Trotz Lockdown erreichbar

So geht der Jugendhilfeverein Kiefersfelden-Oberaudorf mit den Corona-Herausforderungen um

Rosi Held, leitende Sozialpädagogin des Jugendhilfevereins Kiefersfelden-Oberaudorf, und ihr Kollege Theo Hülder sind auch während der Corona-Zeit für die Jugendlichen greifbar.
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Rosi Held, leitende Sozialpädagogin des Jugendhilfevereins Kiefersfelden-Oberaudorf, und ihr Kollege Theo Hülder sind auch während der Corona-Zeit für die Jugendlichen greifbar.
  • Barbara Forster
    vonBarbara Forster
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Der Lockdown stellt auch die Jugendhilfe vor Herausforderungen. Wie soll Nähe zu jungen Menschen stattfinden, wenn die Gesellschaft für mehr Abstand plädiert? Rosi Held, leitende Sozialpädagogin des Jugendhilfevereins Kiefersfelden-Oberaudorf, berichtet von ihren Erfahrungen

Oberaudorf/Kiefersfelden – „Die Jugend ist einfach schwierig“, sagt Rosi Held, leitende Sozialpädagogin des Jugendhilfevereins Kiefersfelden-Oberaudorf. Abnabelung von den Eltern, Streit mit Freunden oder Probleme in der Schule. Da brauche man einfach jemanden, bei dem man sich hin und wieder „auskotzen“ könne. Seit 2005 leiht die 55-Jährige den Jugendlichen ihr Ohr – und das tut sie auch während der Krise. „Wir sind weiterhin erreichbar und ansprechbar.“

Jugendtreffs seit Dezember geschlossen

Aber wie soll Nähe stattfinden, wenn die Gesellschaft für mehr Abstand plädiert? „Früher war das einfacher“, räumt Held ein. Da sei man schnell mal ins Büro gegangen. Jetzt müsse man auf Spaziergänge ausweichen. „Aber das funktioniert trotzdem“, sagt sie.

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Seit Anfang Dezember sind die offenen Jugendtreffs „ChillOut“ in Kiefersfelden und das „CO2“ in Oberaudorf wieder geschlossen. Ende Mai, als der erste Lockdown gelockert wurde, seien Öffnungsstrategien entwickelt worden. Hilfreich sei in dieser Zeit die Zusammenarbeit mit der Kommunalen Jugendarbeit vom Landratsamt Rosenheim gewesen, berichtet Held.

„Die haben sich sehr engagiert.“ Über ein Video-Meeting wurden sie und andere Fachkräfte aus der Jugendarbeit mit Infos versorgt. So wurde ihnen zum Beispiel ein Hygienekonzept des Bayerischen Jugendrings an die Hand gegeben. Dieses sei aber nur in Oberaudorf mit einer begrenzten Anzahl von acht Leuten umsetzbar gewesen.

In Kiefersfelden konnten die Räumlichkeiten im Keller nicht belüftet werden. „Jugendtreffs ohne Anmeldungen gab es nicht mehr. Der offene Charakter ging dadurch verloren“, bedauert Held. Möbel mussten umgestellt werden, Desinfektionsspender angebracht und die Küche, die die Jugendlichen immer gern zum Backen oder Kochen nutzten, wurde plötzlich zum Tabu-Ort.

Rosi Held habe versucht, das Café-Feeling im Sommer über nach draußen zu verlegen –  und somit auch in Kiefersfelden wieder eine Art „Treff“ zu ermöglichen.

Auch klinkten sich die Jugendlichen in den Sommerferien in das Projekt „Himmelstrom Kiefersfelden“, organisiert von der Evangelischen Kirchengemeinde, mit ein. So wurden beispielsweise alte Dachziegel runderneuert, bemalt und als Dankeschön für Spenden verteilt. Mit dem Projekt soll die neue Fotovoltaikanlage auf dem Kirchendach der Erlöserkirche unterstützt werden, die wiederum auch den Strom für das „ChillOut“ liefern wird.

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Aber nach Schließung der Jugendtreffs im Dezember sei die Situation zunächst „durchwachsen“ gewesen, schildert Rosi Held. Video-Meetings wären „nicht so gut angenommen“ worden. Möglicherweise liege das auch am Home-Schooling, mutmaßt die Sozialpädagogin. „Bei uns ist das Kommunikationsmedium jetzt WhatsApp“.

Vor Weihnachten habe sie mit den Jugendlichen virtuell Marmeladengläser bemalt und diese mit Teelichtern für den Gottesdienst bestückt. Die Schließung nutzen Rosi Held und ihr Kollege Theo Hülder derzeit, um die Räume „aufzupolieren“. Darüber hinaus würde sie kleine „Filmchen“ mit Neuigkeiten drehen und diese per WhatsApp verschicken.

„Die Jugendlichen wissen: Wenn sie Hilfe brauchen, sind wir da.“ Sei es bei Problemen, bei Referaten, oder Bewerbungsschreiben. Dennoch: Das Zwanglose, das Spontane fehle. Gespräche unter Jugendliche würden sich bei direktem Kontakt anders entwickeln als auf digitalem Weg. Das könne man nicht durch Videokonferenzen oder Telefonate ersetzen.

Im Landkreis ist der Jugendhilfeverein sehr gut vernetzt

Der evangelische Pfarrer Günter Nun, Gründungsmitglied und Vorsitzender des Jugendhilfevereins Kiefersfelden-Oberaudorf, hält Jugendarbeit für wichtig: „Ich bin als evangelischer Pfarrer seit 25 Jahren in Oberaudorf und Kiefersfelden tätig und habe von Anfang an einen Schwerpunkt auf Jugendarbeit gesetzt.“

Auch während Corona sei der Anspruch des Vereins, Ansprechpartner zu sein, an die sich Jugendliche wenden können. Mit den anderen Jugendsozialarbeitern im Landkreis sei man gut vernetzt. Auch innerhalb des Ortes, so Held, seien die Drähte zur Polizei, Ärzten, und Bürgermeistern kurz.

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