Interview mit Rosenheimer Anwalt Christoph Lindner

Klage: „Maskenpflicht für Grundschulkinder während des Unterrichts unverhältnismäßig“

„Unverhältnismäßig“: Christoph Lindner. Foto: privat
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Der Rosenheimer Anwalt Christoph Lindner ist selbst Vater einer Erstklässlerin.

Christoph Lindner ist Anwalt. Warum er Corona ernst nimmt und dennoch Grundschüler im Unterricht von der Maskenpflicht befreit sehen möchte, erklärt er im Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen.

Für wie ernst halten Sie Corona?

Christoph Lindner: Zu dieser Frage kann ich mangels medizinischer Fachkenntnis nur beitragen, was allgemein bekannt ist: Eine Covid-19-Erkrankung ist eine ernste Gefahr. Ich denke, jeder von uns hat noch die Bilder aus Italien aus dem Frühjahr vor Augen. Wer sich halbwegs mit den Fakten auseinandersetzt, weiß, dass Maßnahmen zur Eindämmung des Infektionsgeschehens notwendig und richtig sind, um Menschenleben zu schützen. Als Erwachsener einen Mund-Nasen-Schutz beim Einkaufen, Busfahren oder bei anderen Ansammlungen zu tragen, befürworte ich ausdrücklich. Mir geht es allein darum aufzuzeigen, dass eine Maskenpflicht für Grundschulkinder am Platz während des Unterrichts unverhältnismäßig ist.

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Masken helfen, das dürfte die überwiegende Meinung sein. Warum sollen also nicht auch die Jüngsten ihr Möglichstes tun?

Lindner: Selbstverständlich sollen und müssen alle ihren Teil dazu beitragen, dass wir möglichst gut durch diese Pandemie kommen. Aber gerade unsere Kinder haben dies bereits getan und tun dies weiterhin, ihre Rechte und Bedürfnisse werden aber nun erneut stark eingeschränkt. Übrigens ist das in anderen Ländern nicht so: Nach meinen Recherchen gibt es in anderen stark betroffenen Ländern wie Österreich, Italien, oder Frankreich für Grundschulkinder keine Maskenpflicht im Unterricht.

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Man hört ab und an, Kinder litten besonders unter der Maske. Inwiefern?

Lindner: Die bisher einzige wissenschaftliche Übersichtsarbeit zu Masken bei Kindern aus dem Jahr 2011 spricht von möglichen Nebenwirkungen wie erhöhtem Atemwiderstand, Wärme- und Feuchtigkeitsansammlungen, CO2-Rückhaltung, Klaustrophobie und Angstzuständen. Eltern berichten aktuell vor allem von Kopfschmerzen und Konzentrationsschwierigkeiten. Und als Vater einer Erstklässlerin sehe ich: Binnen einer Woche hat sich die vorher rundherum als „toll“ und „super“ bewertete Zeit in der Schule ins Gegenteil verkehrt. Noch einmal: Im Schulbus, auf den Gängen, bei jedem Verlassen des Sitzplatzes: das machen die Kinder alles vorbildlich mit und halten sie auch aus. Aber von 7 Uhr am Schulbus an durchgehend die Maske tragen zu müssen, ist ihnen zu viel zugemutet und in rechtlicher Hinsicht ein unverhältnismäßiger Eingriff.

Durch nicht nachvollziehbare und unverhältnismäßige Einzelmaßnahmen erodiert aber auch das wichtige Vertrauen in die gerechtfertigten und notwendigen staatlichen Maßnahmen.

Rechtsanwalt Christoph Lindner

Kann man Kindern erklären, warum diese Pflicht etwa in München ausgesetzt wird, aber in Rosenheim gelten soll? Oder warum ein Mitschüler sie nicht tragen muss, der Rest der Klasse aber schon?

Lindner: Wenn es nun klare wissenschaftliche Belege dafür geben würde, dass sich durch die Masken auch am Platz während des Unterrichts für Grundschulkinder Infektionen signifikant vermeiden ließen und es die einzige Möglichkeit wäre, weiterhin Präsenzunterricht stattfinden lassen zu können – dann wäre es vermittelbar. Gerade dies ist aber nicht der Fall, auch prominente Stimmen wie die Münchener Virologin Prof. Dr. Ulrike Protzer, äußerten sich kritisch zu Masken für Grundschulkinder. Warum nun Grundschulkinder in der Region Masken am Platz im Unterricht tragen sollen, in München, im Unterallgäu, in Lichtenfels oder in Ebersberg aber nicht, verstehen weder Kinder noch Eltern. Durch nicht nachvollziehbare und unverhältnismäßige Einzelmaßnahmen erodiert aber auch das wichtige Vertrauen in die gerechtfertigten und notwendigen staatlichen Maßnahmen.

Wie werden Sie Ihr Anliegen weiterverfolgen?

Lindner: Meine Kanzlei wird in jedem Fall die Maskenpflicht für Grundschulkinder am Platz während des Unterrichts – und nur diese – zur kurzfristigen Überprüfung durch die Vewaltungsgerichtsbarkeit stellen. Wir übernehmen aber ansonsten keine Mandate in diesem Bereich, und ich distanziere mich ausdrücklich von allen Corona leugnenden Gruppierungen. Mir geht es darum, dass die Rechte und Bedürfnisse der Kinder ernst genommen werden.

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