Mit 24 Jahren schon Pflegedienstleiterin

Fabian Wilhelm (Bereichsleiter Arbeitsagentur Rosenheim), Franziska Buschmann (Arbeitgeberservice Arbeitsagentur Rosenheim), Laura Linner (Pflegedienstleiterin), Evi Faltner (stellvertretende Geschäftsführerin) und Irmi Rieder (Verwaltung) auf dem Balkon des Mehrgenerationenhauses in Flintsbach. re

Flintsbach – „Wir sind ein Generationenhaus und bilden unseren Nachwuchs auf Fach- und Führungskäfte ebene selbst aus, um uns aktiv gegen den Fachkräftemangel in der Pflege zu stellen“, sagt Evi Faltner, stellvertretende Leiterin des Mehrgenerationenhauses Flintsbach, dessen Träger das Christliche Sozialwerk Degerndorf-Brannenburg-Flintsbach ist.

Mit diesem Generationenwechsel spielt Faltner auf Laura Linner an, die aktuell in ihre neue Tätigkeit als Pflegedienstleiterin hineinwächst.

„Ich wollte schon immer gerne mit älteren Menschen zusammenarbeiten und habe nach der mittleren Reife eine Ausbildung zur Altenpflegerin gemacht“, erzählt die 24-Jährige. „Seit Anfang 2016 arbeite ich beim Mehrgenerationenhaus in Flintsbach und habe dann schnell das Gespräch mit der Leitung gesucht, um darüber zu reden, wie ich mich beruflich entwickeln kann.“

Faltner erinnert sich an diese Gespräche: „Laura Linner hatte auch überlegt, ein Studium aufzunehmen. Doch dann konnten wir sie glücklicherweise von der berufsbegleitenden Qualifizierung über WeGebAU überzeugen. Diese konnte sie neben ihrer Arbeit als Altenpflegerin machen und hatte so die Möglichkeit, das theoretische, neu erlernte Wissen in unserem Haus gleich in die Praxis umzusetzen.“

Franziska Buschmann ist bei der Agentur für Arbeit Rosenheim Ansprechpartnerin und erklärt die Qualifizierung: „WeGebAU“ steht für „Weiterbildung Geringqualifizierter und beschäftigter älterer Arbeitnehmer in Unternehmen“. Für weitere Fragen steht Franziska Buschmann unter Telefon 0 80 31/2 02-4 25 zur Verfügung.

Laura Linner hat die Weiterbildung im Rahmen einer 16-monatigen Weiterbildung bei den Beruflichen Fortbildungszentren der Bayerischen Wirtschaft (bfz) in Rosenheim absolviert. Inhalt der Qualifizierung waren unter anderem Soziale Führung, Betriebswirtschaftslehre, Organisation, Recht, Sozialpolitik und Gerontologie. „Da musste ich manchmal ganz schön pauken, aber ich bin jetzt umso glücklicher, dieses Wissen bei meiner Arbeit anwenden zu können“, sagt die 24-Jährige.

Ihren Arbeitstag beschreibt sie so: „Ich komme um 6.30 Uhr an und muss dann erst einmal schauen, ob alle zwölf Mitarbeiter da sind, um ab 7 Uhr ihre Pflegetouren anzutreten. Zudem muss ich abchecken, ob im Laufe des Vortages Informationen angekommen sind – sei es beispielsweise bezüglich der Medikamente, die der einzelne Pflegefall bekommt, oder seiner gesundheitlichen Situation – die ich weitergeben muss. Sollte eine Pfegekraft fehlen, muss ich die Touren umplanen oder selber auch einmal raus fahren. Dabei bin ich wirklich dankbar, dass ich die Arbeit aus der Praxis kenne.“

„Wenn mein Team dann „on Tour“ ist, kümmere ich mich um Qualitätsmanagement und die Einstufungen des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen und führe viele Gespräche – am Telefon oder persönlich – mit Ärzten, Krankenkassen, Angehörigen oder an der Pflege in unserem Haus interessierten älteren Menschen.“

Faltner betont, wie wichtig Kommunikation ist: „Es ist einfach elementar für die Wertschätzung unserer Mitarbeiter, dass sie sofort einen Ansprechpartner haben, um zu erzählen, was sie erlebt haben, wenn sie von ihrer Tour kommen“, sagt sie.

Die 24-Jährige hat ihre Weiterbildung im Dezember 2017 abgeschlossen und sagt, sie wachse weiter in ihre neue Aufgabe als Pflegedienstleiterin hinein. „Ich freue mich, dass wir den Wechsel so sanft vorbereiten und ich dann hoffentlich alles können werde, wenn meine Kollegin 2019 in Rente geht“, sagt die gebürtige Neubeurerin.

Fabian Wilhelm, Bereichsleiter bei der Agentur für Arbeit Rosenheim, betont, wie wichtig Qualifizierung und Fachkräftesicherung sind: „Dadurch wird beispielsweise Menschen, die als Hilfskräfte in die Pflege einsteigen, die Möglichkeit geboten, in dem Arbeitsbereich eine Ausbildung abzuschließen, dem sie mit Herzblut nachgehen.“ Und Faltner fügt hinzu: „Wir haben aktuell eine motivierte Kollegin über 40 Jahre, die eine Ausbildung zur Altenpflegerin macht.“ re

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