Mit eisernem Willen

Eisschwimmen für Abwehrkräfte: Roland Mayer aus Raubling meistert sein Leben mit einem Hirntumor

Freudestrahlend sitzt Roland Mayer in seinem eisigen Teich im Garten. Mit dieser besonderen Form der Abhärtung bekämpft er seine Krebserkrankung.
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Freudestrahlend sitzt Roland Mayer in seinem eisigen Teich im Garten. Mit dieser besonderen Form der Abhärtung bekämpft er seine Krebserkrankung.
  • Barbara Forster
    vonBarbara Forster
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Jeden Morgen, noch vor dem Frühstück, schlüpft Roland Mayer (56) in seine Badehose, geht barfuß in seinen Garten und betrachtet seinen Schwimmteich. Und dann? Dann setzt er Schritt für Schritt einen Fuß hinein – bis er auf Brusthöhe im Wasser steht.

Raubling – Dort bleibe er dann zwischen drei bis sechs Minuten. Bis ihm sein Körper sagt: Jetzt wird’s Zeit, wieder ins Warme zurückzukehren.

Wucherung so groß wie eine Orange

Seit rund einem Jahr schwört der Raublinger auf die so genannte Wim-Hof-Methode. „Ich bilde mir ein, dass das Schwimmen dabei hilft, das Immunsystem zu stärken.“ Er sei dadurch abgehärteter. Gehe im Winter barfuß oder im Hemd an die frische Luft. Und für Roland Mayer ist ein starkes Immunsystem überlebenswichtig: Im Juni 2019 wurden bei ihm drei Gehirntumore in der rechten Gehirnhälfte festgestellt. „Insgesamt so groß wie eine Orange“, sagt er. Teilweise hatte sich das Tumorgewebe damals auf die linke Gehirnhälfte ausgebreitet.

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Aufgrund der Größe habe man nicht operieren können, schildert der 56-Jährige. „Der Tumor ist so stark mit dem guten Gewebe verwachsen. Das kann man nicht trennen.“

15 Jahre wächst der Tumor im Kopf von Roland Mayer

Seine damals einzige Möglichkeit war eine Chemotherapie. „Das hat mir geholfen.“ Der Tumor sei dadurch knapp zwei Zentimeter geschrumpft und auf der linken Gehirnhälfte komplett verschwunden. „Ich werde es nie schaffen, dass ich ihn wegbekomme, aber ich halte ihn in Schach.“ 15 Jahre lang sei der Tumor in seinem Kopf gewachsen. Im Nachhinein gab es Anzeichen, sagt Mayer. Kopfweh, unruhige Nächte, zu viel Stress: „Ich war ständig auf der Überholspur.“ Als Verkaufsdirektor in der Papierindustrie und als Mentalmagier war er beruflich gut eingespannt. Auswirkungen hatte der Tumor letzten Endes durch einen epileptischen Anfall.

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Interessant sei, dass ihm ein Wünschelrutengeher bestätigte, dass er einen schlechten Schlafplatz habe. „Und dieser Mann wusste nichts von meiner Krankheit.“ Direkt am Kopfteil des Bettes gäbe es Erdverwerfungen, erklärte der Experte damals. Seither stehe das Bett mitten im Raum. Ausschauen würde das fürchterlich. Aber das sei eben der einzige günstige Standort für das Bett. „Es gibt vieles zwischen Himmel und Erde, was für den Menschen unerklärlich ist“, sagt Mayer. Er verteufle nichts, sondern experimentiere. Und was für ihn persönlich greift, integriert er in seinen Lebensstil.

„Gebirgswasser prickelt. Das fühlt sich wie ein Champagnerbad an.“

Roland Mayer

Dazu gehören auch alternative Heilmethoden – von Akupunktur bis hin zur Eigenblutbehandlung. Das Eisschwimmen helfe ihm überdies, mehr Abwehrkräfte aufzubauen. „Ich bin süchtig danach.“ Er mag es, die Grenzen seines Körpers zu spüren. Von der Wim-Hof-Methode (nach dem holländischen Extremsportler Wim Hof) habe er zum ersten Mal bei einem Vortrag gehört. „Ich mag ja so extreme Menschen“, erklärt der Raublinger. Danach habe er sich sofort ein Buch darüber gekauft und ein Seminar in München besucht.

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Seither vergehe kein Tag, an dem er nicht ins eiskalte Wasser steige. Ob Gebirgswasser, Seen oder der eigene Teich –  jedes Wasser habe seine Besonderheit. „Gebirgswasser prickelt. Das fühlt sich wie ein Champagnerbad an.“ Das stehende Wasser des Simssees fühle sich dagegen matt an. Gerade im Landkreis Rosenheim wimmle es von Gewässern. Alle anders, aber alle besonders. Deshalb gehe er nie ohne Rucksack und Badehose aus dem Haus – denn man wisse ja nie, wo sich eine passende Badegelegenheit finden lässt. Doch ins eiskalte Wasser zu steigen erfordere Übung und die richtige Atemtechnik. Er habe lange trainiert, dass er so weit war, mehrere Minuten lang im kalten Wasser zu schwimmen. Dazu gehöre auch mentales Training.

Den Fokus auf das Positive legen

Es falle ihm leicht, sich auf etwas zu fokussieren. Dabei helfe ihm seine jahrelange Erfahrung als Mentalmagier. Wichtig sei es eben auch, den Tumor beizeiten zu vergessen und sich auf das Positive zu konzentrieren: „Du hast nur dieses eine Leben. Und wenn du den Kopf in den Sand steckst, ist es schon vorbei.“ Dabei gab es Zeiten, in denen die Aussicht auf Besserung alles andere als rosig war: Damals, bei der Biopsie, gab es Komplikationen. „Ich konnte nur noch mit Stöcken gehen, ich hörte Musik im Kopf, die gar nicht existiert. Auch das Schreiben klappte nicht mehr.“ Aber Roland Mayer hat alles wieder erlernt. „Ich hatte einen eisernen Willen.“

Der Raublinger träumt von einem langen Leben. Sein Ziel ist es 90 zu werden. „Ich will noch mindestens 35 Jahre leben.“

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