Kommunalwahl 2020

Landratswahl Rosenheim: Ulla Zeitlmann (Grüne) will den "Zero-Waste"-Landkreis verwirklichen

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Ulla Zeitlmann

Die Kommunalwahl am 15. März rückt näher. Die OVB-Heimatzeitungen haben die Rosenheimer Landratskandidaten mit Themen wie Brenner-Basistunnel, Klimawandel, Heimat, Nachhaltigkeit und Wohnungsnot konfrontiert. Zum Abschluss nimmt Ulla Zeitlmann Stellung zu einem Thema, das ihr besonders am Herzen liegt.

Herzensanliegen von Ulla Zeitlmann: den Landkreis nachhaltiger machen

Wir haben die Erde von unseren Kindern nur geborgt. Deshalb will ich dafür sorgen, dass Wiederverwendbares sinnvoll in Verwertungskreisläufe zurückgeführt wird. Nicht-Wiederverwertbares soll ohne Schaden für unseren Planeten und andere Regionen auf der Welt entsorgt werden. Das ist unsere Verantwortung und das sollten wir auch endlich kontrollieren.

Langfristig will ich einen Landkreis Rosenheim, der nahezu keinen Müll mehr erzeugt – Zero Waste. Hierzu fordern wir die notwendige Unterstützung von Bund und Land ein.

Denn Mikro- und Makroplastik in unseren Gewässern wie im Inn und im Chiemsee sind vermeidbar und das wollen wir jetzt angehen. Die Biotonnen und Wertstofftonnen müssen vor der Haustür abgeholt werden, damit wir alle weniger zum Wertstoffhof fahren müssen.

Den Biomüll können wir im Landkreis Rosenheim selbst verwerten und Verkehr verringern. Der Landkreis soll selbst für Kantinen und Mensen verpackungsarm einkaufen.

+++ Hier finden Sie eine Übersicht aller Landratskandidaten im Kreis Rosenheim.
Hier finden Sie am Wahlabend, 15. März, das Ergebnis der Landrats- und Kreistagswahl. +++

Das bedeutet "Heimat" für die Landratskandidatin der Grünen

Besonders wenn ich reise, denke ich mir immer wieder, dass es nirgendwo so schön ist, wie hier. Wir wohnen in einer Region, wo andere Urlaub machen. Für viele Menschen ist die schönste Gegend Deutschlands zur neuen Heimat geworden. Auch dieser Zuzug prägt unsere erfolgreiche Region seit langem, kulturell und wirtschaftlich.

Aber Flächenfraß und Wohnungsmangel stellen uns inzwischen vor große Probleme. Wir rücken der Natur immer stärker zu Leibe. Unsere einzigartigen Öko-Systeme und das Klima brauchen unseren Schutz.

Nachhaltigkeit ist gerade bei uns im Landkreis Rosenheim deshalb das Gebot der Stunde. Wir müssen und ich werde entschlossen handeln. Als Landrätin werde ich einen Masterplan durchsetzen, der Schutzzonen festlegt, Klimaschutz und die Entwicklung von Flächen in Einklang bringt und dabei unsere bäuerliche Landwirtschaft schützt und verhindert, dass immer mehr Betriebe aufgeben müssen.

Wirtschaft, Tourismus, Landwirtschaft und Ökologie sind keine Gegensätze. Es geht um eine vernünftige Balance.

Bezahlbarer Wohnraum? Das sind die Ideen von Ulla Zeitlmann

Im Sog der Metropolregion München mit ihren explodierenden Preisen muss sich der Landkreis Rosenheim stärker einbringen. Der private Wohnungsmarkt alleine wird den Bedarf an bezahlbarem Wohnraum nicht decken, weil die Nachfrage einfach zu groß ist.

Viele kleinere Gemeinden in der Region haben nicht das Personal, um selber zu bauen. Wir wollen solchen Gemeinden sinnvolle Alternativen zum Verkauf von Flächen an private Investoren anbieten und sie auch tatkräftig bei der Planung und Realisierung unterstützen.

Auch Firmen kann bei Interesse geholfen werden, wenn diese für ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bauen wollen. Das Konzept der bestehenden Wohnbaugesellschaft greift zu kurz. Eine erneuerte, landkreiseigene Wohnungsbaugesellschaft soll neue Fördermodelle und Wohnformen, wie gemeinschaftliches und genossenschaftliches Bauen einbeziehen.

Selbstverständlich baut der Landkreis konsequent ökologisch und rüstet seine Gebäude auf erneuerbare Energie um.

Das sagt die Kandidatin der Grünen zum Thema Klimaschutz

Ich will unsere Energieversorgung im Landkreis auf 100 Prozent erneuerbare Energiequellen umstellen. Dem Kreistag müssen ehrgeizige Ziele für 2030 (Reduktion der CO2-Emissionen bis 2030 um 60 Prozent) zur Entscheidung vorgeschlagen werden.

Die Umstellung wird erst einmal Geld kosten, aber das ist zugleich eine Chance für regionale Wertschöpfung. Nichts zu tun, würde wegen der Klimafolgeschäden noch viel teurer werden.

Wir brauchen die Kommunen, Handwerkerinnen und Handwerker, Bürgerinnen und Bürger vor Ort. Taktgeber soll eine neu zu gründende Klimaagentur sein. Sie wird Mitstreiterinnen und Mitstreiter gewinnen, alle Klima-Aktiven vernetzen und planen, unterstützen sowie ausführen.

Klima-Engagement als Chance für den Landkreis Rosenheim und als Menschheitsaufgabe muss in das Zentrum unserer politischen Gestaltung rücken. Unserem Landkreis, der vom Tourismus lebt, würde es gut zu Gesicht stehen. Für Lippenbekenntnisse ohne Taten ist keine Zeit mehr.

Ulla Zeitlmann über das Thema Öffentlicher Nahverkehr

Für die Akzeptanz des ÖPNV braucht es gute und bezahlbare sowie verzahnte Angebote. Die Landkreisbewohner müssen schnell, bequem, preiswert und zuverlässig von A nach B gelangen. Die Orte müssen von 5 Uhr morgens bis 24 Uhr abends mindestens stündlich angebunden werden.

Der Landkreis Rosenheim muss ausreichend Personal einstellen, um eine echte Verkehrswende entsprechend umsetzen zu können. Bahnhöfe und zentrale Punkte müssen mit Mobilitätsstationen und Leihangeboten ausgestattet werden. Bushaltestellen sollen verbessert und mit digitalen Anzeigen und Unterstellmöglichkeiten ausgerüstet werden.

Die Stadt Rosenheim wird in Konzept eingebunden werden, am besten im Rahmen einer Verkehrsgesellschaft. Wir brauchen eine Reaktivierung von alten Bahntrassen, wie der Altstadtbahn Wasserburg und im Chiemgau der Strecke Bad Endorf- Obing.

Eine Kooperation und die Ausweitung von ÖPNV-Angeboten mit den angrenzenden Landkreisen ist ebenfalls anzustreben.

Das sagt Ulla Zeitlmann zum Thema Brenner-Nordzulauf

Es kann nur eine Entscheidung auf Basis einer vollständigen Faktenlage getroffen werden. Diese Fakten liegen bisher nicht auf dem Tisch. Auch als zukünftige Landrätin würde ich mich dafür einsetzen, dass der Landkreis seine eigenen Gutachten in Abstimmung mit den Bürgerinitiativen erstellt.

Verkehr muss auf die Schiene verlagert werden. Aber „falscher“ Alpentransit-Verkehr, zum Beispiel Mineralwasser aus Italien, darf nicht zu Lasten von Landschaft und Steuerzahlern über die Alpen rollen, auch nicht auf Schienen.

Durch die von den Grünen geforderte Alpentransitbörse wird Verkehr verringert. Der Zugverkehr vor Ort darf nicht zurückfallen. Anwohner müssen vor Lärm geschützt werden. Ein Neubau ist nach den aktuellen Zahlen sehr fragwürdig. Gleichzeitig müssen wir ehrlich bleiben und dürfen nicht verschweigen, dass ein Neubau unter anderen Umständen erforderlich werden kann, wenn wir bundesweit eine Verkehrswende schaffen wollen. In diesem Fall müssen wir für besten Lärmschutz kämpfen und dafür, dass die Strecke untertunnelt wird.

Steckbrief zur Landratskandidatin der Grünen

Alter: 50 Jahre.

Wohnort: Bernau am Chiemsee

Familienstand: ledig, zwei Kinder. Beruf: Rechtsanwältin

Hobbys: In meiner Freizeit wandere ich am liebsten in den Chiemgauer Bergen, lese (aktuell ein Buch von Wolf Haas, mit dem ich einfach nicht weiter komme) oder sehe mir Kunstausstellungen an, zum Beispiel in Aschau oder in München im Haus der Kunst.

Lebensmotto: Wenn ich mich für ein Lebensmotto entscheiden muss, dann ist es „Zukunft wird aus Mut gemacht“.

Der sorgfältige Umgang mit unseren Mitmenschen und mit der Umwelt liegt mir besonders am Herzen. Freiheit ist auf vielen Ebenen sehr wichtig und immer wieder zu erkämpfen, aber darf nicht mit Verantwortungslosigkeit verwechselt werden. Es ist unsere Pflicht, die Lebensgrundlagen unserer Kinder zu erhalten.

Ich möchte diese Fragen mit mehr Ehrgeiz und Verantwortung angehen, damit wir nicht Getriebene von Klimakrise und Artensterben werden.

+++ Kommunalwahl 2020 in Bayern: Hier finden Sie alle Bürgermeisterkandidaten in den Gemeinden im Landkreis Rosenheim. +++

Greta Thunberg ist ein Kind, das sehr viel erreicht hat und zuviel kritisiert wird. Ich hoffe, sie kann trotzdem ein glückliches Leben führen.

Als Landrätin würde ich als erstes die Klimawende im Landkreis Rosenheim mit der Schaffung einer Zukunftsagentur einleiten, damit Mobilität, Strom- und Wärmeerzeugung zukunftsgerecht, koordiniert und planvoll mit einem Masterplan umgebaut werden.

Der Klimawandel kann gestoppt werden, wenn wir beherzt handeln. Die Lösungen dafür liegen auf dem Tisch, wir müssen nur zugreifen und die aktuelle politische Verhaltensstarre beenden.

Mit Händen und Füßen würde ich mich als Landrätin gegen die überdimensionierten Ausbaupläne der Autobahn A8 wehren und gegen die schlechte Planung zum Brenner-Zulauf mit falschen Zahlen und unglaubwürdigen Prognosen. Unsere einmalige Landschaft und die Menschen vor Ort brauchen eine starke Interessenvertretung. Ich will alle Einflussspielräume nutzen.

Mein Lieblingsplatz ist die Wiese zwischen Pferdestall und Schlosskanal auf der Herreninsel und die Lindlalm.

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