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Selbstständig ins Wasser und zurück

Mit langem Atem zum Steg: Stephanskirchen baut am Badeplatz Baierbach Barrieren ab

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  • Sylvia Hampel
    VonSylvia Hampel
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Er hat einfach nicht locker gelassen, der Harald Oberrenner. Und der lange Atem hat sich bezahlt gemacht: In Baierbach entsteht ein Badesteg für Menschen, die zu Fuß gar nicht oder nur sehr schwer ins Wasser kommen.

Stephanskirchen – Oberrenner ist der Behindertenbeauftragte der Gemeinde, er sitzt selber im Rollstuhl. Und er sagt: „Über eins müssen wir uns im Klaren sein: Behinderung kommt mit dem Alter.“ Fast 60 Prozent aller Behinderten in der Gemeinde seien 65 Jahre und älter. Deswegen dürfe es eben in Baierbach keinen reinen „Behindertenbadeplatz“ geben, sondern ein Angebot für alle, die nicht sicher auf zwei Beinen stehen. Denn in Baierbach ist der Zugang zum See sehr flach, was auch Menschen mit einer Verletzung oder älteren und deshalb unsicheren Menschen zu schaffen mache.

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Nun hat Landschaftsarchitekt Felix Finsterwalder in enger Abstimmung mit Oberrenner – und mit Erlaubnis des Seebesitzerverbandes – einen Steg entworfen, der diese Schwierigkeiten minimiert. Der Steg reicht weit in den See hinein, hat Handläufe in zwei Höhen und endet mit einer flachen Treppe. Unter der ist selbst bei niedrigen Pegelstand mindestens ein Meter Wasser, so dass von der unteren Stufe sofort losgeschwommen werden kann. „Das ist vor allem für Querschnittsgelähmte wichtig. Denn die haben zwar meist Kraft in den Armen und können schwimmen – aber eben nicht stehen“, so Oberrenner.

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Eine Treppe am Behindertensteg? Ja, sagt Oberrenner, denn einem Rollstuhlfahrer macht es wenig aus, wenn er über flache Stufen ins Wasser rutscht und rückwärts über die flachen Stufen auch wieder hinauf zu seinem geparkten Rollstuhl. Die oberste Stufe endet in einem kleinen Absatz so weit über dem Steg, dass sie plan ist mit dem Rollstuhl. Nein, der geplante Steg ermögliche nicht 100 Prozent aller behinderten Menschen einen Selbstständigen Zugang in den See, aber doch dem allergrößten Teil.

Rund 185 000 Euro wird der Steg kosten, ein eigens geschaffener Weg dorthin sowie eine Kaltwasserdusche sind da schon mit dabei. Der Weg ist nötig, weil das Gelände des Badeplatzes im Gegensatz um Seegrund relativ steil und für Rollifahrer nicht zu navigieren ist. „Hinunter vielleicht noch, hinaus sicher nicht“, so Finsterwalder, der deswegen eine Serpentine eingeplant hat.

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Sowohl Stephan Mayer (Parteifreie) im Bauausschuss als auch Hubert Lechner (ebenfalls Parteifreie) im Hauptausschuss hofften auf Badefreuden für in der Mobilität eingeschränkte Menschen im kommenden Sommer. Da hatte Bauamtschef Wolfgang Arnst schon im Bauausschuss gewarnt, dass das sportlich sei, er aber hoffe, dass es im Laufe des Sommers etwas werde. Bürgermeister Karl Mair (Parteifreie) war im Hauptausschuss noch vorsichtiger: Die Gemeinde habe noch das gesamt Genehmigungs- und Förderverfahren vor sich, es könne durchaus 2023 werden. Dennoch: Die Freude der Gemeinderäte war in beiden Ausschüssen deutlich zu spüren.

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Im Hauptausschuss erstattete Oberrenner zudem Bericht über seine Arbeit im zu Ende gehenden Jahr. Die sei, was die Breite der Aktivitäten mit Betroffenen angehe, allerdings coronabedingt eingeschränkt gewesen. Dafür füllte Oberrenner seine Rolle als Bindeglied zwischen Bevölkerung und Behörde aus. Die Gemeinde bezieht ihn bei allen Bauvorhaben mit ein, so auch beim Millionenprojekt „Erweiterung und Neubau“ an der Otfried-Preußler-Schule, die künftig mit einem Aufzug erschlossen wird. Aber auch beim Straßenbau in der Gemeinde ist seine Meinung ebenso gefragt, wie die des Radverkehrsbeauftragten. „Ich fühle mich angenommen und wertgeschätzt“, so Oberrenner über die Zusammenarbeit mit der Gemeinde.

Beauftragte arbeiten gut zusammen

Und nicht nur mit der: Die Beauftragten der Gemeinde stecken immer wieder ihre Köpfe zusammen, reden über Ideen und helfen sich bei der Umsetzung von Projekten. „Das klappt wunderbar“, so Oberrenner zur sichtlichen Freude der Gemeinderäte.

Und wie seine Kollegin Renate Hanzekovic, die Seniorenbeauftragte, betonte auch Oberrenner, dass sie in Ursula Dreischl eine hervorragende Ansprechpartnerin in der Gemeindeverwaltung haben. „Wenn sie etwas nicht parat hat, gräbt sie so lange, bis sie es hat.“

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