ÄRGER UM LÄRMSCHUTZMASSNAHMEN IN RAUBLING

Lückenhaft

Auf einer Länge von rund einem Kilometer verwirklicht die Autobahndirektion Südbayern derzeit bei Raubling Lärmschutzmaßnahmen. Kosten: rund vier Millionen Euro. Die Fertigstellung ist für Ende des Jahres geplant. Ruprecht

Vier Millionen Euro investiert die Autobahndirektion Südbayern in Lärmschutzmaßnahmen an der A8 bei Raubling. Doch nicht jeder kann sich über die fast einen Kilometer langen Maßnahmen freuen.

Raubling – Bagger, Bauarbeiter und Berge voller Erde: Wer derzeit auf der A 8 bei Raubling unterwegs ist, kann sich den Bauarbeiten am Rande der Autobahn kaum entziehen. Unter dem Stichwort „Nachträgliche Lärmversorgung“ läuft das Projekt, dass den Raublingern neue Lärmschutzwälle und -wände bringt und dafür sorgen soll, dass der Verkehrslärm weiter ausgebremst wird. Doch während sich viele Bürger über das Plus an Lärmschutz freuen, ist Christof Bohn, der im Wohngebiet oberhalb des Pfraundorfer Pendlerparkplatzes wohnt, erzürnt: „Ich komme mir vor, als wäre ich ein Bürger zweiter Klasse!“

Was den Ingenieur so aufbringt, ist die Tatsache, dass die Lärmschutzmaßnahmen seitens der Autobahndirektion Südbayern zwar großflächig angesetzt sind, trotzdem aber einzelne Bereiche nicht davon profitieren. Wie eben das Wohngebiet in Pfraundorf, dass sich links und rechts entlang der Seestraße befindet.

Schutz für die Fischweiher

Denn während die Fahrbahnseite Richtung Salzburg zwischen Anschlusstelle Raubling und Inn von Lärmschutzmaßnahmen profitiert, wurde die andere Seite – oberhalb des neuen Domizils für die Bogenschützen – beim Lärmschutz ausgespart. Für Bohn ein unglaublicher Vorgang: „Da bekommen die im Süden liegenden Fischweiher Lärmschutz, während wir Anwohner auf der nördlichen Seite nicht nur die Probleme der Kläranlage, sondern auch den Autobahnlärm ertragen müssen.“

Deshalb hat sich der Raublinger in den vergangenen Monaten mehrmals sowohl an die Autobahndirektion Südbayern, die für die Maßnahmen verantwortlich zeichnet, aber auch an Raublings Bürgermeister Olaf Kalsperger gewandt. Wobei er vor allem von der Reaktion des Rathauschefs enttäuscht ist. „Er hat sich das zwar angehört, dann aber auf die rechtlichen Grundlagen verwiesen.“

Auf offene Ohren sei er hingegen bei der Autobahndirektion gestoßen. Dort habe ihm die für die Maßnahmen zuständige Mitarbeitern gesagt, dass die Behörde – sollte die Gemeinde die notwendigen Grundstücksflächen bereitstellen – sogar bereit sei, den Lückenschluss in puncto Lärmschutzmaßnahme kostenlos mitzumachen.

Eine Aussage, die die Autobahndirektion auf Anfrage der OVB-Heimatzeitungen aber nicht bestätigen wollte. In einer schriftlichen Stellungnahme betont die Behörde nochmals, dass die Anwesen im nordöstlichen Teil Raublings zwar die rechtlichen, nicht aber die lärmbezogenen Voraussetzungen für die nachträgliche Lärmschutzmaßnahme erfüllen würden (siehe Kasten).

Zudem verweist die Autobahndirektion darauf, dass selbstverständlich für die Kommune die Möglichkeit bestehe, „auf eigene Kosten Lärmschutzmaßnehmen“ zu verwirklichen. „Für diesen Fall bietet die Atuobahndirektin ihre Unterstützung an, um gemeinsam eine Lösung zu finden. Bisher ist die Gemeinde Raubling allerdings nicht auf uns zugekommen“, so eine Sprecherin schriftlich.

Aussagen, die Bürgermeister Kalsperger zwar so nicht bestätigen kann. Schließlich stand die Gemeinde bereits im November 2017 bezüglich der Lärmschutzproblematik im Kontakt mit der Behörde, wie ein Schreiben belegt, das unserer Redaktion vorliegt. Dennoch will der Rathauschef nun das Gespräch mit der Autobahndirektion Südbayern suchen.

Bahnstrecke als mahnendes Beispiel

Was allerdings noch lange nicht heißt, dass die Gemeinde in Eigenregie Lärmschutzmaßnahmen für den Bereich nördlich der A8 ergreifen wird, wie der Bürgermeister betont. Zum einen müsse sich zunächst zeigen, ob die Maßnahmen auch wirklich Nutzen für die Bürger bringen. Zum anderen will die Kommune laut Kalsperger keinesfalls – wie beim Lärmschutz an der Bahnstrecke – auf den Kosten sitzen bleiben. Kalsperger: „Damals haben wir Millionen investiert, um unsere Bürger vor dem Zuglärm zu schützen. Jetzt bekommen die Gemeinden den Lärmschutz gratis geliefert.“

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