag auch nachgewiesen sind. Die Stellplätze sollten nicht nur im Plan eingezeichnet sein, so zweiter Bürgermeister Robert Zehetmaier, die sollte Finsterwalder auch tatsächlich vorhalten – „und das kann und tut er nicht.“

Stephan Mayer (Parteifreie) meinte, bei den Stellplätzen in dem Gelände solle in der Tat mal nachgeschaut werden, ob sie auch tatsächlich vorhanden und nicht mit Holzstapeln belegt seien. Der Bürgermeister merkte an, dass Finsterwalder ein Gemeindegrundstück als Parkfläche angemietet habe, ihm sei die Situation bewusst.

Parkplatznot zu Stoßzeiten

Die Stellplätze reichten eigentlich aus, eine gewisse Parkplatznot zu Stoßzeiten sei aber nicht auszuschließen. Was auch daran liegen könnte, hieß es aus den Reihen der Ausschussmitglieder, dass manche Parkplätze etwas versteckt hinter den Gebäuden lägen.

Thomas Riedrich (Parteifreie) meinte, eine Verbindungsstraße am ehemaligen Bauernhaus könne helfen, die Verkehrs- und Parksituation zu entspannen. Johannes Lessing (Die Grünen) meinte, es sei zu überlegen, ob nicht mittelfristig eine Bushaltestelle direkt an der Landlmühle sinnvoll sei.

Überblick über Bestand, Planungen und Genehmigungen erbeten

Petra Hofmann (Unabhängige) bat um eine Übersicht, was in Landlmühle Bestand beziehungsweise geplant oder genehmigt sei – und zwar mit Stellplätzen. „Da tut sich immer wieder was, so langsam verliert man den Überblick“. Da gab ihr Mayer recht: Die Ansiedelung habe etwas von einem wuchernden Geschwür.

Zwei Vorhaben bisher nicht verwirklicht

Eine Nachfrage im Bauamt ergab, dass ein Schulungspavillon südlich der ehemaligen Lackierhalle beantragt war, der Bauantrag aber zurückgezogen und bisher kein neuer gestellt wurde. Westlich des Mühlengebäudes sollte eine Erweiterung der Boulderhalle entstehen, da ist aber die Genehmigung in der Zwischenzeit abgelaufen – ohne dass gebaut wurde.

Zehetmaier hatte noch einen weiteren Kritikpunkt: Es gehe gar nicht, dass „vorne bio gepredigt und hinten an der Sims alles zubetoniert wird.“

Uwe Klützmann-Hoffmann (SPD) gab zu, dass er Finsterwalders Mut bewundere. „Alfons Schuhbeck ist mit einem ähnlichen Projekt in Rosenheim gescheitert – trotz Bestlage.“

Letztlich stimmte der Bau- und Planungsausschuss der Gewürzmanufaktur mit sechs gegen drei Stimmen zu.

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