Letzte Chance für 20-Jährigen: Richter glaubt Dealer Entscheidung gegen Drogenkarriere

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Innerhalb eines Jahres zehnfach mit Drogen aufgefallen, dazu Handel treiben mit sowie Erwerb und Besitz von Haschisch und Kokain – das ist die Bilanz eines 20-jährigen Neubeurers. Er kam mit einer Bewährungsstrafe inklusive Warnschussarrest davon und muss sich regelmäßigen Drogenkontrollen stellen.

Von Theo Auer

Neubeuern/Rosenheim – Im Mai 2019 stoppte eine Polizeistreife im Zuge einer Verkehrskontrolle bei Neubeuern das Auto des Handwerkers. Aus der Beifahrertüre sprang einer der Passagiere aus dem Auto um in einen Seitenweg zu eilen. Er blieb auf die Rufe der Polizei hin schließlich stehen und kehrte zum Wagen zurück. Im Gras fanden die Polizisten bei ihrer Suche einen Plastik-Verschlussbeutel mit 60 Gramm Marihuana.

Als am 19. August wegen mehrerer anderer Vergehen in Sachen Drogen die Wohnung des Fahrers durchsucht wurde, fanden sich Reste von Kokain neben 40 Gramm Marihuana. Dazwischen hatte er nachweislich mehrfach andere mit Drogen versorgt.

Im November 2019 schon einmal verurteilt

Deshalb war er im November 2019 in vier Fällen bereits vom Vorsitzenden Richter Hans-Peter Kuchenbaur zu einer Geldauflage und zu absolutem Drogen-Verzicht verurteilt worden. Allerdings wurde bei einer Kontrolle deutlich, dass er fleißig weiter gehascht hatte. So erteilte ihm Richter Kuchenbaur einen Ungehorsams-Arrest von zwei Wochen. Nun stand er wegen weiterer solcher Vergehen wieder vor dem Jugendschöffengericht.

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Mit ihm der 19-jährige Landmaschinenmechaniker, Beifahrer vom Mai, der damals versucht hatte, die 60 Gramm Marihuana zu entsorgen. Dessen Beschuldigung wurde – weil es nachweislich nicht sein Päckchen war – von Drogenbesitz auf versuchte Strafvereitelung abgeändert.

Beim Hauptangeklagten stellte sich vor allem die Frage ob er – wie es im Jugendstrafrecht heißt – „schädliche Neigungen“ hat, die für ihn eine Jugendhaftstrafe bedeuten konnten.

Allerdings hat er zwischenzeitig, wie die Vertreterin der Jugendgerichtshilfe glaubhaft versicherte, einen völlig anderen Lebensstil aufgenommen. So hat er nicht nur eine seriöse Arbeitsstelle gefunden, sondern ist auch in s Elternhauses zurückgekehrt. Darüber hinaus beteuerte er, mit den Drogen und dem entsprechenden Umfeld gebrochen zu haben.

Marihuana war für den Eigengebrauch

Beide Jugendliche waren in allen Punkten der Anklage geständig, lediglich das Marihuana, welches der Beifahrer weggeworfen hatte, sei nur zum Eigenkonsum und nicht zum Handel bestimmt gewesen. Überhaupt sei es das Bestreben des 20-Jährigen, durch Enthaltsamkeit auch seinen Führerschein zurück zu gewinnen.

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Der Staatsanwalt war mit der Jugendgerichtshilfe der Meinung, man solle hier noch Jugendstrafrecht anwenden. Weil eine echte Umkehr des Zwanzigjährigen durchaus möglich sei, könne es mit einer Bewährung ohne Strafausspruch hier noch einmal sein Bewenden haben. Allerdings zusammen mit einem sogenannten „Warnschuss-Arrest“ von zwei Wochen und strengen Drogenkontrollen. Dazu müsse er einem Bewährungshelfer unterstellt werden.

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Dem 19-jährigen Beifahrer solle mit einer gemeinnützigen Arbeitsauflage deutlich werden, dass er einen Fehler gemacht habe.

Der Verteidiger des 20-Jährigen, Rechtsanwalt Harald Baron von Koskull, stimmte der rechtlichen Bewertung des Staatsanwaltes zu. Er unterstrich nochmals den Wert des Geständnisses und beantragte ebenfalls eine Bewährungszeit mit Warnschuss-Arrest.

Der Verteidiger des Beifahrers, Rechtsanwalt Andreas Michel, machte deutlich, dass es sich bei der Tat seines Mandanten fraglos um eine spontane, unbedachte Aktion am unteren Rand der Strafbarkeit gehandelt habe, bei der es unter Umständen bei einer Ermahnung oder Verwarnung bleiben könne.

Das Gericht bedachte den Beifahrer mit einer Auflage von 32 gemeinnützigen Arbeitsstunden.

An Auflagen halten, sonst wird vollzogen

Auch beim Haupttäter zeigte sich das Gericht gemäß den Anträgen gnädig und sprach lediglich eine Bewährung nach § 27 Jugendstrafrecht aus. Dazu allerdings angemessene Kontroll- und Betreuungsauflagen. Denen solle er aber nun auch konsequent nachkommen. Sonst werde unnachgiebig vollzogen – so der vorsitzende Richter.

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