Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


Olympische Spiele 1972 in München

„Die waren saustreng“: So erinnern sich vier Fackelträger an ihren Lauf durch Stephanskirchen

Georg Bitter, Jakob Wiesheu, Hermann Ladner und Konrad Mühlberger (von links) trugen die olympische Flamme durch Stephanskirchen. Christian Ladner war zu jung. Aber er durfte seinen Bruder eskortieren.
+
Georg Bitter, Jakob Wiesheu, Hermann Ladner und Konrad Mühlberger (von links) trugen die olympische Flamme durch Stephanskirchen. Christian Ladner war zu jung. Aber er durfte seinen Bruder eskortieren.
  • Sylvia Hampel
    VonSylvia Hampel
    schließen

Bloß kein Regen. Nur nicht fallen lassen. Oder gar selber hinfallen. Am 24. August 1972 standen sechs Jugendliche und junge Männer in Stephanskirchen auf der Straße, mit zunehmend schlotternden Knien. Sie warteten auf das olympische Feuer.

Stephanskirchen – Jakob Wiesheu, Konrad Mühlberger, Hermann Ladner, Hans-Ulrich Kröger, Georg Bitter und Manfred „Bubi“ Fux waren sechs von 6200 Fackelträgern, die in einer Staffel dafür sorgten, dass die olympische Flamme ihren Weg von Olympia nach München – und in die Außenstellen Kiel (Segeln) und Augsburg (Wildwasser) – fand.

Von Waldering bis hinunter zur Innbrücke liefen sie durch Stephanskirchen, „die halberte Gemeinde war unterwegs“, erinnert sich Hermann Ladner, dabei war es ein helllichter Donnerstagvormittag.

Fackelträgerinnen waren nicht gefragt

Mitglieder im Sportverein waren sie alle, die Fackelträger. Und auch die jeweils sechs „Beiläufer“, die die Flamme und ihren Träger eskortierten. Zu den „Beiläufern“ gehörte Christian Ladner, mit damals 13 Jahren zu jung, um die Verantwortung in Form des olympischen Feuers zu tragen. Aber den 16-jährigen Bruder zu eskortieren, das ließ er sich nicht nehmen. „Naaa, neidisch war ich nicht. Ich war froh, dass ich dabei sein durfte“, sagt er heute. Das durften überwiegend männliche Jugendliche, „ich glaub, dass nur hinter mir ein paar Mädels herliefen“, sagt Konrad Mühlberger mit einem breiten Grinsen. Der Rest der Truppe lacht.

Zwei Olympiafackeln blieben im Ort

Überhaupt sind sie sehr vergnügt, die vier noch lebenden Fackelträger und der eskortierende Bruder, bei einem Treffen im Sportheim des SVS. Dort ist eine der beiden Fackeln aufbewahrt, die damals in der Gemeinde blieben. Die andere ist im Gemeindemuseum im alten Rathaus.

Georg Bitter, mit damals 25 Jahren der Älteste in der Runde, hat eine Rarität mitgebracht: Ein weißes Trägerhemd mit den olympischen Ringen, dem Schriftzug „München 1972“ und einem sonnenähnlichen Logo. Schallendes Gelächter in der Runde ob der Größe. „Mei, damals hat‘s basst“, sagt Bitter trocken. „Das durften wir behalten, die weißen kurzen Hosen mussten wir wieder abgeben.“ Nicht gleich am Straßenrand, aber doch kurz darauf. Da waren die Offiziellen vom IOC eisern.

„Des bin I“: Georg Bitter reichte ein Blick und er hatte das Foto von 1972 einsortiert: Er übergibt die olympische Flamme an Hans-Ulrich Kröger. Hampel

„Die waren überhaupt saustreng“, erinnert sich Hermann Ladner und die anderen nicken. „Stimmt“, sagt Bitter, „als ich die Flamme an Kröger übergeben habe, hat sofort einer von den Offiziellen meine Fackel ausgemacht.“ Die fünf Herren im besten Alter gucken sich an, grinsen verschwörerisch – na klar hatte jemand ein Feuerzeug dabei. Und schon brannte die Flamme wieder. In der Kartusche war noch genug Gas...

Jakob Wiesheu war der Erste

Wer die olympische Flamme wie viele Meter durch Stephanskirchen getragen hat, das bekommen sie nicht mehr zusammen, die Herren, die sich zum Teil seit Jahrzehnten nicht gesehen haben. Und auch bei der Reihenfolge bleiben leichte Zweifel. Sicher ist, dass Jakob Wiesheu der erste Stephanskirchner Fackelträger war. Er übernahm in Waldering von den Rosenheimer Radfahrer. Die waren in der Stadt vergessen worden, der SVS hatte großzügig die Strecke von Sonnen bis zur Gemeindegrenze abgetreten.

Am Fuße des Schloßbergs übergab Bubi Fux an den Rosenheimer Kajakclub. Er hatte die Flamme von Uli Kröger übernommen, der wiederum von Bitter. Aber dazwischen? Erst Ladner, dann Mühlberger? Oder doch umgedreht? „Ach, ist doch wurscht“, finden sie.

Aufgeregte Stoßgebete

Alle vier wissen noch genau, wie aufgeregt sie 60 bis 90 Minuten, bevor sie dran waren, am Übergabepunkt standen. Wie die Nervosität stieg und stieg. „Lass nicht ausgerechnet bei mir die Flamme ausgehen“, das Stoßgebet schickten sie alle nach oben. Es half auch nichts, dass sie wussten, dass die Originalflamme in einer Laterne im Tross mitgeführt wurde, das olympische Feuer immer wieder entfacht werden konnte. Die Blamage wollten sie sich alle ersparen.

Tausende klatschten am Straßenrand

„Mei, hab ich die Fackel verkrampft getragen“, amüsiert sich Wiesheu über sein 16-jähriges Ich. Den anderen ging es auch nicht besser. Und das, obwohl sie mehrfach laufen geübt hatten, „damit wir synchron ein gewisses Tempo laufen konnten und damit die vorgegebene Choreographie hinhaute“, erzählt Hermann Ladner. „War das eine Riesenaufregung, als der Tross mit Polizei, NOK- und IOC-Vertretern dann kam“, erinnert sich Bitter, der mitten im Ort übernahm. Dort, wo Tausende auf beiden Seiten der Straße standen und klatschten. Mehr als zuschauen und jubeln ging nicht, einreihen war unmöglich. Da passten die Offiziellen auf. Überhaupt: „Der ganze Lauf war komplett durchgetaktet.“

+++ Weitere Berichte und Nachrichten aus Stephanskirchen finden Sie hier +++

„Wer hat denn dann . . .“, die Frage ist noch nicht ganz raus, da antworten die anderen im Chor: „Der Zahn!“ Günter Zahn, 18-jähriger Mittelstreckler aus Passau, war der letzte Fackelläufer. Ausgewählt aufgrund seines schönen Laufstils, drehte er die Runde im Olympia-Stadion und lief hinauf zum Stadionrand, um am 26. August 1972 die olympische Flamme in München zu entzünden. „Bracht hat‘s ihm nix, ganz große Erfolge hatte er nicht“, weiß Mühlberger.

Ein kleiner Teil der Geschichte

Die hatten die Stephanskirchner Fackelträger – im Gegensatz zu Zahn – gar nicht angestrebt. Aber ein bisschen stolz sind sie alle, dass sie damals dabei waren. Hausieren gehen sie damit nicht, aber wenn das Thema darauf kommt, dann erzählen sie gern. Die jüngeren Generationen, die sind oft verblüfft, dass „der Alte“, der da gerade erzählt, ein kleiner Teil der olympischen Geschichte ist – „und dann sind sie meist beeindruckt“, lacht Hermann Ladner. Und erzählen können sie alle noch lebhaft davon, die Stephanskirchner Fackelläufer und ihre Eskorte. Klar, denn: „Das ist ein Ereignis, das es nur einmal im Leben gibt“, sagt Bitter. Und das man nie vergisst.

Mehr zum Thema

Kommentare