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Oberaudorfer testet seit Jahren neue Methoden

Keine Angst vorm Wolf: Mit dieser Neuentwicklung schützt Christian Schäfer seine Schafe

Christian Schäfer bewacht zusammen mit dem belgischen Schäferhund Markus seine Soay Schafe.
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Christian Schäfer bewacht zusammen mit dem belgischen Schäferhund Markus seine Soay Schafe.
  • Korbinian Sautter
    VonKorbinian Sautter
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Seitdem der Wolf in die Region eingewandert ist, beschäftigt sich Christian Schäfer mit der Frage, wie er seine 100 Soay Schafe schützen kann. Das ist seine Lösung.

Oberaudorf – Über ein Jahrzehnt testete der Oberaudorfer dafür sämtliche Herdenschutzsysteme, entwickelte einen ferngesteuerten Nachtpferch und trainierte sogar Schäferhunde nach einem eigenen Konzept. Mit seinem Elektrozaun der „dritten Generation“ hat er für sich nun die passende Lösung für das Problem mit dem Wolf gefunden.

Der Zaun der „dritten Generation“ könnte den Wolf künftig kostengünstig abhalten.

Wenig Fachwissen bei den Landwirten

„In den meisten Fällen scheitert ein günstiger und sinnvoller Schutz leider bereits an dem fehlenden Wissen der Landwirte“, berichtet Schäfer aus eigener Erfahrung. Mit über 100 Soay Schafen betreibt der Oberaudorfer einen Wanderschafbetrieb mit mobiler Koppelhaltung und musste sich 2010 erstmals intensiv mit dem Thema Wolf auseinandersetzen.

Da damals noch kaum jemand auf den „neuen Feind“ vorbereitet war, nahm er Kontakt zu betroffenen Schafhaltern sowie führenden Zaunherstellern in ganz Deutschland auf und testete seither Equipment im Wert von rund 35 000 Euro.

Das Problem: „Kein Zaun ist auf die bergigen Bedingungen in unserem Landkreis ausgelegt.“ Der günstige Standardschutz ist lediglich 90 Zentimeter hoch, mit dünnen Stangen fixiert und nur leicht unter Strom gesetzt. Für den Wolf sei das kein großes Hindernis. Dennoch ist laut Schäfer genau diese preiswerte Massenware rund um viele Weiden zu finden. „In den vergangenen Jahren haben die Hersteller zwar ihr Standardsortiment mit zusätzlichen Flatterbändern und neuen Farben verbessert, um ihn als wolfssicher teurer zu verkaufen“ meint der Oberaudorfer. Bei dem weiterhin alten Grundkonzept sei dies jedoch wenig effektiv.

Für Schäfer braucht es daher eine völlig neue Entwicklung, die nach innen die optimale „Hütefunktion“ für das jeweilige Weidevieh berücksichtigt und nach außen den Schutz gegen große Beutegreifer sicherstellt.

Die Lösung für Schäfer ist eine Art dreidimensionaler Zaun, der aus zwei verschiedenen Teilen besteht. Die äußeren Stromlitzen können dabei in Höhe und Stromstärke auf die Abwehr des Wolfes ausgelegt werden. Der Innenzaun wiederum ist mit der notwendigen Stabilität und weniger Stromfluss konzipiert, um die Weidetiere bei Panik zwar abzuhalten, aber nicht zu gefährden.

Hinzu kommt ein speziell angelernter „Koppel-Schutzhund“, der innerhalb des Zaunes Wache hält und die Anwesenheit von Wölfen sofort anzeigen kann.

Besonderer Schäferhund Markus

Der belgische Schäferhund namens Markus ist ein weiteres Projekt von Schäfer, der sich im Gegensatz zu den gewöhnlichen Herdenschutzhunden auf diese speziellen Anforderungen trainieren lässt. Ein mittels Infrarotkamera überwachter Nachtpferch, der sich morgens automatisch bei intaktem Zaun öffnen lässt, rundet das wolfssichere Gelände ab.

Ob sich diese speziellen Maßnahmen für den allgemeinen Landwirtschaftsbetrieb eignen, sieht Katharina Kern, Kreisbäuerin des Bayerischen Bauernverbandes, allerdings skeptisch. „Das mag für den Einzelfall gut funktionieren. Für die Landwirtschaft auf einer offenen Fläche, bei der auch Radfahrer und Wanderer vorbeikommen, wird das aber schwierig“, meint sie.

Ein weiteres ungelöstes Problem ist laut Kern, dass die staatliche Förderung seit diesem Jahr nicht mehr 100 Prozent der notwendigen Bruttokosten für spezielle Zäune abgedeckt, sondern lediglich rund 13 Euro pro laufenden Meter. „Dabei ist klar erwiesen, dass wir in der Region rund 25 Euro bräuchten.“

Um dem erhöhten Aufwand für Herdenschutzzäune Rechnung zu tragen hat das Bayerische Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten einen Antrag auf eine Erhöhung der Referenzkosten gestellt (wir berichteten). Auf Nachfrage der OVB-Heimatzeitungen teilte ein Sprecher des Ministeriums mit, dass dem Antrag mittlerweile zugestimmt wurde.

Zuschuss wäre gar nicht notwendig

„Wer jetzt eine Förderung für einen Herdenschutzzaun beantragt, bekommt durch die neue Regelung 18 statt 13 Euro pro laufenden Meter“, bestätigt Georg Kasberger, Behördenleiter des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Rosenheim. Dieser Zuschuss wäre laut dem Herdenschutztester Schäfer mit seinem System aber gar nicht notwendig. „Den inneren Zaun braucht sowieso jeder für seinen Weidebetrieb, der äußere ist günstige Standardware und nicht teurer als zehn Euro.“

Ob sich sein System in Zukunft durchsetzt, kann Schäfer nicht sagen. Zumindest wird er sein Konzept bei verschiedenen Interessenten vorstellen. Je nachdem, wie viel Anklang er findet, wird sich seiner Meinung nach zeigen, ob seine Idee ein revolutionärer Durchbruch im Herdenschutz wird oder eine spezielle Lösung für einzelne interessierte Betriebe bleibt.