Kirchdorf/Raubling: Hochwasser-Ursache noch unklar – Gemeinde strebt Gefährdungsanalyse an

Hans Margreiter, direkter Anwohner, bezeichnet die Rohrverengung des Litzldorfer Baches an diesem Durchlass als Katastrophe.
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Hans Margreiter, direkter Anwohner, bezeichnet die Rohrverengung des Litzldorfer Baches an diesem Durchlass als Katastrophe.
  • vonBarbara Forster
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Was hat das Hochwasser in Kirchdorf verursacht? Die Gemeinde Raubling führt derzeit Gespräche mit dem Wasserwirtschaftsamt. Die Vermutung liegt nahe, dass der Durchlauf in der Neubeurer Straße zu eng ist. Klarheit könnte eine Hochwasser-Gefährdungsanalyse verschaffen.

Kirchdorf/Raubling – Was war die Ursache für das Hochwasser in Kirchdorf? Das ist die Frage, die der Bevölkerung derzeit Kopfzerbrechen bereitet. Einige glauben, dass die Renaturierung der Nicklheimer Filzen für die Überschwemmungen verantwortlich sei. Nicht so Bürgermeister Olaf Kalsperger: „Das glaube ich auf keinen Fall. Das ist eher ein Vorteil. Der nasse Boden ist wie ein Schwamm und saugt das Wasser auf.“ Er vermutet die Teilursache woanders – und zwar in dem engen Durchlauf in der Neubeurer Straße.

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Derzeit befinde man sich im Gespräch mit dem Wasserwirtschaftsamt Rosenheim. „Es gibt die Möglichkeit, flächendeckend für das Gemeindegebiet eine Hochwassergefährdungsanalyse anfertigen zu lassen.“ Ziel sei es, nachzuweisen, ob der Durchlauf ausgeweitet werden muss. Ist dies der Fall, müssten Vorkehrungen getroffen werden: „Ob dann eine Brücke gebaut wird oder ob es einen größeren Durchlass gibt – das müssen die Fachleute entscheiden“, so Kalsperger. Allerdings dürfe man sich nicht nur auf den Durchlauf beschränken. Es könnte auch andere Schwachstellen geben. „Wir müssen in Erfahrung bringen, was wir besser machen können.“

Vollgelaufene Keller beim nächsten Hochwasser nicht auszuschließen

Es sei nicht auszuschließen, dass beim nächsten Hochwasser wieder einige Häuser mit einem vollgelaufenen Keller rechnen müssen.

Ob eine Hochwassergefährdungsanalyse für die Gemeinde Raubling infrage kommt, wird Thema in der nächsten Gemeinderatssitzung sein. „Ich hoffe, dass der Gemeinderat dem zustimmt, und dass eine Analyse beauftragt werden kann“, sagt Kalsperger. Vorausgesetzt man habe dafür ein Planungsbüro gefunden, könnte man Endes des Jahres damit starten.

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Bei einer Hochwassergefährdungsanalyse könnte unter anderem geprüft werden, ob, wo und in welchem Umfang der Verschluss eines Fließgewässers infolge von angeschwemmtem Treibgut auftreten kann, erklärt ein Sprecher des Wasserwirtschaftsamtes Rosenheim auf Nachfrage. Neben der Verklausungsproblematik könnten auch die hydraulische Leistungsfähigkeit von Gerinnen, Deichbruchszenarien, Überlastfälle und die Überprüfung von Standsicherheiten betrachtet werden. Dabei mache es durchaus Sinn, die Leistungsfähigkeit des Durchlasses unter der Neubeurer Straße zu betrachten, so der Sprecher weiter. „Auch der Alarmplan kann dabei erneut überprüft werden.“ Die Gefährdungsbetrachtung werde vom Freistaat mit bis zu 75 Prozent gefördert. Dauer und Kosten seien abhängig vom Umfang der Betrachtung.

Wasserwirtschaftsamt Rosenheim spricht von hundertjährlichem Hochwasser

Ursache für das Hochwasser waren laut Wasserwirtschaftsamt die intensiven Niederschläge im bayerischen Alpenvorland zwischen Salzburg und Bad Tölz. An der nächstgelegenen Niederschlagsmessstation Brannenburg-Degerndorf wurde innerhalb von 24 Stunden ein Niederschlag von 132,9 Millimeter gemessen. Innerhalb von 48 Stunden 161 Millimeter. „Somit wurde hier ein hundertjährlicher Niederschlag gemessen“, erläutert der Sprecher. Unter Jahrhundert-Hochwasser oder hundertjährliches Hochwasser versteht man die Pegelhöhe oder Abflussmenge eines Gewässers, die im statistischen Mittel alle 100 Jahre einmal erreicht oder überschritten wird.

Litzldorfer Bach ist ein Gewässer dritter Ordnung

Beim Litzldorfer Bach handelt es sich um ein Gewässer dritter Ordnung, für dessen Unterhaltung grundsätzlich die Gemeinde zuständig sei, teilte Ina Krug, Pressesprecherin des Landratsamtes Rosenheim, auf Nachfrage mit. Sollte aber nach Feststellungen der Gemeinde „nachgewiesener Handlungsbedarf“ beim Durchlass in der Neubeurer Straße bestehen, werde sich der Landkreis als betroffener Straßenbaulastträger beteiligen. „Konkrete Maßnahmen sollten jedoch in eine entsprechende gemeindliche Planung eingebettet sein, um eine entsprechende Wirksamkeit sicherzustellen“, sagt Krug.

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