Kiefersfelden: Bürgerinitiative gegen geplantes Mammutprojekt am ehemaligen Penny-Gelände

Streitpunkt: Auf dem Areal des ehemaligen Penny-Geländes ist ein Großprojekt geplant. Jetzt hat sich eine Bürgerinitiative gegründet.
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Streitpunkt: Auf dem Areal des ehemaligen Penny-Geländes ist ein Großprojekt geplant. Jetzt hat sich eine Bürgerinitiative gegründet.

Die Zeichen stehen auf Sturm: Die Dorfbewohner in Kiefersfelden setzen sich gegen einen Großbau im Baugebiet Marmorwerk-Nord zur Wehr. Dort soll ein Drogeriemarkt einziehen. Vor knapp einer Woche hat sich jetzt eine Bürgerinitiative gegründet.

Von Barbara Forster

Kieferfelden – Dass ein Drogeriemarkt in den geplanten Großbau auf dem ehemaligen Penny-Gelände gegenüber des Bergwirtes einziehen soll, ärgert die Anwohner schon genug. Dass jetzt aber auch noch die Höhe des Gebäudes geändert werden soll sowie eine dritte Tiefgaragenebene in Planung ist, brachte das Fass wohl zum Überlaufen: Vor knapp einer Woche hat sich eine Bürgerinitiative gegen dieses Bauprojekt gegründet.

Rund 50 Leute kamen zum ersten Treffen

Thorsten Henss, einer der Initiatoren, sieht Handlungsbedarf: „Auf den ersten Blick schaut das alles nicht so schlimm aus, weil das Gebäude in einer leichten Senke geplant ist“, sagt er. Im Zuge des Verfahrens zur dritten Änderung des Bebauungsplans sei allerdings klar geworden, dass der rechnerische Nullpunkt auf das Niveau der Kufsteiner Straße angehoben werden soll. „Wenn man von dort aus rechnet, ist das ein gewaltiger Klotz.“ Vor wenigen Tagen kam es zu einem ersten Treffen der neuen Bürgerinitiative. Das Interesse: groß. Laut Henss waren rund 50 Leute vor Ort.

Die Initiative kritisiert den massiven Eingriff ins Ortsbild und befürchtet eine drastische Zunahme des Verkehrs. Sorgen bereitet Henss ein erstelltes Verkehrsgutachten. Daraus gehe hervor, dass mit etwa 1300 Fahrten pro Tag zu und von der geplanten Tiefgarage zu rechnen sei. „Das ist schon extrem für eine Ortschaft.“ Kiefersfelden leide ohnehin seit Jahren unter Ausweichverkehr von der Autobahn. „Für uns ist es schwer nachvollziehbar, warum man sich durch so ein Großprojekt wieder mehr Verkehr in den Ortskern zieht.“ Weiter fürchtet man, dass ein Drogeriemarkt viele Autofahrer aus dem benachbarten Kufstein anlockt. Ein weiterer Kritikpunkt: Das Gebäude würde den Blick auf das Kaisergebirge versperren.

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Unmittelbare Anwohner des ehemaligen Penny-Geländes sind Christiane und Axel Weck, ebenfalls Initiatoren der Bürgerinitiative. Zwar wussten sie vor dem Kauf ihres Grundstückes, dass nebenan ein dreistöckiges Gebäude entstehen soll. Von einem vierstöckigen sei aber nie die Rede gewesen. Was sie zudem nicht verstehen: Warum die Dorfbewohner im Vorfeld nicht informiert wurden. Im März 2019 war die dritte Bebauungsplanänderung eingeleitet worden. „Da haben wir als Anwohner erst erfahren, welche Ausmaße dieser neue Bau hat“, sagt Christiane Weck. In der Bebauungsplan-Änderung geht es um drei wesentliche Punkte: die Errichtung einer dritten Tiefgaragenebene, der Ausbau des Dachgeschosses zu einem vierten Vollgeschoss sowie die Anhebung des Nullpunktes auf Niveau der Kufsteiner Straße. „Durch diese Festlegung ist der Nullpunkt jetzt gute drei Meter höher als die natürliche Geländeoberkante. Von der Uferpromenade aus wirkt der Großbau dann sogar fünfstöckig“, so Weck.

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Hajo Gruber, Bürgermeister von Kiefersfelden, versteht die Sorgen der Anwohner. Zwar räumt er einige Vorwürfe aus dem Weg – etwa das Thema mit der Anhebung des Nullpunktes: „Die Positionierung der Höhe des Gebäudes bleibt gleich. Der Planer ist immer schon vom Niveau der Kufsteiner Straße ausgegangen“, stellt er klar. Auch, dass die Anwohner nicht informiert worden wären, sei so nicht richtig. Allen sei bewusst gewesen, dass eines Tages ein Gebäude an diesen Standort komme. „Alle Verfahren waren transparent.“ Dennoch: Eine Erhöhung des Gebäudes lehnt er strikt ab, wie er gegenüber den OVB-Heimatzeitungen versichert. Skeptisch steht er inzwischen auch dem geplanten Drogeriemarkt gegenüber – aufgrund der Verkehrsproblematik. Ziel des Projektes aus Gemeindesicht war es nach den Worten des Bürgermeisters, mehr Wohnungen und eine Innenverdichtung im Ortsbereich zu schaffen. „Wir brauchen Wohnungen.“ Der Gemeinderat hatte damals festgelegt, dass weder ein Lebenmittelmarkt noch ein Discounter auf der Baufläche entstehen soll. Das Fatale: Niemand hätte einen Drogeriemarkt auf dem Schirm gehabt. „Wir haben einfach nicht dran gedacht“, gibt Gruber zu. Gerade deshalb ziehe man auch eine dritte Änderung des Bebauungsplanes in Erwägung – mit dem Ziel, möglichst viele Stellplätze unterirdisch anzulegen, um das Verkehrsproblem zu regeln. Und um einen Bau eines Drogeriemarktes möglicherweise noch zu stoppen.

Bürgerinitiative startet Infokampagne

Die Gemeinde befinde sich noch im Gespräch mit dem Investor. „Es ist noch nichts festgelegt“, beruhigt Gruber. Sollte die dritte Änderung des Bebauungsplanes eine Verschlechterung für die Anwohner bedeuten, werde seine Empfehlung an den Gemeinderat sein, diese abzulehnen. Rechtskräftig sei das erst mit dem Abwägungs- und Satzungsbeschluss. Diese Änderung zu kippen, ist auch das Ziel der Bürgerinitiative – mithilfe einer Infokampagne und eine Unterschriftensammlung wollen sie den Gemeinderat umstimmen.

Fakten zum geplanten Projekt:

Das Bauvorhaben Kufsteiner Straße 3 auf dem ehemaligen Penny-Gelände („Marmorwerk Nord“), basierend auf einer möglichen dritten Änderung des Bebauungsplanes, umfasst: Grundfläche des Gebäudes 1958,65 Quadratmeter; Verkaufsraum Drogeriemarkt 763,63 Quadratmeter; Gesamt Nutzungsfläche Drogeriemarkt 791,43 Quadratmeter; Wandhöhe 12, 10 Meter; Firsthöhe 15,65 Meter.

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