Nervenkrieg um Neubau: Landratsamt bringt Zukunftsvisionen von IKO ins Stocken

Die Familie Irlbacher über den ausgebreiteten Bauplänen: Johannes, Konrad und Tessa Irlbacher (von links) wollen ihre Produktion ausweiten und einen Neubau in Raubling realisieren. Ihr Plan B: ein Standort in Tirol.
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Die Familie Irlbacher über den ausgebreiteten Bauplänen: Johannes, Konrad und Tessa Irlbacher (von links) wollen ihre Produktion ausweiten und einen Neubau in Raubling realisieren. Ihr Plan B: ein Standort in Tirol.

Die Firma IKO will in Raubling noch in diesem Jahr neu bauen. Doch nun wackeln die Ausbaupläne. Der Grund: Das Gebäude soll 40 Zentimeter höher werden als ursprünglich geplant. Während die Gemeinde einverstanden wäre, herrscht im Landratsamt derzeit Funkstille.

Raubling – „Wir wollen wachsen und das mitnehmen, was der Markt bieten würde“, sagt Tessa Irlbacher, Prokuristin des Sport- und Radgeschäfts IKO in Raubling. Ihr Bruder Johannes, ebenfalls Prokurist, bekräftigt: „Sobald wir stagnieren, haben wir verloren.“

Und es stagniert schon seit einigen Monaten. So sei zumindest das Gefühl der Unternehmerfamilie Irlbacher: IKO möchte einen Neubau in Raubling realisieren. Heuer noch hätte man gerne mit dem Bau begonnen. Doch wegen einer „kleinen Änderung“ komme man jetzt nicht mehr vorwärts: Die Seitenwände des neuen Gebäudes sollen rund 40 Zentimeter höher als ursprünglich geplant werden. Die Gemeinde Raubling befürwortet die geplante Änderung. Aber beim Landratsamt herrscht derzeit Funkstille.

Bauprojekt kostet um die 4,5 Millionen Euro

Den Plan, das bestehende Geschäft in Raubling zu erweitern, stehe schon seit den 90er Jahren fest, berichtet Geschäftsführer Konrad Irlbacher gegenüber den OVB Heimatzeitungen. Dort, wo jetzt der Bike-Park steht, soll ein Neubau errichtet werden. Mit dem bereits bestehenden Gebäude wäre der Komplex etwa 18 000 Quadratmeter groß. Für das geplante Projekt hätte man um die 4,5 Millionen Euro in die Hand genommen.

Eine Baugenehmigung liege grundsätzlich vor, sagt Konrad Irlbacher: „Wir haben die alle zwei Jahre verlängert. Dass wir sie ja nicht verlieren.“

Ende vergangenen Jahres sei der damals eingereichte Entwurf überarbeitet worden, sagt der Geschäftsführer. Die Seitenwände des Gebäudes sollen höher werden als geplant. „Wir wollen ein bisschen moderner bauen“, so die Begründung. Im Januar habe man dem Landratsamt die Pläne auch vorgestellt.

Gemeinde gab grünes Licht

Von Seiten der Gemeinde Raubling befürwortet man den Änderungswunsch. Anfang März sei dieser in der Bauausschusssitzung einstimmig befürwortet worden, berichtet Stefan Landprecht, Geschäftsleiter der Gemeinde Raubling. Nun liege die Bauvoranfrage für die Höhenänderung der Seitenwände beim Landratsamt, so Landprecht.

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Und das Landratsamt in Rosenheim lässt mit einer Antwort auf sich warten. Das Verständnis der Familie Irlbacher hält sich in Grenzen: „Wir sind Einheimische“, betont der Geschäftsführer. Dass das Landratsamt seit Monaten nichts von sich hören lasse, sei „enttäuschend“. „Wir fühlen uns, als seien wir unerwünscht“, sagt auch Tessa Irlbacher. Die jetzige Baugenehmigung laufe Ende Juni aus. Man sei bereits wieder im Verlängerungsverfahren. Und auch das koste jedesmal 5000 Euro, merkt Konrad Irlbacher an.

Angebot aus Tirol

Gleichgültig, wie die Entscheidung über die Genehmigung des Bauprojekts in Raubling ausfallen wird – mit der Produktion der Fahrräder der Marke Corratec will die Firma in jedem Fall in Europa bleiben. Deshalb spiele man nun mit dem Gedanken, einen Standort in Tirol zu eröffnen: „Wir haben schon was in Aussicht“, verrät Konrad Irlbacher. Tirol würde immer mal wieder an die „Türe anklopfen“. Die Antwort der Familie sei bis dato immer gewesen: „Auf keinen Fall.“ Jetzt allerdings wäre das Angebot immer verlockender. „Weil wir vom Landratsamt auch viel Zeit zum Überlegen bekommen“, macht der Geschäftsführer deutlich. Mit der Tiroler Landesregierung habe es bereits Gespräche gegeben. In den nächsten drei Monaten werde man eine Entscheidung treffen.

Die Ausschreibungen sollten noch heuer erfolgen

Primärer Wunsch sei es aber noch immer, an das dem bereits bestehende Gebäude in Raubling anzubauen. Da sind sich die Irlbachers einig. Zumal sich ja die Gemeinde wünschen würde, dass IKO sich in Raubling vergrößere. Aber, hakt der Geschäftsführer ein: „Wir müssen auf jeden Fall in diesem Jahr die Sicherheit haben, dass das klappt.“ Die Ausschreibungen sollten noch heuer beginnen.

Der Fahrradmarkt sei in den vergangenen Jahren enorm gewachsen, gerade im Bereich E-Bike: „Da müssen wir jetzt investieren“, erklärt Johannes Irlbacher. Die Radmarke Corratec sei außerdem international bekannt, fügt Konrad Irlbacher hinzu. „Wir sind auf einem guten Level, da muss man weitermachen.“ Das Wachstum dürfe nicht an Platzmangel scheitern.

Obergeschoss mit gläsernen Wänden

Dass das Landratsamt der Bauvoranfrage doch noch zustimmt, ist immer noch die Hoffnung der Irlbachers. Das geplante Obergeschoss soll aus Glas werden. Dadurch würden die 40 Zentimeter Höhenunterschied zum bestehenden Gebäude optisch nicht so ins Gewicht fallen. „Die Höhe würde niedriger erscheinen“, sagt Tessa Irlbacher. Und: Es wäre vor allem zeitgemäßer und moderner.

Mögliche Lösung: ein Bebauungsplan

Das Grundstück an der Kufsteiner Straße in Raubling liege baurechtlich im sogenannten unbeplanten Innenbereich, sagt Michael Fischer, Pressesprecher des Landratsamtes Rosenheim auf Nachfrage. „Das bedeutet nach Paragraph 34 Bau-Gesetzbuch (BauGB), dass sich das geplante Gebäude in die nähere Umgebung einfügen muss“, erläutert Fischer weiter. Oder, anders ausgedrückt: „Länge, Breite und Höhe eines Neubaus orientieren sich an den Bestandsgebäuden in der Nachbarschaft.“ Fischer macht auf folgendes Problem aufmerksam: Die ursprünglichen Pläne für den IKO Neubau in der Kufsteiner Straße wurden geändert. Der neue Plan des Flachdachs liege etwa 40 Zentimeter über dem ursprünglich geplanten Satteldach. Dadurch erhöhe sich die Außenwand des Gebäudes allerdings um mehr als fünf Meter im Vergleich zur vorherigen Planung, erläutert Fischer. Das neue Gebäude würde sich nicht mehr in die Eigenart der näheren Umgebung einfügen. „Aus diesem Grund haben wir dem Antragsteller mitgeteilt, dass das Landratsamt Rosenheim beabsichtigt, den Antrag auf Vorbescheid abzulehnen. Aber, so Fischer, wurde in dem Schreiben auch auf eine mögliche Lösung hingewiesen: „Um an dem Vorhaben festhalten zu können, kommt lediglich die Aufstellung eines Bebauungsplanes in Betracht“, so der Pressesprecher und gibt damit den Ball an die Gemeinde Raubling zurück.

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