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Viele Helfer an Bord

Ursula Mache (27) und Bastian Singer (27) sanieren denkmalgeschütztes Traditionslokal Müllner Stüberl in Brannenburg

Am Anfang stand das Entrümpeln. Nicht alles wurde weggeworfen, manches wie diese Holzski auch für eine etwaige spätere Verwendung aufgehoben.
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Am Anfang stand das Entrümpeln. Nicht alles wurde weggeworfen, manches wie diese Holzski auch für eine etwaige spätere Verwendung aufgehoben.
  • VonJohannes Thomae
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Ursula Mache und Bastian Singer sind beide 27 Jahre. Ihr Haus ist viel, viel älter und denkmalgeschützt. Und eine Traditionswirtschaft. Da werden viele starke Arme gebraucht, bis das Werk vollendet ist. Für Zimmerer Bastian ist das Projekt „ein Traum“.

Brannenburg – Ein Bauernhaus aus dem 18. Jahrhundert umzubauen, ist an sich schon keine leichte Aufgabe. Befindet sich darin aber auch noch eine Wirtschaft und soll diese auch erhalten werden, dann kann es zu einem richtigen Abenteuer werden. Diese Erfahrung machen gerade Ursula Mache und Bastian Singer, beide 27 Jahre alt.

Brand- und Denkmalschutz unter einen Hut bekommen

Sie sind derzeit dabei, das Müllner-Stüberl in Brannenburg herzurichten und das Dachgeschoss auszubauen. Dort wollen sie selbst einziehen, das Obergeschoss soll vermietet werden. „Was wir nicht auf dem Schirm hatten“, so sagen die jungen Leute, „war, wie aufwendig es sein würde, den Auflagen des Brandschutzes Genüge zu tun. Diese müssen wiederum mit den Anforderungen des Denkmalschutzes konform gehen – und das abzustimmen kostet vor allem eines: Geduld.“

Architekt war von Beginn an im Boot

Gut war es da, dass die beiden von Anfang an ein renommiertes Architekturbüro mit ins Boot geholt hatten. „Schon allein die Tatsache, dass wir überall ein schlüssiges Umbaukonzept vorlegen konnten, mit einer professionellen Plandarstellung, hat vieles erleichtert“, stellen die beiden fest. Dennoch hat der unabhängige Brandschutzgutachter, der Planung und Bau begleitet und das Ganze am Ende abnehmen muss, hie und da Änderungen gefordert, die dann aber erst mit dem Denkmalschutz abzustimmen waren.

Ursula Mache und Bastian Singer vor ihrem Haus aus dem 18. Jahrhundert. Sein Umbau mit Erhalt der Gaststätte Müllner Stüberl wäre ohne Freunde und Eltern – hier im Hintergrund Anna und Franz-Josef Singer – nicht zu bewerkstelligen. Es ist aber für den Zimmerer Singer auch „ein wunderschönes Vorhaben“.

Bürokratische Hürden erfolgreich genommen

Die bürokratischen Hürden sind jetzt aber alle erfolgreich genommen und seit Kurzem ist man am Bauen. Am Anfang stand das Entrümpeln – nicht zuletzt im Dachbereich hatte sich über die Jahrzehnte viel Sammelsurium angesammelt.

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Fast zwei Monate haben Ursula Mache und Bastian Singer allein darauf verwendet, dabei aber nicht alles weggeschmissen, sondern einige alte Möbel, Haushaltsgegenstände und auch historische Holzski für eine etwaige spätere Weiterverwendung aufgehoben. Derzeit ist die historische Südfassade „in Arbeit“, dann kommt der größte Brocken, der Ausbau des Dachgeschosses mit dem Neuaufbau des Daches.

Glasfront macht sichtbar und dicht

Ein aufwendiges Unterfangen, denn die Eigenheiten der alten Dachkonstruktion sollen erhalten bleiben, das Ganze muss dennoch an moderne Dämmschutzvorgaben angepasst werden. Wie komplex so etwas ist, kann man an einem Detail sehen: Die Südfassade ist nicht nur von außen schön, sie ist auch von innen etwas Besonderes. Um sie zu erhalten und trotzdem wohntauglich zu machen, wird innen vor die Fassade noch eine Glasfront gestellt: Alles bleibt sichtbar und ist dennoch dicht.

Ohne tatkräftige Hilfe geht es nicht

Der ganze Dachstuhl ist ein Vorhaben, bei dem es sich gut trifft, dass Bastian Singer selbst Zimmerer ist, hier tatkräftig mitarbeiten kann und sich deshalb seit Oktober letzten Jahres nur noch dem Umbau widmet. „Anders und ohne die tatkräftige Hilfe von guten Freunden und der ganzen Familie wäre das Vorhaben nicht zu stemmen und schon gar nicht zu finanzieren“, sagt Bastian Singer.

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Natürlich wäre das ganze Bauvorhaben viel leichter, vor allem hinsichtlich des Brandschutzes, wenn man die Wirtschaft aufgegeben hätte. „Aber das stand für uns nie zur Debatte. Uns war von Anfang an klar: Wenn wir das Haus kaufen, dann werden wir die Wirtschaft erhalten. Sie gehört einfach zum Haus und zum Ortsteil Degerndorf“. Das sei nicht zuletzt daran zu merken, dass immer wieder Passanten stehen blieben und fragten, ob denn die Wirtschaft verschwinden würde und, wie Bastian Singer sagt, ,,dann richtiggehend erleichtert sind, wenn sie hören, dass sie erhalten bleibt“.

Denkmalschutzgerechter Ausbau des Daches heißt, dass die Südfassade erhalten und dank einer innen vorgestellten Glaswand auch von innen sichtbar bleibt.

Fester Einkehrort für Feriengäste

Die, die so fragen, sind nicht zuletzt Feriengäste, die schon seit Jahren, um nicht zu sagen seit Jahrzehnten, nach Brannenburg kommen und für die die nahe der Wendelsteinbahn gelegene Wirtschaft zu einem festen Einkehrort geworden ist. Bis zur Wiedereröffnung, die sie für die Mitte des nächsten Jahres angepeilt haben, brauchen Ursula Mache und Bastian Singer noch neue Pächter, das alte Pächterehepaar hat aus Alters- und Gesundheitsgründen früher als geplant aufgehört.

Einen Narren an dem alten Haus gefressen

„Prinzipiell sollte es keine Unmöglichkeit sein, jemanden zu finden“, meint Bastian Singer, „denn die Infrastruktur des Gastronomiebereiches, Küche, Theke, ist modern und in einem Top-Zustand. Es sollte aber möglichst jemand sein, der selbst einen Narren frisst an diesem Schmuckstück von Haus.“

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Einen Narren an dem alten Haus gefressen haben jedenfalls auch Ursula Mache und Bastian Singer. Bastian Singer vielleicht sogar noch ein bisschen mehr, denn er sagt: „Als Zimmerer ein solches Projekt bewältigen zu dürfen und das noch im eigenen Haus – das ist schon ein Traum.“

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