Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


Aus der Kiefer zu den Polarfüchsen

„Wir wollten Abenteuer“: Wie die Klaassens im Kajak die Wildnis von Grönland erkunden

Das Ehepaar Klaassen aus Kiefersfelden an der grönländischen Küste
+
Blaues Grönland - Ingrid und Björn Klaassen und ihre Kajaks
  • VonFranz Hoffmann
    schließen

Ingrid und Björn Klaassen aus Kiefersfelden haben ihren Traum wahr gemacht: Sie kauften sich zwei gebrauchte Kajaks, brachten sie auf Vordermann und erkunden mit ihnen seitdem die Wildnis von Grönland. Wie sie sich auf ihre Abenteuer vorbereiten und was sie unterwegs erleben.

Kiefersfelden – „Wenn jemand eine Reise tut, so kann er was erzählen, drum nehm ich meinen Stock und Hut und tät das Reisen wählen“. Das wusste schon Matthias Claudius, Deutscher Dichter und Journalist. Genauso wie heute das Ehepaar Ingrid (56) und Björn Klaassen (58), die es seit Jahren nahezu jeden Sommer ins eisige Grönland zieht. Doch dem Drang nachgeben konnten sie erst, als ihre beiden Kinder selbständig waren.

Und natürlich mussten sie ihre Reisen auch beruflich unter einen Hut bringen, denn Ingrid ist als Ergotherapeutin tätig, Björn arbeitet als Forstingenieur. Im Jahre 2014 war es dann endlich soweit: Nach wochenlangen Recherchen im Internet ging es über Kopenhagen (Dänemark) nach Westgrönland. „Wir wussten, dass es kein Relax-Urlaub in einer Nobelherberge wird, wir wollten Abenteuer und keinen organisierten Hotelurlaub“.

Ehepaar Klaassen zu zweit in der Wildnis

Zunächst einmal trekkten die beiden mit schmalem Gepäck, Rucksack und Zelt in der Tundralandschaft entlang des Inlandeises. Nachts froren die Seen zu und Polarfüchse schlichen um das Zelt, also Freiheit pur. Doch nur zu Fuß unterwegs, waren Ingrid und Björn räumlich begrenzt.

Kajaks erweiterten den Bewegungsradius

Erst durch den Kauf zweier gebrauchter Kajaks, die sie dann selbst noch repariert haben, konnten sie im nächsten Jahr so richtig durchstarten. Der Plan: Entlang der Küste vom südlichsten Zipfel in den Fjorden am Kap Farvel immer weiter in Richtung Norden. Auf ihrer Reiseagenda stehen seither Kajak fahren, wandern und unbekannte Berge besteigen. „Natürlich ist das nicht so einfach, denn wir müssen schon einiges berücksichtigen. Bis auf wenige Tage sind wir ausschließlich in der Wildnis unterwegs.“

Das Ganze hat mehr Expeditionscharakter, mit Zelt, Kajak, Gleitschirm, GPS-Navigationsgerät und Trockennahrung. Bereits zu Hause wird die vorbereitet. Mit einem Dörrapparat werden Linsen, Chili con Carne und Kartoffeln getrocknet und nach Grönland vorausgeschickt.

Gekocht wird in der Wildnis auf einem Benzinkocher, dazu noch die Gaben der Natur wie Beeren, Pilze oder essbare Glockenblumen als Zutaten. „Es hat uns immer geschmeckt und wir mussten selten hungern.“ Auch die Früchte des Meeres stehen auf ihrem Speiseplan. „Wir haben immer eine Angel dabei und manchmal gehen uns Dorsche und Saiblinge an den Haken. Das ist dann eine willkommene kulinarische Abwechslung.“

Auf den Reisen in Richtung Norden begegnen sie auch immer wieder Tieren wie Bartrobben, Buckelwalen, Polarfüchsen, Rentieren, Schneehasen und sogar mächtigen Moschusochsen. „Bei diesen Begegnungen hatten wir aber nie Angst. Wir haben uns einfach nur zurückhaltend und auch ein wenig vorsichtig verhalten.“

Spaß mit den frechen Polarfüchsen

Sehr spannend und witzig finden die beiden das Aufeinandertreffen mit den frechen Polarfüchsen. „Die Füchse sind immer auf der Suche nach etwas Fressbarem. Uns selbst haben sie aber stets in Ruhe gelassen.“ 

Jeden Tag stehen neue Abenteuer auf dem Programm, wissentlich oder unwissentlich. „Wir beobachten stets das Wetter sehr genau und versuchen, unsere Routen vor allem bei Etappen über das offene Meer sorgfältig zu planen. Manchmal schlägt das Wetter innerhalb von wenigen Minuten um. „Gezeitenströmungen, starker Wind, Wellen und Nebel können einem dann das Leben schon recht schwer machen.“

Die vielleicht schönste und abenteuerlichste Fahrt bisher führte die Beiden von der Siedlung Nanortalik an der Südküste Grönlands in die Fjorde am Kap Farvel. „Wir waren vier Wochen unterwegs, meist auf dem Wasser. Immer begleitet von Buckelwalen, die unter den Kajaks hindurch tauchen, Bartrobben sowie Seeadlern und anderen Seevögeln. Leider aber auch, wenn wir anlandeten, von blutgierigen Plagegeistern, den Stechmücken.“

Björn Klaassen aus Kiefersfelden nimmt Kurs auf das ewige Eis

Doch das alles wogen die Schönheit der Fjordlandschaften, die Stille und auch die Einsamkeit bei weitem auf. „Vor allem wenn neben uns blaue Eisberge mit Getöse in viele Einzelteile zerbrechen, ist das buchstäblich atemberaubend. Wir freuen uns auf jeden neuen Tag, den wir zwischen den Eisbergen verbringen dürfen,“ berichtet Ingrid begeistert. „Eben diese Momente sind es, die uns antreiben und zu Wiederholungstätern werden lassen. Die Einheimischen sagen auch: Einmal von der Arktis gebissen, kommt man nicht mehr los.“

Sprachenmix und Gesten

Viel hilft den beiden der Kontakt zu den Einheimischen. Die Verständigung erfolgt mit einem Mix aus Dänisch, Norwegisch und Englisch, sowie Gesten. Doch nicht immer gab es strahlende Tage. „Einmal, als wir spät mit unseren Kajaks losgefahren sind, gerieten wir in schwere See. Erst nach endlosen und kräftezehrenden Stunden erreichten wir nach Einbruch der Dunkelheit endlich wieder festen Boden unter den Füßen. Da heißt es durchhalten“. Denn die Temperatur des Wassers liegt dort auch im Sommer nur wenig über dem Gefrierpunkt und ein Kentern in der rauen See kann böse ausgehen.

Natürlich halten die zwei Weltenbummler mit einem Satellitentelefon Kontakt zur Außenwelt, doch weit abgeschieden von der nächsten Ansiedlung, braucht man nicht auf schnelle Hilfe zu spekulieren. Diesen eher weniger erfreulichen Erfahrungen folgen aber stets wunderschöne Momente in atemberaubender und rauer Natur.

Blaues Grönland - Eisberg von Oben

Die Landschaft, das strahlend blaue Meer, die sternenklaren Nächte mit flackernden Polarlichtern und auch die stets freundlichen Grönländer vermissen die beiden schon wieder. Also ist die neue Reise ins blaue Grönland schon längst geplant. „Wir wollen weiter in Richtung Nordgrönland und gönnen uns im nächsten Jahr eine längere Auszeit im Polarsommer.“

Mehr zum Thema

Kommentare