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Zwischen Kiefersfelden und Kufstein

Heilpraktikerin Antje Fingerhut kocht vor Wut, weil Grenzbeamte über ihre Patienten entscheiden

Antje Fingerhut, Heilpraktikerin aus Kiefersfelden, findet die Vorgehensweise der Grenzbeamten fragwürdig. Viele ihrer österreichischen Patienten werden nicht über die Grenze gelassen.
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Antje Fingerhut, Heilpraktikerin aus Kiefersfelden, findet die Vorgehensweise der Grenzbeamten fragwürdig. Viele ihrer österreichischen Patienten werden nicht über die Grenze gelassen.
  • Barbara Forster
    VonBarbara Forster
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Seit die Grenzen zwischen Tirol und Bayern geschlossen sind, ist Heilpraktikerin Antje Fingerhut verzweifelt. Viele ihrer österreichischen Patienten schaffen es nicht mehr zu ihrer Praxis nach Kiefersfelden. Denn die Grenzbeamten lassen sie nicht passieren.

Kiefersfelden – Antje Fingerhut kocht vor Wut. Die 55-Jährige betreibt in Kiefersfelden eine Naturheilpraxis mit Akupunktur, Hypnose-Therapie und Akupressur im Angebot. Viele ihrer Stammkunden seien Österreicher. Aber die meisten von ihnen habe sie seit Wochen nicht gesehen. Seit der Grenzschließung herrsche ein heilloses Durcheinander: „Das ganze gleicht einem Glücksspiel.“ Manche Patienten werden von den Grenzpolizisten herübergelassen und manche nicht – trotz eines negativen Corona-Tests, Reiseregistrierungen und einem schriftlichen Praxistermin im Gepäck.

Verhalten der Grenzpolizisten sei „unmenschlich“

Unter ihren Patienten seien auch ältere Herrschaften. Und für die sei das ein „riesen Aufwand“, einen negativen Test zu machen, alle Unterlagen auszudrucken und auszufüllen. „Die machen das nicht aus Jux und Tollerei“, macht Antje Fingerhut deutlich. Deshalb verstehe sie nicht, dass einige unter den Grenzbeamten sich das Recht herausnähmen, darüber zu entscheiden, was medizinisch notwendig sei und was nicht. „Diese Beamten wissen doch nicht einmal, welche Behandlung ansteht. Die haben von Medizin keine Ahnung. Absurder geht es langsam nicht mehr.“

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Eine ihrer abgewiesenen Patientinnen hätte am Telefon sogar geweint, berichtet Antje Fingerhut. „Weil sie solche Schmerzen hat.“ Unmenschlich findet die 55-Jährige das Ganze.

Rainer Scharf, Pressesprecher der Bundespolizei Rosenheim, erklärt auf Nachfrage, dass derzeit eine Einreise nach Deutschland grundsätzlich untersagt sei. „Nur für bestimmte Gruppen ist eine Einreise möglich.“ Darunter fallen beispielsweise Personen, die Schutz aus humanitären Gründen benötigen. „Man muss mit einem ärztlichen Attest nachweisen können, dass eine medizinische Behandlung dringend erforderlich ist, weil anderenfalls mit erheblichen gesundheitlichen Schäden gerechnet werden muss.“ Darüber hinaus benötigen die einreisenden Patienten einen negativen Corona-Test und eine Einreiseanmeldung.

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„Es ist auch nicht so, dass wir eine geschlossene Grenze haben“, fügt Scharf hinzu. Die Beamten würden „in eigenem Ermessen“ entscheiden, ob sie eine Kontrolle durchführen oder nicht. Vor diesem Hintergrund sei es durchaus möglich, dass einige Patienten erfolgreich die Grenze passiert hätten– ungeachtet der Tatsache, ob sie denn dazu befugt gewesen seien oder nicht. Und eine „anhaltende Migräne“ sei in Scharfs Augen nicht unter die Sparte „erhebliche gesundheitliche Schäden“ zu fassen.

Gesundheit sollte für alle an erster Stelle stehen

Für Antje Fingerhut ist diese Begründung „ein Totschlagargument“. Dagegen könne sie nichts sagen, sie wisse ja selbst, dass eine Naturheilpraxis keine Arztpraxis sei. „Aber das ist einfach realitätsfremd“, findet sie. „Uns gehen also nur noch die Deutschen etwas an. Wir sind doch Nachbarn!“

Und wenn die Gesundheit an erster Stelle stehen soll, „dann „bitte für alle!“, fordert sie. Vor allem, weil bislang unklar sei, wie lange die Kontrollen noch andauern.

Rainer Scharf erklärte auf Nachfrage, dass die Grenzkontrollen vorerst bis 17. März durchgeführt werden. Ob die Maßnahmen verlängert würden, sei ihm derzeit noch nicht bekannt.

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