Kiefersfelden pumpt fürs Gleichgewicht: Damit der Hechtsee nicht „umkippt“

Das Ablaufwasser des Hechtsees, gemischt mit dem abgepumpten Tiefenwasser, mündet auf Kiefersfeldener Seite in einen Wasserfall. Geruchsbelästigungen gibt es seit Jahren nur noch direkt am Zulaufbereich.
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Das Ablaufwasser des Hechtsees, gemischt mit dem abgepumpten Tiefenwasser, mündet auf Kiefersfeldener Seite in einen Wasserfall. Geruchsbelästigungen gibt es seit Jahren nur noch direkt am Zulaufbereich.
  • vonBarbara Forster
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Der Hechtsee gehört zu den beliebten Badeplätzen der Kiefersfeldener Bevölkerung. Nur der Ablauf einschließlich Wasserfall liegt auf bayerischem Grund. Aber die Tiefe des Sees und der geringe Wasserzulauf sorgen für sauerstoffarmes Tiefenwasser. Ohne Gegenmaßnahmen droht seit Jahren das Wasser des Sees zu kippen.

Kiefersfelden – Dem entgegnet die Stadt Kufstein mit einem permanenten Abpumpen von Tiefenwasser und der Ableitung per Rohr über den Ablauf auf bayerischer Seite. Dabei entsteht im direkten Einleitungsbereich eine Geruchsbelästigung durch die im Wasser vorhandenen Schwefelgasverbindungen. Diese sind weder gefährlich, noch beeinflussen sie die Eignung des Sees und des Kieferbachs als Bade- und Fischgewässer.

Für die Einleitung des Tiefenwassers benötigen die Tiroler eine Genehmigung des Landratsamtes Rosenheim, welche seit Jahrzehnten im Turnus von fünf Jahren erteilt wird. Zuvor sei aber eine Stellungnahme der Gemeinde Kiefersfelden nötig. Auf Nachfrage bestätigte Geschäftsleiter Michael Priermeier, dass das Gremium in der jüngsten Gemeinderatssitzung einstimmig sein Einvernehmen zu der Einleitung erteilt habe. Die Stellungnahme der Gemeinde wurde erneut und unverändert abgegeben: Die Einleitung des Tiefenwassers sei auf 32 Liter pro Sekunde zu beschränken. Bei Niedrigwasser im Kieferbach, beziehungsweise auf Verlangen der Gemeinde Kiefersfelden habe die Einleitung von Hechtseewasser zu unterbleiben oder sei zu drosseln.

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Die Gemeindeverwaltung bestätigte gegenüber den Gemeinderäten, dass dies in Direktabsprache bestens geklappt habe: „Ein kurzer Anruf in Kufstein genügt.“

Wie Priermeier unserer Zeitung berichtete, sei die Geruchsbelästigung selten und eher gering. „Das ist tages- und witterungsabhängig.“ Noch dazu sei der Zulaufbereich weit genug von Wohngebieten entfernt.

Dass die grenzübergreifende Zusammenarbeit seit Jahren gut funktioniere, bestätigte auch Helmut Kopp, Amtsleiter der Stadt Kufstein. Die Wasserqualität des Hechtsees werde laufend überprüft. Kopp ist zuversichtlich, dass das Landratsamt Rosenheim wieder eine Genehmigung für weitere fünf Jahre erteilt.

Entscheidung liegt nun beim Sachgebiet Wasserrecht

Die Stadt Kufstein habe zuletzt mit Bescheid vom 11. Dezember 2015 eine beschränkte Erlaubnis zum Einleiten von Tiefenwasser aus dem Hechtsee über den Hechtseeauslaufbach in den Kieferbach erhalten, erklärte Ina Krug, Pressesprecherin des Landratsamts Rosenheim. Diese Erlaubnis sei bis 31. Dezember 2020 befristet.

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„Das Verfahren zur Neuerteilung läuft“, sagt Krug. Die Fachbehörden (Wasserwirtschaftsamt und untere Naturschutzbehörde) sowie die Gemeinde Kiefersfelden hätten bereits unter Auflagen zugestimmt. „Die Entscheidung liegt nun beim Sachgebiet Wasserrecht. Hier wird entschieden, ob eine weitere Erlaubnis für weitere fünf Jahre erteilt werden kann.“

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