Naturkindergarten auf Rohrdorfer Obstwiese

So ähnlich könnte das „Schutzhaus“ des neuen naturnahen Kindergartens aussehen. Das Bild zeigt das entsprechende Gebäude aus Stephanskirchen, das man sich in seiner Einfachheit zum Vorbild genommen hat.
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So ähnlich könnte das „Schutzhaus“ des neuen naturnahen Kindergartens aussehen. Das Bild zeigt das entsprechende Gebäude aus Stephanskirchen, das man sich in seiner Einfachheit zum Vorbild genommen hat.

Der neue Naturkindergarten, der im September auf der Obstbaumwiese zwischen Turner Hölzl und Feuerwehrhaus eröffnet werden soll, wird Montessori als Träger haben. Das war das Ergebnis einer Gemeinderatssitzung, in der sich neben Montessori auch die Arbeiterwohlfahrt um die Trägerschaft beworben hatte.

Von Johannes Thomae

Rohrdorf – Zwar hatte auch der Kita-Verbund Inntal Interesse angemeldet, war aber zur Sitzung nicht erschienen, sondern hatte nur eine schriftliche Bewerbung abgegeben. Der Gemeinderat entschied am Ende, dass die Wahl nur zwischen den beiden anwesenden Bewerbern getroffen werden sollte.

Die Konzepte sind sich sehr ähnlich

Dass diese Wahl den Gemeinderäten nicht leicht fallen würde, war bald klar, denn die Präsentationen der beiden Bewerber zeigten große Übereinstimmung, was Ziele und Möglichkeiten eines Naturkindergartens anbelangt. Beide Bewerber hoben heraus, dass die Kinder wegen des unmittelbaren Kontaktes mit der Natur schon allein durch den Wechsel der Jahreszeiten täglich neue Erlebnisse hätten, auch neue Herausforderungen.

Wache Kinder sind in der Schule sehr willkommen

Das fördere Neugier und Kreativität, aber auch die Sozialkompetenzen, weil sehr vieles, was unternommen werde, nur gemeinsam bewältigt werden könne. Solch „wache“ Kinder seien in der Grundschule hochwillkommen, so dass die Schulvorbereitung kein Thema sei, auch wenn sie anders ausfalle als in gewöhnlichen Kindergärten.

Struktur, Werte, Traditionen wichtig

Hierbei betonte Petra Singerhoff-Mohr vom Vorstand des Montessori-Fördervereins, dass man die Kinder keinesfalls auf eine Schullaufbahn in der Montessori-Schule vorbereiten wolle, sie sollten ihren Weg machen können, in welcher Schule auch immer. Insgesamt betonten beide Bewerber, dass ihnen das Vermitteln von Struktur und den Werten und Traditionen unserer Gesellschaft äußerst wichtig sei.

Je mehr Kindergarten-Träger desto lieber

In der Diskussion, die sich an die Präsentationen anschloss, warb Rupert Stocker (Bürgerblock) für die AWO – sie habe schon zwei Waldkindergärten in Betrieb und damit wirklich einschlägige Praxiserfahrung, während Montessori keinen echten Waldkindergarten betreibe, sondern in Brannenburg nur einen Kindergarten mit hohem „Draußen-Anteil“ habe. Josef Höß (Freie Wähler Rohrdorf) setzte dagegen auf Diversität: die Einrichtung in Achenmühle werde von der Arbeiterwohlfahrt betrieben, die in Thansau sei in kirchlicher Trägerschaft – warum es in Rohrdorf nicht mit Montessori versuchen. Auch Maria Haimmerer (CSU) fand die Verteilung auf verschiedene Träger sinnvoll. Und was die Erfahrung anbelange, so habe der Montessori Förderverein mit seiner Schule bewiesen, wie engagiert und flexibel man dort sei, das pädagogische Personal wisse, was es tue.

Eltern müssen Pflichtstunden leisten oder bezahlen

Unterschiedlich wurde auch die Tatsache bewertet, dass im Montessori-Kindergarten Elternmithilfe gewissermaßen Pflicht wäre. 25 Stunden Mitarbeit pro Jahr sind erwünscht, die aber diejenigen, denen das nicht möglich ist, auch durch einen Geldbeitrag abgelten können. Annette Wagner (Bürgerblock) sah diesen Punkt eher negativ, wie auch Markus Hollinger (CSU): Das sei etwas, das sicher nicht von allen Eltern als positiv gewertet würde. Sebastian Hauser (CSU) sah es anders: Den Kindern sei es wichtig, dass ihre Eltern an ihrem Kindergartenleben teilnähmen, eventuelle gemeinsame Arbeitseinsätze seien dafür eine optimale Möglichkeit.

Am Ende stimmten zwölf Gemeinderäte für Montessori als Träger, acht hatten sich für die Arbeiterwohlfahrt entschieden.

Eine Hütte in der Obstbaumwiese

Die Frage, wie der naturnahe Kindergarten untergebracht werden solle, ob in einer festen Holzhütte oder in einem speziell dafür ausgerüsteten größerem „Bauwagen“ wurde in der Gemeinderatssitzung am vergangenen Freitag entschieden. Einigkeit herrschte von vornherein darüber, dass Haus oder Bauwagen möglichst einfach ausfallen sollten, mit Ofenheizung und ohne Stromanbindung. Die Entscheidung für ein einfaches festes Gebäude fiel mit zwölf gegen neun Stimmen.

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