Die Kohlstatt in Bildern

Aquarell von Professor Pappenheim aus Berlin vom Schaupenwirt, den es auch heute noch gibt.

Kiefersfelden – Nicht nur einen Spaziergang wert ist der Besuch des Blaahaus-Heimatmuseums in Kiefersfelden, in dem seit dem zweiten Weihnachtsfeiertag der Kieferer Ortschronist Martin Hainzl im Rahmen einer Ausstellung die abwechslungsreiche Geschichte der Entstehung des Ortsteils Kohlstatt in Schrift und Bild, dokumentiert und jetzt erstmals einem breiten Publikum präsentiert.

„Die Kohlstatt, das waren ursprünglich Arbeiterwohnungen für die Beschäftigten des Eisenwerks, die um das Jahr 1611 gebaut wurden“, so der Initiator. Die Bevölkerung bestand zumeist aus Köhlern und Holzknechten sowie deren Familien. Obwohl zu diesem Zeitpunkt das Eisenwerk noch nicht bestand, war die Arbeit schon immens. So mussten bereits im Jahre 1612 rund 24 000 Holzstämme, die über den Werkskanal angelandet worden waren, zu Gruben- und Bauholz sowie zu Holzkohle für die Befeuerung der Schmelzöfen verarbeitet werden.

Das viele Holz wurde danach mit den Innschiffen auf dem Wasserweg zu den jeweiligen Abnehmern gebracht.

Das große Eisenwerk war der größte Kunde und bis ins Jahr 1871/72 ging das so. Danach war Schicht im Schacht, denn nach dem Deutsch-Französischen Krieg von 1870 bis 1871, als größere Gebiete von Elsass und Lothringen dem Deutschen Reich zufielen, wurde der Kohleabbau aus Kostengründen in diese Regionen verlegt, sodass die Herstellung in der Kohlstatt wegfiel und das Eisenwerk geschlossen werden musste.

Als dann beim großen Hochwasser von 1899 weite Teile der Kohlstatt den Wassermassen zum Opfer fielen, blieben die zerstörten Gebäude und Ländereien über eine lange Zeit brach liegen. Von der damaligen Zerstörung verschont blieben wie durch ein Wunder die kleine Kohlstatt-Kapelle, die später aber baulich total verfiel und abgerissen wurde sowie die über den Werkskanal führende Brücke. Erst als dann nach langwierigen Verhandlungen in den Jahren von 1920 bis 1926 die Land- und Baurechte vom österreichischen Staat erworben werden konnten, begann der Wiederaufbau der Kohlstatt. Schon 1930 wurde der Sportplatz angelegt und die Wohnbebauung am nahen Kieferbach nahm stetig zu.

Diese sehr abwechslungsreiche Geschichte des Kieferer Ortsteils Kohlstatt hat Martin Hainzl mit 160 Schwarz-Weiß-Fotos und den jeweiligen, von ihm selbst verfassten und erklärenden Unterschriften eindrucksvoll aufbereitet.

Auf zwei Ebenen des Museums sind diese auf sechs großen Tafeln zu sehen. Die zusätzlichen Farbtupfer sind einige Aquarelle des Berliner Professors Max Pappenheim, der während seiner Sommerfrische in Kiefersfelden diese gemalt hatte.

Hinzu kommt noch im Obergeschoss des Museums ein großes Modell der Kohlstatt hinter Glas, das den Besucher genau die geografischen Besonderheiten dieses Ortsteils aufzeigt sowie die damalige Bebauung und auch die Nutzung der Wasserstraßen wie Kieferbach und Werkskanal anschaulich wiedergibt.

Ortschronist Hainzl, dessen Elternhaus selbst in der Kohlstatt steht, hat über 30 Jahre hinweg diese Bildersammlung systematisch aufgebaut und permanent vervollständigt. Literarische Quellen dazu waren auch die „Kieferer Chronik“ und historische Zeitungen aus Deutschland und Tirol, die er mit den jeweiligen Fotos aus den verschiedenen Epochen eindrucksvoll und sehr informativ verband.

Über drei Monate nahmen diese Vorbereitungen in Anspruch, als Ergebnis bleibt festzuhalten, dass diese Dokumentation der Entstehung des Ortsteils Kohlstatt dem Ortschronisten außergewöhnlich gut gelungen ist. Die teils sehr gut erhaltenen Fotos und die erklärenden Unterschriften dazu bilden eine Einheit, die selbst einem Ortsunkundigen eingängig und plausibel ist. Und das scheint sich schnell rumgesprochen zu haben, denn schon am Eröffnungstag wollten sich viele Besucher von dieser einzigartigen Dokumentation überzeugen.

Die Ausstellung „In der Kohlstatt“ im Heimatmuseum Blaahaus ist bis zum Sonntag, 6. Januar täglich – außer heute, Silvester – von 14 bis 17 Uhr zu besichtigen.

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