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Mehr Direktvermarktung und neue Produkte

Kaffee mit Ausblick unter Apfelbäumen und andere Ideen der Landwirte in der Region

Die ersten Café-Gäste gibt es schon, auch wenn das Hofcafé am Kernerhof eigentlich erst in ein paar Tagen eröffnet.
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Die ersten Café-Gäste gibt es schon, auch wenn das Hofcafé am Kernerhof eigentlich erst in ein paar Tagen eröffnet.
  • Sylvia Hampel
    VonSylvia Hampel
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Am Kernerhof in Stephanskirchen eröffnet in den nächsten Tagen ein Hofcafé. Eines der (noch) wenigen im Landkreis. Es ist nur ein Beispiel dafür, was sich Landwirte aller Richtungen einfallen lassen, um ihre Höfe und ihre Existenzen auf gesunde Füße zu stellen.

Stephanskirchen – Ein ausgedehnter Spaziergang auf den sanft gewellten Hügeln nördlich der Gemeinde, sich über die munter umherflitzenden Laufenten an der Vierzehnheiligenstraße freuen und dann ein paar Meter weiter einen Kaffee mit Blick in die Ferne genießen. So haben die Kunden der Familie Stein sich das immer wieder vorgestellt, wenn sie in dem kleinen Hofladen der Bio-Gärtnerei Obst oder Gemüse kauften. Der Hofladen, vor vielen Jahren von Irmgard und Thomas Stein auf dem Kernerhof eröffnet, platzte da schon aus allen Nähten.

Probebetrieb innen läuft schon ganz gut

Bernhard und Timea Stein, Sohn und Schwiegertochter, gehören zur Fraktion „Wenn wir was machen, machen wir‘s richtig“. Sagt sie. Und so entstand ein großer, heller neuer Hofladen. Mit Café. Da gibt es ab Ende März Kaffee mit Ausblick und Kinderspielplatz unter Apfelbäumen. Oder Frühstück mit Eiern von glücklichen Hühnern.

„Hoffentlich sind bis dahin alle Tische für draußen da – die Lieferzeiten für Besteck, Geschirr, Gläser haben mich fast irre gemacht“, lacht Timea Stein. Zur Not liegen einige Bierbänke bereit.

Investiert haben Steins eine sechsstellige Summe. Und keine Kleine. Ebenfalls viel Geld in die Hand nahm schon vor gut 40 Jahren Franz Kirmeier. Er baute am anderen Ende von Stephanskirchen, auf dem Wendlerhof in Baierbach, ein Jugendgästehaus anstelle des einstigen Schweine- und Hühnerstalles. „Wir wollten möglichst das ganze Jahr Gäste, nicht nur im Sommer“, so Kirmeier. Da seine Frau in der Jugendarbeit sehr engagiert war, gab es genug Kontakte. Sie seien zu 80 Prozent ausgebucht gewesen, so Kirmeier.

In den letzten zwei, drei Jahren vor der Corona-Pandemie nicht mehr, ergänzt Schwiegertochter Dagmar, die seit fünf Jahren für das Jugendhaus mit 22 Betten verantwortlich ist. Aber die Saison sei immer noch deutlich länger, als bei einer klassischen Ferienunterkunft auf dem Bauernhof. Ostern bis Oktober sowieso, aber auch im Winter gebe es immer wieder Anfragen, ob von Firmen, von Freundeskreisen, Großfamilien, auch für Gruppenleitertreffen wird das Haus – mittlerweile auf Selbstversorgung umgestellt – gerne gebucht.

Jugendhaus auf dem Bauernhof ist einmalig

Das Jugendhaus in Baierbach ist in dieser Form in der Region einmalig. Wohingegen gefühlt jeder zweite Hof „Urlaub auf dem Bauernhof“ anbietet. „Lernort Natur“, Bauernhöfe mit pädagogischer Betreuung, sind hingegen nur zwei im Landkreis zu finden.

Hofcafés gibt es laut Internet keine zehn im Landkreis. Der sich immerhin über knapp 70 Kilometer in Nord/Süd-Richtung und etwa 50 Kilometer in Ost/West-Richtung erstreckt.

Er sei selbst immer ganz angetan, was sich die Landwirte so alles einfallen ließen, sagt Josef Steingraber, Geschäftsführer des Bayerischen Bauernverbandes im Landkreis. Hofläden sind fast schon Standard „und es werden immer mehr“, Eierautomaten hätten in den letzten zehn Jahren unheimlichen Erfolg gehabt, mittlerweile seien die Eier durch verschiedene andere Produkte ergänzt worden, so Steingraber.

Der Wendlerhof in Baierbach liefert Milch an die Haustür, der Schusterhof direkt hinter der Landkreisgrenze im schon zu Traunstein gehörenden Pittenhart beliefert nicht nur die Region nördlich des Chiemsees mit Milch, Joghurt und Käse vom eigenen Hof, sondern auch das Wasserburger Land. „Grüne Kisten“, voll mit Obst und Gemüse vom (Bio-)Hof gibt es schon lange. Mehr und mehr Tierhalter vermarkten ihr Fleisch direkt ab Hof. Auch Steingraber, der „Stadtbauer“ aus Aising, tut das. Eine Übersicht gibt‘s auf „Frisch von Hof“, eine Internetseite und App von RegRo.

Oder sie treffen sich alle auf den Bauernmärkten in der Region. Allein in Stephanskirchen gibt es mittlerweile drei. Auch Steins vom Kernerhof sind mit ihrem Obst und Gemüse auf den Bauernmärkten der Region unterwegs. „Dadurch kamen und kommen auch immer mehr Leute in den Hofladen“, sagt Timea Stein, die gelernte Hotelfachfrau, die der Liebe wegen noch eine Lehre als Gärtnerin machte.

Produktpalette wird immer bunter

Den BBV-Kreisgeschäftsführer begeistern aber nicht nur die vielen Wege, die sich Landwirte bei der Direktvermarktung suchen. Auch die sich ständig erweiternde Produktpalette gefällt ihm. Ob Speiseeis (in Rins und Hochstätt), Kräuterbonbons, ob Raps- oder Sonnenblumenöl, ob Spezialheu als Kleintierfutter – besonders beliebt bei den Kaninchen, sagt Steingraber. Ein Landwirt baue mittlerweile sogar im größeren Stil Melonen an. Die könnten im einen oder anderen Hofladen landen – denn Hofladenbetreiber kaufen, wenn sie es denn müssen oder wollen – am liebsten regional zu. Klappt nur nicht, wenn jemand bei Timea Stein nach Sambal Oelek fragt. Wobei: Hauptzutat der scharfen asiatischen Paste sind Chilis. Die wachsen in der sonnigen Fensterbank. Und vermutlich auch im Gewächshaus. Sambal Oelek aus dem Landkreis Rosenheim? Warum eigentlich nicht..?

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