Schullandheim Schauerhaus in Oberaudorf nach der Corona-Pause wieder geöffnet, aber etwas fehlt

Sie halten in dieser schweren Zeit zusammen: (von links) Die Eltern Johann und Beate Schweinsteiger, Ehefrau Josefine Schweinsteiger und Stefan Schweinsteiger, der seit 1. Januar die Leitung des Schullandheims übernommen hat.
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Sie halten in dieser schweren Zeit zusammen: (von links) Die Eltern Johann und Beate Schweinsteiger, Ehefrau Josefine Schweinsteiger und Stefan Schweinsteiger, der seit 1. Januar die Leitung des Schullandheims übernommen hat.
  • vonBarbara Forster
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Stefan Schweinsteiger, neuer Leiter des Schullandheims Schauerhaus, ist wieder bereit: Das Hygienekonzept steht und die Pforten des Schullandheims sind geöffnet. Aber von Kindern fehlt bislang noch jede Spur.

Oberaudorf – „Bei uns auf dem Berg können Kinder wieder Kind sein“, sagt Stefan Schweinsteiger, der in dritter Generation das Schullandheim Schauerhaus leitet. Sich am Niederseilgarten entlanghangeln, am Bolzplatz spielen oder Lieder am Lagerfeuer singen – das Schauerhaus hat so einige Outdoor-Aktivitäten zu bieten. Aber die Kinder, die fehlen seit geraumer Zeit.

Ab Mitte März wurde das Schullandheim coronabedingt geschlossen. Keine einfache Zeit für Schweinsteiger und dessen Frau Josefine. Vor allem, weil der 28-Jährige erst seit 1. Januar die Leitung übernommen hat. Davor haben seine Eltern rund 30 Jahre lang das Schauerhaus geleitet.

49 Stornierungen bis zu den Sommerferien

Bis 13. März waren noch etwa 13 Gruppen im Schauerhaus untergebracht, schildert Schweinsteiger. „Und dann ist es mit den Stornierungen losgegangen.“ Insgesamt 49 zählte er bis zu den Sommerferien. Eine Besserung ist bislang noch nicht in Sicht. Wie sich das anfühlt? „Es ist ein komisches Gefühl. Weil man ja voll motiviert hineinstartet“, sagt Schweinsteiger. 

Nachdem das Schullandheim vorübergehend schließen musste, wurden Sanierungsarbeiten und Brandschutzmaßnahmen durchgeführt. Eine große Stütze während dieser Zeit war der Schullandheimverein Rosenheim: „Ich habe das Glück, dass der Verein extrem hinter meiner Familie steht.“ So hat dieser auf die Pacht verzichtet und auch eine Gasrechnung bezahlt.

Idyllisch am Berg gelegen, bietet das Schullandheim Schauerhaus für Kinder viele Outdoor-Aktivitäten.

 

Sonst hätte die Corona-Hilfe, die Schweinsteiger beantragt hat, nicht ausgereicht, um über die Runden zu kommen. Dass die Corona-Krise genau dann kommen musste, als „der junge Kerl“, die Leitung des Schullandheims übernommen hat, sei „besonders tragisch“, findet Siegfried Holst, zweiter Vorsitzender des Schullandheimvereins Rosenheim. Umso erfreulicher sei es, zu hören, dass das Schauerhaus seit Mitte Juli wieder eröffnet wurde.

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Inzwischen wurde ein Hygienekonzept nach Vorgaben der Staatsregierung erstellt: Anstatt 60 dürfen derzeit nur 32 Personen beherbergt werden, erklärt Schweinsteiger. Außerdem seien pro Zimmer nur zwei Personen – und nicht wie üblich vier oder sechs – eingeteilt. Auch für die Waschräume gibt es eine Lösung: „Zeitlich sind die Waschräume jeweils für ein Zimmer reserviert.“ Im Essraum werden die Gäste zimmerweise platziert und anstatt einer großen Schüssel, die sonst immer auf jeden Tisch kommt, müssen die Besucher einzeln mit ihrem Teller zur Essensausgabe gehen. Ein Wermutstropfen: „Die Disco ist geschlossen“, so Schweinsteiger. Aber ansonsten stünde das Schauerhaus wieder bereit.

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Von Gästen fehlt aber bislang noch jede Spur: „Die Leute trauen sich nicht.“ Dazu kommt, dass bis zum Jahresende keine Schulfahrten stattfinden können: „Nach einem kultusministeriellen Schreiben vom 9. Juli 2020 sind an allen öffentlichen Schulen mehrtägige Klassenfahrten bis Ende Januar 2021 ausgesetzt“, erklärt Dr. Julia Kuntz, Sprecherin des bayerischen Kultusministeriums, auf Nachfrage. Eintägige beziehungsweise stundenweise Veranstaltungen wie zum Beispiel Schulsport-Wettbewerbe oder Ausflüge seien – „soweit pädagogisch in dieser herausfordernden Zeit erforderlich und schulorganisatorisch vertretbar“ – zulässig,

Für 2021 schon fast ausgebucht

Ab September hätte Schweinsteiger bis zum Jahresende etwa 21 Gruppen erwartet. „Der Großteil hat aber schon abgesagt“, bedauert er. Ein paar Anfragen von Jugend- oder Kirchenfreizeiten seien zwar eingetrudelt. Mit kurzfristigen Stornierungen sei allerdings zu rechnen. „Aber wir würden uns schon noch über ein paar Gruppen freuen“, so der neue Leiter. „Die Hoffnung stirbt zuletzt.“

Wichtiger sei ihm allerdings, dass es im nächsten Jahr wieder normal weitergehe. Anfragen gebe es genügend. Für 2021 sei man schon so gut wie ausgebucht. Und Schweinsteiger und seine Frau Josefine können es kaum erwarten, dass wieder Leben ins Schauerhaus einzieht. Die Stille am Berg sei ungewohnt: „Das Kindergeschrei fehlt einfach.“

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