Bewährungsstrafe

Mietnomaden-Masche: Ehemaliger Oberaudorfer muss sich vorm Amtsgericht Rosenheim verantworten

Wegen mehrerer Vergehen blüht einem ehemaligen Oberaudorfer nun eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten auf Bewährung sowie ein einmonatiges Fahrverbot. Als Wertersatz werden 7700 Euro eingezogen.
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Wegen mehrerer Vergehen blüht einem ehemaligen Oberaudorfer nun eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten auf Bewährung sowie ein einmonatiges Fahrverbot. Als Wertersatz werden 7700 Euro eingezogen.
  • vonChrista Auer
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Das Amtsgericht Rosenheim hat einen 55-jährigen ehemaligen Oberaudorfer wegen mehrerer Vergehen, unter anderem Betrug und Beleidigung, zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten auf Bewährung sowie einem einmonatigen Fahrverbot verurteilt. Als Wertersatz werden 7700 Euro eingezogen.

Rosenheim/Oberaudorf – Betrug, Beleidigung, Missbrauch von Titeln und fahrlässiger Körperverletzung – wegen dieser Vergehen hat das Amtsgericht Rosenheim einen 55-jährigen ehemaligen Oberaudorfer zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten auf Bewährung sowie einem einmonatigen Fahrverbot verurteilt. Als Wertersatz werden 7700 Euro eingezogen.

Nur die erste Monatsmiete bezahlt

Von Selbstreflexion oder Reue fehlte dem Angeklagten vor dem Amtsgericht Rosenheim jede Spur. Für Vermieter und Nachbarn war der Mann wohl ein wahrer Albtraum. Laut Anklage soll der 55-jährige unter Vorspiegelung seiner Zahlungsfähigkeit im Dezember 2017 eine Zwei-Zimmer Wohnung in Oberaudorf angemietet haben. Vereinbart war ein monatlicher Mietzins von 980 Euro plus Nebenkosten. Bezahlt wurde aber nur die erste Monatsmiete.

Bis zur Räumung der Wohnung im September blieb er 7 709 Euro schuldig. Im Punkt zwei der Anklage wurde der ehemalige Frankfurter beschuldigt, einen Wohnungsnachbarn mit „Du Asozialer“ beleidigt zu haben. Des Weiteren wurde dem Mann vorgeworfen, sich im Februar 2019 als Rechtsanwalt ausgegeben zu haben, um Reinigungskosten für Kleidung einzutreiben, und schließlich wurde dem Angeschuldigten zur Last gelegt, beim Ausparken eine 75-jährige Rosenheimerin mit dem Auto erfasst und nicht unerheblich verletzt zu haben.

Durch den Aufprall des Fahrzeugs zu Fall gekommen

„Alles nicht wahr“, sagte der Angeklagte und bemängelte das „Wirtshausniveau“ im Gerichtssaal. Seinen Nachbarn habe er als Asozialen betitelt, weil der ihm mit einem Baseballschläger in der Hand die Tür geöffnet habe, nachdem er eine Ruhestörung angemahnt habe. Und bei den Reinigungskosten habe sich sein Gesprächspartner, der die Kleidung seiner Frau im Vorbeifahren mit Schmelzwasser verschmutzt habe, wohl verhört. Er habe nur gesagt, dass er die Angelegenheit einem Anwalt übergeben werde. Der Zeuge schilderte aber glaubhaft, dass sich der Angeklagte als Rechtsanwalt vorgestellt und und „eine ziemliche Drohkulisse aufgebaut“ habe.

Im Fall der fahrlässigen Körperverletzung bezweifelte der Angeklagte zuerst, dass er die Frau touchiert habe und vermutete, dass diese einfach hingefallen sei. Ehe er sich zu einer Entschuldigung bei der Rosenheimerin durchringen konnte, fragte er sie, ob sie zum Zeitpunkt des Unfalls unter Medikamenteneinfluss gestanden habe. Eine Video-Aufzeichnung einer Verkehrskamera zeigte aber, dass die Frau durch den Aufprall des Fahrzeugs zu Fall gekommen war und sich dadurch eine Oberschenkelhals- und eine Ellbogenfraktur zugezogen hatte.

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Seine Mietschulden rechtfertigte der 55-Jährige damit, dass die Vermieterin die Nutzungsänderung des Mietobjekts in ein Zweifamilienhaus beim Landratsamt nicht beantragt hatte. Damit sei der Vertrag ungültig gewesen. Er sei aber zu jederzeit zahlungsfähig gewesen. Die Vermieterin schilderte, dass der Angeklagte überzeugend als solventer Mieter aufgetreten sei, deshalb habe sie keinen Einkommensnachweis gefordert. Kurz nach dem Einzug des Angeklagten und dessen Ehefrau „hat das Chaos begonnen“. Nach der Räumung habe sie die Wohnung zugemüllt vorgefunden. Der Schaden habe 22 000 Euro betragen. Zwei ehemalige Vermieter bekräftigten diese Aussage mit ähnlichen Erfahrungen.

Weder zahlungswillig noch zahlungsfähig

Für Staatsanwalt Roth war der Tatnachweis in allen Anklagepunkten erbracht und eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren auf Bewährung angemessen. Von 2014 bis 2017 gebe es 22 Eintragungen, wo die Gläubigerbefriedigung ausgeblieben sei. Eine Vermögensauskunft des Angeklagten vom Oktober 2017 habe 17 Euro im Geldbeutel, keine Wertsachen und einen Antrag auf Arbeitslosengeld II ergeben. Im März 2018 habe der Kontostand 1 000 Euro betragen.

Richterin Maike Merklin blieb mit ihrem Strafmaß unter der Forderung der Anklagevertretung. Es habe einen wirksamen Mietvertrag gegeben. Der Angeklagte habe gewusst, dass er zahlungsunfähig sei. Er habe elf Vorahndungen, die Rückfallgeschwindigkeit sei hoch und die Verletzungen der Geschädigten erheblich. Deshalb brauche es ein Fahrverbot, hieß es in der Urteilsbegründung.

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