Coronabedingt ohne Feierlichkeiten

Gemeinde Neubeuern ehrt Dirigent Enoch zu Guttenberg: „Großes für den Ort getan“

Hildegard Eutermoser (links) und Gertrud Dürbeck haben die meisten Ausstellungsstücke zusammengetragen.
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Hildegard Eutermoser (links) und Gertrud Dürbeck haben die meisten Ausstellungsstücke zusammengetragen.

Er habe Großes für den Ort getan und sein Tod erschüttert die Mitglieder der Chorgemeinschaft Neubeuern noch heute: Enoch zu Guttenberg. Mit einem Denkmal und einer Ausstellung würdigt die Marktgemeinde jetzt den Dirigenten.

Neubeuern – In einem Festakt in Anwesenheit der beiden Söhne von Enoch zu Guttenberg hätte das von Sabine Poll-Plonus entworfene Denkmal für ihn und die Chorgemeinschaft Neubeuern feierlich durch Bürgermeister Christoph Schneider eingeweiht werden sollen. Corona-bedingt wurde es jetzt unfeierlich einfach aufgestellt. Das Denkmal steht auf einem Sockel aus Neubeurer Naturstein vor dem Schwirtlichhaus ganz zentral auf dem Marktplatz.

Für den Ort Großes getan

Auf der linken Seite der Partitur steht in goldener Gravur „Chorgemeinschaft Neubeuern“, die von 1967 bis zum plötzlichen Tod Guttenbergs im Jahre 2018 existierte, die rechte Seite zeigt den Namen „Enoch zu Guttenberg“.

So symbolisiert das Neben- und Miteinander auf zwei Seiten derselben Partitur die freundschaftliche und musikalische Partnerschaft von Dirigent und Chor. Auf dem Sockel steht: „In Erinnerung an eine große musikalische Freundschaft“. Der goldene Taktstock quer über den Seiten erweckt den Eindruck, als habe der Dirigent ihn gerade erst abgelegt. Das Denkmal ist das Ergebnis einer Ausschreibung und der darauf folgenden Abstimmung im Gemeinderat. Bürgermeister Christoph Schneider sagt, Enoch zu Guttenberg habe „für die Marktgemeinde Großes getan“ .

Das Denkmal ist vom Altbürgermeister Jürgen Tremmel und vom ehemaligen Bürgermeister Josef Trost beantragt worden. Der Bürgermeister bedankt sich bei der Künstlerin Sabine Poll-Plonus, bei den Handwerkern, die an der Umsetzung beteiligt waren, insbesondere bei dem Schmied Franz Poll, bei der Gemeinderätin und Kulturbeauftragten Christina zur Hörst, beim Gemeinderat und auch bei allen Spendern, denn das Kunstwerk kostet mehr als die  2000 Euro, die der Gemeinderat bewilligt hat.

Im Schwirtlichhaus, das schon den Künstlerkreis Neubeuern, das Innschifffahrtsmuseum und das Beurer Gwand beherbergt, wurde auch eine Dauerausstellung für die Chorgemeinschaft eröffnet.

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Darin befinden sich alle Kassetten, Videos, CDs und DVDs, die das Wirken des Chors dokumentieren, alle Bücher über Guttenberg, die Urkunden seiner Auszeichnungen, persönliche Noten und auch alle Chroniken, in denen die Auftritte mit Angaben des Ortes, der Werke und der Solisten vollständig aufgelistet sind. Wie kam es zu dieser Ausstellung? „Die Idee hab‘ ich gehabt“, sagt Gertrud Dürbeck, bis zum Schluss Chormanagerin der Chorgemeinschaft. „Bei der Renovierung dieses Gebäudes hab ich mir gedacht, dass man hier eine Erinnerungsstätte schaffen könnte, damit nicht alles in Vergessenheit gerät. Die Gemeinderäte haben dann zugestimmt.“

Der Ausstellungsraum ist eine denkwürdige Erinnerungsstätte für den Ehrenbürger Neubeuerns und seinen Chor.Zur Hörst

Reden und Programmhefte

Hildegard Eutermoser, die erste Chormanagerin, hat hier ihre private Chronik-Sammlung ab 1967 mit Briefen, Reden, Programmhefte und vielem mehr. deponiert. „Mir war von Beginn an bewusst, dass da etwas ganz Besonderes entsteht. Wie wir angefangen haben, ist es so rapide aufwärts gegangen und der Zuspruch war so groß, dass mir schon klar war – natürlich nicht, dass wir einmal in der New Yorker Carnegie Hall singen werden, aber dass es einfach was Wunderbares werden wird.“

Akribisch gesammelt

Und Gertrud Dürbeck ergänzt: „Wenn Hildegard nicht von Anfang an so akribisch alles gesammelt und aufgeschrieben hätte, vom ersten Sopranheft bis zum ersten Foto, wäre nur ein Bruchteil von allem dagewesen. Das ist ihr Verdienst.“

Hildegard Eutermoser betont auch: „Damals hat Joseph von Solemacher den Enoch musikalisch betreut, und ich hab mit dem Chor.management angefangen, alles ehrenamtlich! Die Konzerte hab ich damals alle selber organisiert - und auch am Ende in Herrenchiemsee die Opern inszeniert.“

Entrückte Dirigierpose

In der Ecke lehnt das Vortrageschild der Chorgemeinschaft, im Glasschrank steht ein Foto von Klaus Jörg Schönmetzler, dem ehemaligen Kulturreferenten des Landkreises Rosenheim, der Guttenberg so viele Anregungen gegeben hat und am Ende der Programmverantwortliche der Festspiele Herrenchiemsee wurde. An einer Wand sind die wichtigsten Stationen dieses „Wunders von Neubeuern“ grafisch dargestellt. Guttenberg selbst strahlt von der Wand in entrückter Dirigierpose herunter: eine denkwürdige Erinnerungsstätte für den Ehrenbürger Neubeuerns und seinen Chor. Es gibt eine Broschüre, die das Wichtigste enthält. Sie ist ist diese Broschüre im Ausstellungsraum und in der Gästeinformation am Marktplatz 4, in Neubeuern.,

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