AUF BIBERJAGD

Kiefersfelden: Landratsamt Rosenheim erteilt Bescheid für „Biberentnahme“ am Hödenauer See

Seit Monaten nagt ein Biber am Hödenauer See in der Nähe der Wasserski-Anlage Bäume an. Weil der Sportstätte dadurch wirtschaftlicher Schaden drohe, darf das Tier laut Landratsamt Rosenheim erlegt werden.
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Seit Monaten nagt ein Biber am Hödenauer See in der Nähe der Wasserski-Anlage Bäume an. Weil der Sportstätte dadurch wirtschaftlicher Schaden drohe, darf das Tier laut Landratsamt Rosenheim erlegt werden.
  • Barbara Forster
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  • Sylvia Hampel
    Sylvia Hampel
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Weil sich seit Monaten ein Biber in der Nähe der Wasserski-Anlage herumtreibt und zahlreiche Bäume annagt, hat das Landratsamt Rosenheim den Bescheid erteilt, dass der Biber erlegt werden darf. Denn im Zweifel drohe der Sportanlage wirtschaftliche Schäden. Seither sind dem Nager zwei Jäger auf den Fersen.

Kiefersfelden – Seit Oktober nagt sich ein Biber in der Nähe des Hödenauer Sees quer durch den Baumbestand am Ufer und bedroht dadurch die nahegelegene Wasserski-Anlage. Deshalb darf der eigentlich geschützte Nager laut Landratsamt erlegt werden. „Es gibt seit zwei Wochen einen offiziellen Bescheid, dass der Biber geschossen werden darf, trotz strengem Schutz“, sagt Michael Fischer, Sprecher des Landratsamtes Rosenheim. Eben weil der Wasserskianlage ein massiver wirtschaftlicher Schaden drohe, falls der Biber dort nagt. Doch die Frage aller Fragen lautet mittlerweile: Lebt der Biber noch oder ist er längst tot?

Jagd gestaltet sich schwierig

„Wir haben den Biber noch nicht erwischt“, heißt es von den befugten Jägern. Doch zwei Spaziergänger wollen gesehen beziehungsweise gehört haben, wie der Biber sein Leben lassen musste.

Seit Wochen legen sich zwei Jäger aus dem Jagdrevier Kiefersfelden abwechselnd auf die Lauer, um das Tier zu erlegen. Dazu sei eine spezielle Zusatzausbildung nötig. Einer der beiden Jäger ist Bernhard Rester. Und der sagt: Den Biber zu finden sei alles andere als einfach. Nachts höre man ihn zwar nagen, aber tagsüber verstecke er sich in seinem Bau. Und immer wenn Rester des nächtens ausrücke, gehe das Tier in Deckung. Da es allein auf den rund sechs Kilometern zwischen Oberaudorf und Kiefersfelden zwanzig Biberbauten gebe, halte es Rester für sehr wahrscheinlich, dass sich nicht nur ein Biber, sondern zwei in der Nähe der Wasserski-Anlage angesiedelt haben. „Das ist nicht so einfach, die wegzubringen“, sagt er. Mit Fallen zu arbeiten, sei schwierig. Diese werden nachts aufgestellt und erst am nächsten Tag untersucht. Doch bis dahin haben Spaziergänger nach Resters Erfahrung die Biber längst befreit.

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Ulrike Gleißner aus Oberaudorf geht regelmäßig mit ihrem Hund am Hödenauer See spazieren. Auch ihr sei bereits aufgefallen, dass sich dort abends Jäger mit Gewehren herumtreiben und nach dem Nager Ausschau halten. Und sie behauptete felsenfest: „Ich habe mit eigenen Augen gesehen, wie der Biber letzten Samstag erlegt worden ist.“ Gegen 21 Uhr habe sie einen Schuss gehört. Erschreckt habe sie sich. Und dann habe sie einen Jäger gesehen, der den toten Biber mit beiden Händen an seinen Hinterbeinen gepackt habe. Ähnliches berichtet auch Anwohner Rolf Hof. Gesehen habe er den toten Biber zwar nicht, aber einen Schuss habe er gehört. „Wie eine Bombe war das.“

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Eine Nachfrage bei den Jägern im Jagdrevier Kiefersfelden ergibt wenig Aufschluss. Rester sagt, er habe den Biber nicht erlegt. Auch sein Kollege, dessen Name nicht genannt werden soll, betont, den Biber bislang noch nicht erwischt zu haben. Aber beide versichern: Sie seien ihm weiterhin auf den Fersen. Denn der Schaden, den der Nager anrichten könnte, sei immens.

Allein schon auf der Insel, in der Nähe der Wasserski-Anlage, hat er laut Thomas Bauer, Geschäftsführer der Sportstätte, 15 Bäume umgenagt. „Der ist brutal. Wenn das so weitergeht, ist die Insel bald kahl geschlagen.“

Die Vehemenz des Nagers sei für Bauer bedrohlich. Zum einen könnten umfallende Bäume „extremen Sachschaden“ an der Wasserski-Seilbahn verursachen. Und zum anderen könnten auch Wasserskifahrer dadurch gefährdet werden. „Das ist eigentlich das größte Risiko“, so der Geschäftsleiter, „wenn denen ein Baum vor die Ski fällt, sind die tot.“

Dass ein Biber sich der Sportstätte nähert, sei nicht das erste Mal. In den vergangenen zehn Jahren habe man sich die Jagd auf einen Biber nun zum dritten Mal vom Landratsamt genehmigen lassen. „Es geht wirklich um Menschenleben“, so Bauer. Dafür könne und wolle er nicht die Verantwortung übernehmen.

Nahezu alle Reviere sind besetzt

Auf die Frage, weshalb man den Biber nicht einfach umsiedeln könne, gibt Sprecher Michael Fischer folgende Antwort: „Der Biber ist in unserer Region wieder heimisch geworden. Aktuell gibt es keine Möglichkeiten mehr, einen Biber in einem alternativen Gewässer unterzubringen, weil bereits nahezu alle Reviere besetzt sind.“ Rester berichtet, dass es in der Nähe des Hödenauer Sees an die 65 Biber gebe. Und von diesen seien etwa 30 noch Jungtiere, die jedes Jahr auf Reviersuche gingen. Diejenigen von ihnen, die sich in der Nähe der Wasserski-Anlage niederlassen, müssten erlegt werden. Einige Biber würden laut Rester selbst die Flucht ergreifen, weil sie sich von den Sportlern und den Lärm gestört fühlen „Aber wenn sie es halt nicht tun. Tja dann....“

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