40. JUBILÄUM DER SOMMERKONZERTE IN GROSSKARO

„Jeder soll singen, wie es ihm gefällt“

Wiltrud Rothmayer ist vielfältig:Singen, Lehren, Politik machen – was sie macht, das tut sie mit Hand und Fuß. suh
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Wiltrud Rothmayer ist vielfältig:Singen, Lehren, Politik machen – was sie macht, das tut sie mit Hand und Fuß. suh

Ihr Glaube, die Musik, die Politik und ihr Beruf als Lehrerin: All diese Bereiche spielen in Wiltrud Rothmayers Leben eine tragende Rolle. Langweilig wird es der 84-Jährigen nie. Jetzt feierte sie ein Jubiläum. Mit ihrem Chor, dem Singkreis Großkarolinenfeld, tritt sie seit 40 Jahren auf. Diesmal ging es musikalisch durch Europa.

Großkarolinenfeld – Einen Termin für ein gemeinsames Gespräch in der Redaktion mit Wiltrud Rothmayer zu finden, ist nicht einfach. „Da treffe ich mich mit den Senioren“, „da lese ich den Kindern in der Schule vor“. Die 84-Jährige ist ziemlich ausgebucht.

Ein kleines Zeitfenster lässt sich für die OVB-Heimatzeitungen dann schließlich doch finden. Pünktlich in der Redaktion angekommen, berichtet die rüstige ältere Dame bescheiden von ihrem vielfältigen Leben. Zu viel Wirbel um ihre Person will sie dabei auf keinen Fall machen, das betont sie immer wieder. Und eigentlich will sie auch gar keinen Artikel, meint sie.

Zwei Dinge haben in Rothmayers Leben Beständigkeit: Die Musik und das Lehrerdasein. Trotz Pensionierung liest sie immer noch Schulklassen in Großkarolinenfeld vor und leitet außerdem noch den Singkreis Großkarolinenfeld – und das bereits seit 1972. „Außerdem singe ich noch alle zwei Wochen mit dem Chor im Katharinenheim in Bad Endorf“, erzählt sie.

Aus der Politik – der dritten Säule in ihrem Leben – hat sie sich vor zwei Jahren zurückgezogen. Das bedeutet aber noch lange nicht, dass sich Rothmayer aus dem Ortsgeschehen verabschiedet hat. „Ich bin nach wie vor Seniorenbeauftragte“, so die 84-Jährige. „Hier liegt mir das barrierefreie Wohnen für die Senioren am Herzen.“ Da trete die Gemeinde noch etwas auf der Stelle, da möchte sie künftig noch mehr einhaken.

Im Gespräch mit Rothmayer spürt man, dass die Chorleiterin keine halben Sachen macht. Die ihr zugetragenen Aufgaben erfüllt sie mit Leib und Seele. „Ich mache alles mit Freude“, sagt sie bestimmt.

42 Jahre lang war die gebürtige Fränkin Grund- und Hauptschullehrerin. Von Franken verschlug es sie zunächst nach Kolbermoor, dann nach Großkarolinenfeld. Dort saß sie 18 Jahre lang für die Grünen im Gemeinderat.

Rothmayer ist in ihrer Familie in der vierten Generation Lehrerin, ihre Kinder in der fünften. „Nur die Enkel, die sind keine Lehrer geworden.“

So wie das Lehrerdasein über Generationen hinweg in Rothmayers Leben eine Rolle spielt, so ist das auch mit der Musik. „Das war in meiner Familie ein Muss“, berichtet sie. Vor allem der Gesang sei ihre Stärke. Bei der Frage, ob jeder singen könne, lacht Rothmayer. „Natürlich“, sagt sie, ihre Stimme nimmt dabei an Lautstärke zu. „Jeder soll singen, wie es ihm gefällt“, betont sie. Da gebe es kein richtig oder falsch.

Der Singkreis liegt der Seniorin sehr am Herzen. „Ich bin begeistert von der Treue der Frauen, die sich mit viel Herzblut im Chor engagieren“, sagt sie. Seit 1981 veranstaltet der Chor alljährlich ein Sommerkonzert. „Viel Proben stecken dahinter“, sagt sie. „Auch in Einzelproben haben wir viel geübt.“ Aktuell sind sie sieben Frauen, die sich regelmäßig treffen und Lieder von der Renaissance bis zur heutigen Zeit singen.

Ob es das Konzert nächstes Jahr auch noch mal geben wird, das weiß Rothmayer heute noch nicht. „Ich bin fast 85 Jahre alt“, gibt sie zu bedenken. Da plane man nicht mehr so langfristig. Aber Angst vor dem Sterben habe sie nicht. Ihr Gottvertrauen helfe ihr jeden Tag aufs Neue – ihren Lebensmut, den hat sie nie verloren.

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