Praktische und finanzielle Probleme

Lebenretten in Zeiten der Pandemie: Feuerwehren in Schechen stehen vor Herausforderungen

Mit Maske und Abstand im Einsatz: Steigt die Sieben-Tage-Inzidenz über 50, dürfen Feuerwehren die Einsatzfahrzeuge nur eingeschränkt besetzen.
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Mit Maske und Abstand im Einsatz: Steigt die Sieben-Tage-Inzidenz über 50, dürfen Feuerwehren die Einsatzfahrzeuge nur eingeschränkt besetzen.

Wenn es brennt, muss es schnell gehen. Bei einem Unfall auch. Unter den Hilfeleistenden sind es insbesondere die Freiwilligen der Feuerwehren, die dann anpacken. Doch wie soll man Menschen retten oder in der Truppe einen Brand löschen, wenn eine Virus-Pandemie über das Land rollt?

Von Katharina Heinz

Schechen – Die Corona-Auflagen fordern die Feuerwehren von Schechen und der Region heraus und hat auch deren Alltag auf den Kopf gestellt.

Geselligkeit zum Erliegen gekommen

Zu einer Feuerwehr als Verein gehört auch Geselligkeit. Doch Vereinsveranstaltungen sind derzeit kaum oder nur bei unbedingt notwendigen Sitzungen möglich. „Der gesellige Bereich ist vollkommen zum Erliegen gekommen“, bedauert Martin Rottmoser, Kommandant der Feuerwehr Hochstätt. Sämtliche Feste seien abgesagt worden, eine Fahrzeugsegnung habe nur in sehr kleinen Rahmen stattgefunden und auch die Jubiläen der Feuerwehren der Region entfielen.

Dorffeste sein eine wesentliche Einnahmequelle

Schechens Bürgermeister und Kommandant der Feuerwehr Pfaffenhofen, Stefan Adam, erklärt, dass die Feuerwehren der Gemeinde, Pfaffenhofen, Marienberg und Hochstätt, jährlich Dorffeste veranstalten. Diese seien eine wesentliche Einnahmenquelle für die Vereine. Doch auch sie konnten heuer nicht stattfinden.

„Auch die sogenannte Einsatzhoibe, die man zur Aussprache nach einem Einsatz zu sich nimmt, gibt es seit der Pandemie nicht mehr“, so Kommandant Rottmoser. Dabei geht es bei diesen Treffen der Feuerwehrleute nicht rein um den Spaß: „Im Vergleich zu anderen Vereinen ist die Kameradschaft unter den Feuerwehrlern besonders wichtig“, sagt Rottmoser. Denn sie müssten sich im Ernstfall, wenn es um Leben und Tod gehe, blind aufeinander verlassen können.

Alle Entwicklungen zur Pandemie lesen Sie in unserem Corona-Ticker:

Auch Feuerwehr von Infektion gefährdet

Aber auch die Feuerwehrleute selbst sind von einer Infektion mit Corona bedroht. Zwar sei der Anteil der Risikogruppe bei den Wehren in Schechen relativ gering. Laut Bürgermeister Adam liege das Durchschnittsalter bei unter 30 Jahren, die meisten Kameraden seien fit und sportlich. Doch es habe auch schon Fälle gegeben, bei denen Feuerwehrleute infiziert waren oder als Kontaktpersonen in Quarantäne mussten. Dennoch sei es immer gelungen, die Einsatzfähigkeit zu gewährleisten.

Weil die Einsatzfähigkeit das höchste Ziel ist, sieht man bei den Feuerwehren die Corona-Auflagen als notwendig an. Sinnvoll seien alle, die den Betrieb der Feuerwehren aufrechterhalten, so Georg Baumann, Kommandant der Feuerwehr Marienberg. Die Einschränkungen bei der Geselligkeit sei allerdings schon schwerwiegend.

Feuerwehrler verteidigen strenge Corona-Regeln

Besonders ärgert es die Feuerwehrleute, wenn zivile Personen die Anordnungen wie Maskenpflicht oder Abstand infrage stellen. „Wir Feuerwehrler setzen alles daran, um unsere Einsatzfähigkeit zu erhalten, und halten uns an die Regeln“, sagt Baumann. „Wir sind überzeugt, dass durch das stringente Vorgehen ein größeres Unheil wie in anderen Ländern verhindert wurde.“

Kreisbrandrat vertraut seinen Feuerwehrlern

Was die Zukunft angeht, vertraut Kreisbrandrat Richard Schrank seinen Feuerwehren. Corona einfach zu umgehen sei ohnehin nicht möglich – man müsse sich an geänderte Situationen anpassen. „Darüber mache ich mir keine Sorge, denn Flexibilität ist ein Markenzeichen der Feuerwehren“, so Schrank. „Corona stellt zwar eine neue Herausforderung dar, der alle mit dem nötigen Respekt begegnen müssen, aber auch diese werden wir meistern“.

Mehrbelastung für die Feuerwehrleute

Im Einsatz hat sich für die Feuerwehrleute einiges geändert. „Der durch Corona bedingte zusätzliche Schutzaufwand bedeutet eine erhebliche Mehrbelastung für die Einsatzkräfte“, sagt Kreisbrandrat Richard Schrank. Dabei sei es kaum möglich, die notwendigen Abstände einzuhalten. Daher mussten die Freiwilligen ihre persönliche Schutzausrüstung erweitern und Mund-Nasen-Schutz, FFP2-Masken, Augenschutzbrillen oder Infektionshandschuhe anschaffen.

Übungs- und Ausbildungsveranstaltungen sind nur eingeschränkt unter Einhaltung der Hygienevorschriften durchführbar. Auch für die Feuerwehrleute ist die Corona-Ampel maßgeblich: Bis zu einer Inzidenz von 50 dürfen die Einsatzfahrzeuge noch normal besetzt werden, bei Fallzahlen darüber nur eingeschränkt.

Ab 50 sind einige Übungen, etwa Rettungs- oder Reanimationsübungen, nicht mehr erlaubt. Bei der Warnstufe „violett“ (Inzidenz von über 100) wird der Übungs- und Ausbildungsdienst eingestellt, das Einsatzpersonal wird minimiert. „Die Feuerwehr ist Bestandteil der kritischen Infrastruktur einer Gemeinde und eine Infektionsverschleppung würde das Aus der Einsatzbereitschaft innerhalb der Quarantänezeit bedeuten“, sagt Schrank.

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