Kampf der „Fichtenwüste“: Gemeinde Stephanskirchen hilft beim Umbau des Waldes

Ein Mischwald, der im Herbst in allen Farben leuchtet, ist nicht nur schön anzusehen, sondern auch stabiler als jede Monokultur. Und deswegen der Liebling der Forstexperten.
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Ein Mischwald, der im Herbst in allen Farben leuchtet, ist nicht nur schön anzusehen, sondern auch stabiler als jede Monokultur. Und deswegen der Liebling der Forstexperten.

Fichten-Monokulturen haben es schwer: Sie sind Lieblingsopfer der Borkenkäfer, knicken bei Sturm besonders häufig um und ihr Naherholungswert ist überschaubar. Guter Waldbau sieht anders aus, so die Gemeinde Stephanskirchen und geht in die Offensive.

Von Sylvia Hampel

Stephanskirchen – In der Wald- und Forstwirtschaft geht der Trend schon seit Jahren Richtung Mischwald. Bei dem Umbau ihrer Wälder unterstützt Stephanskirchen, eine von zehn Projektgemeinden „Biodiversität in Bayern, künftig die Waldbesitzer der Gemeinde. Das beschloss jetzt der Umwelt- und Verkehrsausschuss.

Keine „Fichtenwüste“ in untersuchtem Wald

Tobias Hegemann von der Rosenheimer Waldbesitzervereinigung hatte sich im Auftrag der Gemeinde den Wald bei Högering, Kieling und Baierbach angesehen, stellte seine Erkenntnisse im Ausschuss vor. Die gute Nachricht voran: „Dort überwiegen zwar noch die Fichten, aber eine Fichtenwüste ist der Wald nicht mehr.“ Es seien mittlerweile andere Nadel- und auch Laubbäume zu finden.

Besitzer kann mit Wald machen, was er will

Eins stellte Hegemann, in Weihenstephan ausgebildeter Forstingenieur, gleich klar: „Dem Besitzer gehört der Wald, er kann damit machen, was er will.“ Eingreifen können Gemeinden im Privatwald nicht, sie können nur Anreize schaffen oder Unterstützung beim Waldumbau anbieten.

Hegemann erinnerte an die vielen Funktionen des Waldes: Er verstoffwechselt CO2, verhindert Bodenerosion, hat Erholungsfunktion, dient dem Trinkwasserschutz und liefert nachwachsende Rohstoffe. Ein Drittel der Landesfläche Bayerns sei von Wald bedeckt, so Hegemann, das schaffe Stephanskirchen nicht, in der Gemeinde seien vor allem kleinere Waldstücke vorhanden.

Waldumbau lohnt sich immer

Aber auch da lohne sich der Umbau. Das Ziel sollten Mischwälder sein, denn die sind „stabil, vital, vielfältig und klimatolerant – was derzeit besonders knifflig ist.“ Zu erreichen sei dieses Ziel durch verschiedene forstliche Maßnahmen wie Naturverjüngung – auf dem Boden landende Saat anderer Bäume und Sträucher bekommt genug Licht und Luft um wachsen zu können – oder Pflanzungen, Pflegemaßnamen oder Durchforstungen, sowie die Förderung seltener und/oder bienenfreundlicher Arten. Die WBV stehe den Waldbesitzern, ob sie viel oder wenig Wald haben, gerne beratend zur Seite.

Angebot der Gemeinde

Steffi Panhans (SPD) wollte wissen, ob dazu ein Waldbegang mit dem Besitzer stattfinde, was Hegemann bejahte. Florian Beck (Bayernpartei) legte Wert darauf, den Waldbesitzern klar zu machen, dass die Übernahme der Kosten für eine entsprechende Beratung ein Angebot der Gemeinde sei, kein Eingriff ins Eigentum der Waldbesitzer.

Zum Zustand der untersuchten Wälder, vor allem im Hinblick auf Trockenheit befragt, erklärte Hegemann, dass Stephanskirchen da den Vorteil des Alpenrückstaus habe. Die Wälder bekämen genug Wasser ab, „schon im Wasserburger Raum sieht es deutlich schlechter aus.“

Bei Baugebieten öfter mal an Holz denken

Der Fachmann rief die Gemeinderäte dazu auf, bei der Ausweisung von Wohngebieten öfter an Hackschnitzelheizungen und Holzbau zu denken. Letzteres ist laut Bürgermeister Karl Mair (Parteifreie) bei der Erweiterung der Otfried-Preußler-Schule der Fall, da werde Holzbau geprüft.

Der Umwelt- und Verkehrsausschuss beschloss einstimmig, dass die Gemeinde Stephanskirchen die Kosten der Beratung übernimmt, will ein privater Waldbesitzer seinen ökologisch Wald umbauen. Die entsprechenden Mittel dafür sind im Haushaltsplan 2020 vorhanden.

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