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Musikalischer Widerstand in Oberaudorf

Musiker Doetsch muss für Corona-Demo zahlen: Viel Geld für einen kleinen Auftritt

Demonstration eines Solisten? Jürgen Doetsch bei einer Corona-Mahnwache in Oberaudorf.
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Demonstration eines Solisten? Jürgen Doetsch bei einer Corona-Mahnwache in Oberaudorf.
  • Michael Weiser
    VonMichael Weiser
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Er sieht Corona als überschätzt an, hält die Pandemie-Maßnahmen für übertrieben und gefährlich. Sich selbst sieht er im musikalischen Widerstand. Jetzt kommt ihn ein Protestkonzert teuer zu stehen: 5000 Euro soll der Musikant Jürgen Doetsch zahlen. Warum sich der Kapellmeister dennoch im Recht sieht.

Oberaudorf– Bis vor 14 Monaten, bis zum Ausbruch der Corona-Pandemie, verdiente er mit Musik Geld. Nun könnte den bekannten Oberaudorfer Musiker Jürgen Doetsch ein Solokonzert sehr teuer kommen. Über 5000 Euro Geldbuße soll er berappen, weil er bei einem Protestkonzert am 28. März an der Schweinbergstraße in Oberaudorf zum Stehenbleiben aufgefordert habe. Das schreibt das Landratsamt in seinem Bußgeldbescheid. Jürgen Doetsch fühlt sich vom Staat verfolgt und spricht von „Diktatur“.

Doetsch ist bekannt in der Kulturszene

„Ein kleiner Musikant im großen Corona-Weltgetriebe, aber eine große Aussage in einer wahnwitzigen Pandemieinszenierung.“ Diese Worte schrieb Jürgen Doetsch unter den Facebook-Post von einem seiner Auftritte vor dem Büro eines Oberaudorfer Reise- und Tourismusunternehmers.

Doetsch ist Träger des Kulturpreises des Landkreises Rosenheim, Gründer des Inntalchors, Pianist und Arrangeur und vieles mehr, mithin eine der bekannten Persönlichkeiten der Kultur in der Region.

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Die Polizei aber kam nicht wegen Doetschs Ruf als Opernmacher oder Kapellmeister, sie kam wegen der „großen Aussage“ und mutmaßlicher Verstöße gegen das Veranstaltungsverbot. Die Beamten zeigten den Musikanten an.

Und das Landratsamt fertigte den Bußgeldbescheid aus: 5253,50 Euro, zu zahlen wegen diverser Ordnungswidrigkeiten. Unter anderem: Doetsch habe Menschen trotz Versammlungsverbots aufgefordert, bei ihm vorbeizukommen, sich mit ihm zu unterhalten und sich mit ihm gegen die derzeitige Corona-Politik solidarisch zu zeigen. Und einige Menschen seien auch tatsächlich zu ihm gegangen.

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Auf dem Foto lässt sich Folgendes erkennen: Doetsch selbst, das Heck eines Polizeibusses, drei geparkte Autos, ein Schild zu Füßen Doetschs, es trägt die Aufschrift: „Schluss mit dem Maßnahmenwahn.“ Sonst aber sieht man niemanden, was sich durch die Wahl des richtigen Ausschnitts und Zeitpunkts natürlich leicht arrangieren lässt.

Das Foto sagt also nicht viel, es widerlegt damit auch Doetsch nicht grundsätzlich. „Ich habe den Menschen gesagt, ihr könnt vorbeifahren und hupen oder mir zuwinken, aber ihr dürft nicht stehenbleiben.“ So erzählt es Doetsch am Telefon, so schildert er es auch via Facebook.

Es habe sich ja ohnehin niemand getraut, sich zu nähern – „weil ja schon die Polizei dastand“. Bei der, so sagt es der 67-Jährige, habe er sein kleines Mahnkonzert zuvor sogar angemeldet. Die Polizei habe ihm bei früheren Gelegenheiten auch etwas von Ermessensspielraum erzählt, für ihn wohl so etwas wie ein Wink mit der Polizeikelle, dass man das Solokonzert von staatlicher Seite nicht weiter ins Visier nehmen werde. Ein Irrtum, wie sich mit der Post aus dem Landratsamt herausstellte.

Bozener Bergsteigermarsch als Lied gegen die Pandemie-Politik

Jedenfalls sei er da ganz allein gestanden und habe zum Protest Akkordeon gespielt. Das sagt Doetsch. Nicht die Internationale, betont er, sondern eher so was wie den Bozener Bergsteigermarsch. „Es ging darum, dass ich mich als Musikant gegen die Ungerechtigkeiten einsetze. Zum Beispiel, dass wir Künstler keine Auftritte mehr haben. Dass wir uns in unserer Berufung nicht ausleben dürfen.“

Es ist nicht so, dass Jürgen Doetsch nicht an Corona glaubte. Im Gegenteil, sagt er, eine Verwandte sei daran gestorben. Aber Doetsch meint eben, dass die Maßnahmen gegen die Pandemie übertrieben seien. Corona sei eine Krankheit, die nur wenige hart treffe, das sei eben so im Leben. „Deswegen 99,9 Prozent der Leute einsperren“, sagt Doetsch: „Das geht einfach nicht.“ Und deswegen demonstriert er.

Es droht ein weiterer Bußgeldbescheid

Der Bußgeldbescheid ist womöglich nicht der letzte, wegen eines anderen Soloauftritts erwartet der Musiker einen weiteren Bescheid in gleicher Höhe. Er wirkt nicht weiter beunruhigt, vielleicht, weil schon der eine Bescheid seine Möglichkeiten übersteigt. „Ich kann das ohnehin nicht zahlen“, sagt er. Für das, was er als Widerstand ansieht, werde er zur Not auch ins Gefängnis gehen.

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Doetsch redet von „globalen Eliten“ und ihren unheilvollen Plänen. Behauptet Deutschland sei zu einer Diktatur geworden, gegen die sich das SED-Regime als harmlos darstelle.

Doetsch: Gegner sind auch nur „eingeschüchtert“

Doetsch selbst weiß, dass seine Meinung oft nicht ankommt. Bei seinen Auftritten hätten ihm Menschen den Stinkefinger gezeigt, erzählt er, auch als „Deppen“ oder „Arschloch“ habe man ihn bezeichnet. Die Menschen seien eben schon erbärmlich verängstigt und eingeschüchtert, vom Staat und der Zensur. So passt er auch die Gegner in seine Logik ein.

Viele andere hingegen, so sagt er, unterstützten ihn nun. Etwa durch Zustimmung auf Facebook. Oder durch das Angebot, als Zeugen auszusagen: Menschen, die dem Konzert aus der Ferne beigewohnt hätten und nun versichern könnten, dass niemand außer der Polizei in seiner Nähe gewesen sei. Doetsch: „Sogar sechs Rechtsanwälte haben sich bei mir gemeldet, die wollen mich in meinem Fall unterstützen.“

Wenn das stimmt, könnte das Konzert des Kapellmeisters in die juristische Verlängerung gehen. Doetsch wirkt, als würde er diese Zugabe nicht nur als Künstler begrüßen.

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