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Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche:

Benedikt-Säule: Das Unbehagen in Oberaudorf

Georg Ratzinger, Bruder des Papstes und ehemaliger Domkapellmeister in Regensburg, weihte 2009 die Benediktsäule im Kurpark.
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Georg Ratzinger, Bruder des Papstes und ehemaliger Domkapellmeister in Regensburg, weihte 2009 die Benediktsäule im Kurpark.
  • Sylvia Hampel
    VonSylvia Hampel
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Sie ist einem anderen Benedikt gewidmet, die Benediktsäule im Oberaudorfer Kurpark: Dem aus Nursia, nicht dem aus Marktl. Denn noch müssen sich Gemeinderat und Kirchengemeinde damit auseinandersetzen, wie sie nun mit der Benediktsäule umgehen. Zumal Familie Ratzinger darauf verewigt ist.

Oberaudorf – „Benediktsäule“ – wer denkt da aktuell nicht an den ehemaligen Papst Benedikt XVI.? Gerade in Oberbayern, Heimatregion von Georg und Joseph Ratzinger, die in Marktl, Aschau am Inn und Traunstein aufwuchsen. „Die Benediktsäule war nie als Personenkult gedacht, sondern zur Vermittlung des Glaubens“, sagt Professor Dr. Michael Langer, Diakon der Erzdiözese München und Freising, Seelsorger in Oberaudorf und einer der Initiatoren der Säule.

Säule ist Benedikt aus Nursia, nicht Benedikt aus Marktl geweiht

Geweiht ist das „christliches Ausrufezeichen von unwahrscheinlicher Dichte“, wie der Eggenfeldener Künstler Joseph Michael Neustifter die von ihm geschaffenen Benediktsäulen – sie stehen außer in Oberaudorf auch in Marktl, Lourdes, an der Benediktinerabtei Metten und an Ratzingers Titularkirche in Velletri südöstlich von Rom – beschreibt, nicht dem ehemaligen Papst, sondern dem heiligen Benedikt von Nursia, im Frühmittelalter Begründer des Benediktinerordens.

Allerdings betonte Neustifter bei der Segnung der als Schriftrolle geformten Säule im Oberaudorfer Kurpark 2009 auch, dass sie vor allem auch als eine Familiensäule zu sehen sei. Neustifter unterstrich mit einer Abbildung der Familie Ratzinger die besondere Nähe Oberaudorfs zur Familie des Papstes: Maria, die Mutter der Ratzinger-Brüder, wurde in Mühlbach, das zur Kirchengemeinde Oberaudorf gehört, geboren und in der Oberaudorfer Pfarrkirche „Zu Unserer Lieben Frau“ getauft. In Traunstein wird an der Benedikt-Büste vor der Kiche St. Oswald demonstriert, sowohl Traunstein als auch Aschau am Inn überlegen, wie sie in der Folge des Münchner Missbrauchgutachtens mit der Ehrenbürgerwürde Ratzingers umgehen.

Und in Oberaudorf? Wie steht es da mit der Benediktsäule?

Großes Aufregerthema im Ort scheint sie noch nicht zu sein. Bei Langer kamen noch gar keine Rückmeldungen an und auch Altbürgermeister Hubert Wildgruber ist bisher nur vereinzelt darauf angesprochen worden, „auch wenn die Vorwürfe gegen den ehemaligen Papst natürlich auch bei uns im Ort Thema sind“.

Einig sind sich die beiden mit Bürgermeister Dr. Matthias Bernhardt, dass „Gewalt gegen Kinder in jeglicher Form“, so Bernhardt, absolut nicht zu tolerieren sei. Da kann es für ihn auch keine zwei Meinungen geben. Langer räumt ein, dass in Ratzingers Zeit als Erzbischof von München und Freising der Umgang mit den Missbrauchsvorwürfen, die damals schon im Raum standen, schlecht gelaufen sei. Als Chef der Glaubenskongregation sei Ratzinger „dann aber sehr gegen den Missbrauch angegangen“. Er rät zu Reaktionen mit Maß und Ziel. Man solle in der aufgeheizten Stimmung nicht überziehen.

Wildgruber zitiert einen Musiker: „Die Musik ist nicht schlecht, wenn der Interpret Fehler macht“ – und das gelte aktuell auch für die Kirche. „Die muss allerdings jetzt, in dieser Situation, dringend etwas unternehmen“, fordert er.

Gemeinde und Kirche suchen einen gemeinsamen Weg

Muss die Gemeinde Oberaudorf etwas unternehmen? Der Bürgermeister will möglichst bald mit dem Gemeinderat klären, ob und wie die Gemeinde reagiert. Und dabei auch die Kirche ins Boot holen. Überzogen zu reagieren, hält auch Bernhardt für falsch, zumal die Säule vor allem Motive der Frömmigkeits- und Ortsgeschichte abbilde, dazu Motive zeige, die sich durch den Standort am Wasser ergäben – und eben Benedikt von Nursia geweiht sei.

Die Benediktsäule im Oberaudorfer Kurpark enthält einen Verweis auf Familie Ratzinger und das Siegel des ehemaligen Papstes.

Und sie ist laut Bürgermeister auch nie Pilgerstätte oder Touristenattraktion geworden. Aber es seien nun einmal Papstsiegel und abstrakte Darstellung der Familie Ratzinger darauf zu sehen, deswegen müsse man eine Lösung finden. Und die sollte für seine Begriffe eine Überarbeitung der Erläuterungen zur Benediktsäule enthalten, die auf einer in der Nähe der Säule platzierten Infotafel zu lesen sind.

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