GITARRENKURS FÜR JUNGE FLÜCHTLINGE

Musik ist Weltsprache, die verbindet

Erwartungsfroh, lernbegierig und neugierigzeigen sich die jungen Flüchtlinge beim Gitarrenunterricht von Harry Resch im Café Freiraum. Kirchner
+
Erwartungsfroh, lernbegierig und neugierigzeigen sich die jungen Flüchtlinge beim Gitarrenunterricht von Harry Resch im Café Freiraum. Kirchner

Schon der ehemalige Bundespräsident Horst Köhler sagte anlässlich einer Matinee beim „Musikfest Berlin 09“, dass Musik eine Weltsprache sei, die verbindet. Nun bewahrheitet sich dieser Satz erneut. Im Inntal, in Brannenburg, im Café Freiraum, um genau zu sein, bringt Harry Resch jungen Flüchtlingen jeden Donnerstagnachmittag das Gitarrespielen bei.

Brannenburg – Harry Resch ist freischaffender Lehrer für Gitarre, steirische Ziehharmonika und Ukulele, er kommt schon zu Beginn der Stunde ins Schwitzen. Am Schweißausbruch ist aber nicht nur das heiße Sommerwetter schuld. Nein, es sind die zehn Kinder und Jugendlichen, die sich hier in einem kleinen Raum des Cafés nun zum dritten Mal zusammengefunden haben. „Dass so viele Kinder und Jugendliche kommen, hätte ich nicht erwartet.“

Erwartungsfroh, lernbegierig und neugierig blicken die Schülerinnen und Schüler ihren Lehrer an. Zu Beginn der Stunde singt Resch erst einmal das bekannte Lied „Lady in Black“ von Uriah Heep aus dem Jahr 1970. „Einfach mitzuspielen und mitzusingen“, wie er meint. Und tatsächlich, einige Kinder versuchen, die Griffe auf ihrer Gitarre nachzuahmen, einige summen auch schon beim Refrain mit. Muarina, ein neunjähriger Iraker, und Rida, sein ein Jahr jüngerer irakischer Freund, sind ganz begeistert.

Sofort in die richtigen Saiten gegriffen

Als Resch seine „Eleven“ auffordert, einen e-Moll-Akkord anzustimmen, greifen sie sofort auf die richtigen Saiten und auf die richtige Höhe. „Gitarre spielen macht mir großen Spaß, noch lieber spiele ich aber Fußball“, verrät Rida, während Muarina nur Musik mag.

Der 18-jährige Ali aus Syrien, der wie alle anderen Kinder und Jugendlichen erst seit rund einem halben Jahr in Deutschland lebt, geht auf die Berufsschule in Rosenheim. Auch er kann ebenfalls schon mühelos den e-Moll-Akkord anstimmen. Sein Freund Farid muss sich hingegen erst noch einmal von Resch die richtige Griffweise zeigen lassen. „Beim nächsten Mal musst du mir aber als Lehrer mithelfen“, zwinkert Harry Ali zu.

Als alle anderen Mitschüler auch den richtigen Ton gefunden haben, geht es weiter zu A-Dur. Harry Resch hat Spaß am Unterricht. Entstanden ist die Idee zusammen mit Rosy Mundl, der Besitzerin des Cafés Freiraum. Vor einem halben Jahr wurde dieses in einer ehemaligen Gaststätte in der Brannenburger Bahnhofstraße eröffnet und dient seitdem neben der Restauration auch Kultur-, Tanz- und Musik-Stunden. Mundl erzählt, dass die Gitarrenstunden nur durch Spenden finanziert werden. So habe ein Gast auf seiner Geburtstagsfeier dafür gesammelt, ein Nachtflohmarkt habe ebenfalls eine beachtliche Summe eingebracht. Alle Gitarren seien von Gästen des Cafés gestiftet worden, so Mundl weiter.

Ihr Sohn Bastian „performt“ derweil in der Gitarrenstunde einen Rap, nur begleitet von Harry Resch an der Gitarre. Fasziniert lauschen die jungen Gitarrenschüler, während Bastian textet. Die 17-jährige Hiba aus Syrien lächelt verlegen, eine Woche zuvor hat sie das erste Mal bei der Gitarre nur zugeschaut und das Tamburin geschlagen, in der heutigen Stunde darf sie schon selbst auf der Gitarre spielen.

Harry Resch überlegt, die Stunde zu teilen, mehr als zehn Schüler pro Klasse seien zuviel. Zudem sind die Altersunterschiede enorm, mehr als zehn Jahre liegen zwischen dem jüngsten und dem ältesten Schüler. Die Deutschkenntnisse der Schüler seien enorm. „Dafür, dass sie erst seit gut einem halben Jahr in Oberbayern angekommen sind, können sie schon recht munter am Gitarrenunterricht teilnehmen. Jetzt fehlen nur noch Bayrisch-Kenntnisse“, meint Resch. Mundl ergänzt da schon geschäftstüchtiger mit einem Schmunzeln, dass aber auch weiterhin Spenden und klassische und Western-Gitarren entgegengenommen werden.

Mit Nenas „99 Luftballons“ und „Hast du etwas Zeit für mich“ endet die Gitarrenstunde. „Schade, dass es schon wieder vorbei ist“, bedanken sich die Schüler – mal sehen, wieviele neue Schüler in der nächsten Stunde kommen, um Gitarrespielen zu lernen.

Kommentare