Kunst neben Zapfsäulen: Plastiken von Rudl Endriß an der B&S-Tankstelle in Söchtenau

Entspannt eine Runde tanken und dabei Kunstobjekte bestauenen – ja, das geht. Undzwar an der im Februar eröffneten B&S-Tankstelle in Söchtenau. Dort stehen jetzt zwei Dutzend Plastiken des Künstlers Rudl Endriß. Tankstellen-Betreiber Rüdiger Wirth möchte zeigen: „Wir sind anders, als die anderen.“

Von Tina Blum

Söchtenau– Tanken mit einem Hauch von Kunstausstellung – klingt erst einmal komisch, gibt es aber jetzt an der B&S-Tankstelle in der Handwerkerstraße in Söchtenau. Denn dort zieren nun 24 Plastiken von Künstler und Bildhauer Rudl Endriß den Tankstellenbereich. Eine ungewöhnliche Idee, mit der Betreiber Rüdiger Wirth nicht nur auf seine Tankstelle aufmerksam machen möchte. Auch das Werk des 76-jährigen Söchtenauer Künstlers soll gesehen werden.

Anders sein, als die anderen

„Wir wollen anders sein, als die anderen“, sagt Rüdiger Wirth. Seit derEröffnung Anfang Februar betreibt er die B&S-Tankstelle in der Handwerkerstraße in Söchtenau. Generell interessiere er sich für Kunst, sagt Wirth. Noch mehr aber interessieren ihn Menschen, die kreativ sind und diese Kreativität auch ausleben. „An Rudl Endriß begeistert mich seine Art, und die Ruhe, die er ausstrahlt“, sagt der Tankstellen-Betreiber. Rudl Endriß lebt und arbeitet auf seinem Anwesen im Gewerbegebiet Schwabering in der Gemeinde Söchtenau. Sein Name vielen bekannt. Schließlich kann man seine Werke an vielen Orten im Landkreis entdecken – zum Beispiel am Klinikum in Rosenheim oder am Skulpturenweg in Wasserburg. Doch das sind nur wenige Beispiele für die Arbeit des Künstlers und Bildhauers.

Künstler hat zu wenig Platz auf seinem Grundstück

Auf seinem Grundstück im Söchtenauer Gewerbegebiet türmen sich seine Arbeiten geradezu. Und genau an diesem Punkt setzt die Idee von Tankstellen-Betreiber Rüdiger Wirth an. „Wir wollen seine Kunst ans Licht bringen, sie sichtbar machen“, sagt er. Im Gewerbegebiet könne sie ja niemand sehen. Also habe Wirth dem Künstler vorgeschlagen, diese bei ihm an der Tankstelle ausstellen. Dauerhaft und unentgeltlich.

Eine Idee, die den Künstler sehr entgegenkam. „Ich habe zu wenig Platz“, sagt Rudl Endriß. Wer ihn zu Hause besucht, dem wird schnell klar: Dieser Mann ist rastlos und unermüdlich in seinem Schaffen. Wo man hinsieht, stapeln sich große Baumstämme, schwere Granitblöcke und Metallstehlen in allen erdenklichen Formen. Einige Werke sind schon älter, andere Objekte – wie eine alte Mooreiche – warten noch darauf, von ihm verarbeitet zu werden.

Jeder Millimeter auf Endriß‘ Grundstück ist Kunst

Auch der Schuppen, in dem sich sein Atelier befindet, ist auf drei Etagen vollgepackt mit Exponaten aller Art: aus Holz, Stein, Stoff, Papier oder Keramik. In jedem Winkel, jedem Millimeter entdeckt man Objekte, die unverkennbar die Handschrift des Künstlers tragen.

Exponate der vergangenen 20 Jahre

Von Kunst an der Tankstelle hat auch für Endriß auch noch nie zuvor gehört, sagt er und lacht. Eine thematisch zusammenhängende Ausstellung sei die Sammlung an Exponaten an der Tankstelle aber nicht. „Es sind einzelne Werke aus den vergangenen 20 Jahren“, sagt Endriß.Auch Bürgermeister Bernhard Summerer ist begeistert von der Idee. „Ich finde es toll, dass Gewerbetreibende in unserer Gemeinde Hand in Hand zusammenarbeiten“, sagt er. Die Arbeit, die Endriß trotz seiner Behinderung leiste, sei bemerkenswert, so der Söchtenauer Bürgermeister.

Angeliefert hatte der 76-jährige Künstler die schweren Objekte selbst. Mit dem Gablerstapler ist er dafür durch die Gemeinde gefahren. Erst am vergangenen Donnerstag hatte er weitere Exponate an Rüdiger Wirth und seine B&S-Tankstelle geliefert.

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