„Mit einem Bein im Gefängnis“: Ehemalige Kassiererin verbaut sich Chance auf Vollzeitanstellung

Zehnmonatige Haftstrafe auf Bewährung und eine Arbeitsauflage von 100 Stunden: Eine ehemalige Kassiererin, die Gutscheine gefälscht hatte, entging noch knapp dem Gefängnis.
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Zehnmonatige Haftstrafe auf Bewährung und eine Arbeitsauflage von 100 Stunden: Eine ehemalige Kassiererin, die Gutscheine gefälscht hatte, entging noch knapp dem Gefängnis.

Weil sie anscheinend in finanziellen Nöten war, kam eine ehemalige Mitarbeiterin einer Lebensmittelkette im Inntal auf die Idee, Einkaufsgutscheine zu fälschen. Beim ersten Mal wurde sie nicht erwischt. Beim zweiten Mal allerdings schon.

Von Theo Auer

Raubling/Rosenheim –  Weil sie in finanziellen Nöten gewesen sei – so die Erklärung vor Gericht – fertigte eine ehemalige Mitarbeiterin einer Lebensmittelkette im Inntal Gutscheinfälschungen an. Die besagte Lebensmittelkette verkauft an Firmen Einkaufsgutscheine, welche sie an Mitarbeiter als Prämien weitergeben. Diese können bei diversen Einkäufen als Zahlungsmittel eingesetzt werden.

Sie fertigte illegal Duplikate an

Die 27-jährige Mitarbeiterin, die zunächst als geringfügig Beschäftigte in einer Filiale dieser Kette als Kassiererin tätig war, wurde auf die Gutscheine aufmerksam. Sie kam auf die Idee, solche Gutscheine zu reproduzieren und als Zahlungsmittel einzusetzen. Am Computer zuhause kopierte sie solche und fertigte gefälschte Duplikate an. Damit kaufte sie im Juni 2020 zweimal für insgesamt 132 Euro ein. An der Kasse wurden die Fälschungen nicht gleich erkannt, wohl aber bei der späteren Abrechnung. Erst recht allerdings beim zweiten Mal, wobei die Betrügerin aber nicht sofort festgehalten werden konnte. Stattdessen wurden ihre KFZ- und die entsprechende Zulassungsnummer notiert. Zum Ärger der Firmenleitung stellte sich heraus, dass es sich um die Mitarbeiterin in einer anderen Filiale handelte. Die Kündigung folgte auf dem Fuße. Auch wurde eine Anzeige erstattet.

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Als Zeugin berichtete eine der Firmeninhaber, dass sie mit der Arbeitsleistung der Angeklagten damals durchaus zufrieden gewesen sei, sie sogar in eine Vollzeitanstellung übernehmen wollte. Nachdem sie aber an der Kasse eine Vertrauensstellung innehatte, sei daran selbstverständlich nicht mehr zu denken gewesen.

Das Ausmaß des Vertrauensmissbrauchs sowie Scham und Bedauern waren der 27-jährigen Angeklagten durchaus bewusst geworden und sie bat die Zeugin um Entschuldigung für ihr Verhalten. Auch hatte sie zwischenzeitig den entstandenen Schaden bezahlt.

Problematisch war die Situation für die Angeklagte deshalb, weil sie vier Jahre vorher bereits wegen eines Diebstahls zu acht Monaten Haft verurteilt worden war. In dieser Sache steht sie noch unter offener Bewährung.

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Der Vertreter der Staatsanwaltschaft machte dies in seinem Schlussvortrag deutlich. Zwar sei kein großer Schaden entstanden, und diesen habe die Angeklagte auch bereits wieder gutgemacht. Dennoch zeuge dieses planvolle Vorgehen mit der Produktion der Fälschungen von hoher krimineller Energie. Deshalb beantragte er eine Haftstrafe von zehn Monaten, die nun nicht mehr zur Bewährung ausgesetzt werden könne.

Die Verteidigerin, Rechtsanwältin Gabriele Sachse, verwies auf das sofortige Geständnis und den geringen Schaden, auf die sichtliche Reue und die umgehende Wiedergutmachung.

Sie erbat für ihre Mandantin bei einer Strafe von acht Monaten die Möglichkeit einer letztmaligen Bewährungsstrafe. Die 27-Jährige strebe nun auch in einer Vollzeitanstellung und der Regulierung mit einer Privatinsolvenz einen geregelten Lebenswandel an, hieß es.

Urteil der Richterin sei „letzte Chance“

Die Vorsitzende Richterin Julia Haager machte klar, dass ihr Urteil nun wahrlich eine „letzte Chance“ darstellen müsste. „Sie stehen nun wirklich mit einem Bein bereits im Gefängnis“.

Nur die Tatsache, dass echte Reue und das Bemühen um die Lösung ihrer finanziellen Probleme sichtbar geworden seien, machten eine nochmalige Bewährungsstrafe möglich. Eine Geldbuße sei in ihrem Falle kontraproduktiv.

Deshalb verhängte sie zu der zehnmonatigen Haftstrafe zur Bewährung eine Arbeitsauflage von 100 Stunden, die binnen eines Jahres abzuleisten sind.

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