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GRENZGESCHICHTEN WÄHREND CORONA

Den Inntaler Pferdehaltern macht Grenzschließung zu schaffen

Bianca Berndanner aus Kiefersfelden vermisst ihr Pferd Benny. Weil ihr Vierbeiner in Tirol untergebracht sei und die Grenzen seit Kurzem weitgehend gesperrt sind, könne sie sich nicht mehr um ihn kümmern.
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Bianca Berndanner aus Kiefersfelden vermisst ihr Pferd Benny. Weil ihr Vierbeiner in Tirol untergebracht sei und die Grenzen seit Kurzem weitgehend gesperrt sind, könne sie sich nicht mehr um ihn kümmern.
  • Barbara Forster
    VonBarbara Forster
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Bianca Berndanner aus Kiefersfelden vermisst ihren Benny. Seit einigen Tagen könne sie ihr Pferd, dass in Tirol untergebracht sei, nicht besuchen. Versorgen müsse es jetzt ein Tiroler Bekannter. Denn das Landratsamt Rosenheim erteilt für die Wiedereinreise nicht ohne Weiteres eine Ausnahmegenehmigung.

Kiefersfelden/Oberaudorf – Seit fast zwölf Jahren sind Bianca Berndanner (27) und ihr bester Freund Benny unzertrennlich. Jeden Tag fährt die Kiefersfeldenerin über die Grenze nach Niederndorf. Dorthin, wo ihr „Criollo“ in einem Stall steht, mit den Hufen scharrt, und auf Futter und Bewegung wartet.

Aber seit die Grenzen für Pendler zwischen Österreich und Deutschland weitgehend geschlossen sind, gestaltet sich die Tierversorgung laut der 27-Jährigen schwierig. Zunächst habe sie noch Ausnahmegenehmigungen vom Landratsamt Rosenheim zur Wiedereinreise nach Bayern erhalten. Aber seit Sonntag, 21. Februar, sei damit Schluss, berichtet die Pferdebesitzerin.

Versorgung wird auf Dritte übertragen

Die Begründung: Das Tier stehe in einem gemeinschaftlichen Stall mit Pferden anderer Besitzer. Daher, so berichtet Bianca Berndanner, könnten auch Dritte mit der Versorgung ihres Pferdes beauftragt werden.

Zwar habe die Kiefersfeldenerin einen Bekannten aus Tirol, der sich jetzt um Benny kümmere. Aber eine Dauerlösung sei das nicht: „Jeder hat Familie, jeder hat einen Job. Ein Pferd zu versorgen ist Arbeit. Und mit dem Füttern allein ist es ja nicht getan. Ein Pferd braucht ausreichend Bewegung. Mindestens eine Stunde lang.“

Außerdem treibe sie die Sorge um: Was tun, wenn das Pferd plötzlich krank wird? „Darf ich dann rüber oder nicht?“ Sie habe sogar schon überlegt, Benny kurzzeitig im Inntal unterzubringen. „Aber man sollte die Pferde nicht aus ihrer gewohnten Umgebung reißen“, findet Bianca Berndanner.

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Während des ersten Lockdowns im März habe es keinerlei Probleme mit der Ein- und Ausreise gegeben. „Es war immer gewährleistet, dass ich mein Pferd füttern kann.“ Neben einem Schreiben des Kufsteiner Veterinäramtes, das bestätige, dass sie für die Grundversorgung ihres Pferdes selbst zuständig sei, besitze sie ein solches Schreiben auch von den Stallbesitzern.

So habe die 27-Jährige das auch dem Landratsamt geschildert. Aber die Antwort blieb dieselbe: Solange eine Unmöglichkeit der Tierversorgung nicht vorliege, und diese auf Dritte übertragen werden könne, werde eine Ausnahmegenehmigung nicht erteilt.

„Ziel aller aktuellen Maßnahmen an der Grenze ist es, ein Einschleppen von Virusvarianten möglichst zu verhindern“, erklärt Michael Fischer, Sprecher des Landratsamtes Rosenheim auf Nachfrage. Tierwohl stelle „selbstverständlich ein hohes Gut“ dar. Zur ordnungsgemäßen Versorgung der Tiere müsste der Tierhalter diese mindestens zwei Mal täglich füttern – „also mehrmals am Tag hin und her pendeln oder zumindest jeden Tag einmal pendeln“, so Fischer.

Neben eines Nachweises des Tierhalters, wie viele Tiere wo gehalten werden – beispielsweise durch Vorlage des entsprechenden Pacht- oder Mitvertrages –, müsse auch nachgewiesen werden, dass eine Versorgung der Tiere durch andere Personen nicht möglich ist. „Nur nach dem Rechten sehen zu wollen, ist keine Begründung für eine Ausnahmegenehmigung“, macht Fischer deutlich.

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Ursula Aufinger aus Oberaudorf, ebenfalls Pferdebesitzerin, beschleiche allmählich das Gefühl, dass diese Genehmigungen mit einer „absoluten Willkür“ verteilt werden. Auch sie und ihre Familie dürften ihre Pferde, die in Kufstein in einem Reiterstall untergebracht seien, seit 14. Februar nicht mehr sehen. Aber von anderen Tierhaltern wisse sie, dass sie eine Ausnahmegenehmigung erhalten hätten.

Für die Oberaudorferin ist das unbegreiflich: „Unsere Pferde drehen allmählich am Rad.“ Abgesehen, davon, dass es eine Zumutung sei, jemanden anderen damit zu beauftragen, sich von heute auf morgen um fremde Pferde zu kümmern, sei es auch gefährlich. „Die Pferde sind nicht ausgelastet.“ Es fehle die Bewegung. „Die lassen sich von anderen auch überhaupt nicht mehr führen.“

Vierbeiner brauchen auch viel Bewegung

Dazu käme natürlich auch der emotionale Aspekt. Eine ihrer Töchter hätte gerade erst Leukämie überstanden. Aus Therapiegründen habe sie deshalb vor rund zwei Wochen ein neues Pferd für das Mädchen angeschafft. „Jetzt hat sie sich gerade mal eine Woche lang mit dem Pferd beschäftigt und nun ist Schluss“, echauffiert sich Ursula Aufinger. Das ganze Thema müsse man in ihren Augen schon etwas differenzierter betrachten. Nur, weil es theoretisch möglich wäre, die Tierversorgung auf Dritte zu übertragen, heiße das nicht, dass das auch sinnvoll sei. „Mittlerweile sind wir echt verzweifelt.“

Vier Fragen an Profi-Dressurreiterin Jessica von Bredow-Werndl

In Doha bei den Vorbereitungen auf ein Turnier erreichen wir Dressurreiterin Jessica von Bredow-Werndl aus Aubenhausen (Gemeinde Tuntenhausen) und fragen Sie nach ihrer Expertenmeinung zur Situation der Kiefersfeldenerin und ihrem Pferd..

Jessica von Bredow-Werndl

Wie sehen Sie als Expertin so eine Trennung von Pferd und Besitzer?

Jessica von Bredow-Werndl: Das ist sehr schlimm. Ich sage immer, dass Pferde wie Kinder sind. Sie brauchen ihre Bezugsperson(en). Sie haben alle Seelen im Körper. Diese gehören ebenso betreut.

Eine Bezugsperson ist aber mehr als nur ein Reiter, der für Bewegung sorgt....

Von Bredow-Werndl: Genau. Man hat zu seinem Pferd eine intensive Bindung. Das ist eine Partnerschaft. Die Pferde erinnern sich. Wer an „seinen“ Menschen gewöhnt ist, versteht nicht, warum derjenige plötzlich nicht mehr da ist. Füttern allein reicht nicht - es kann Bewegung, den liebevollen Umgang und Co. nicht ersetzen.

Kann eine langfristige Trennung von Pferd und Besitzer zu Problemen führen?

Von Bredow-Werndl: Das kann sowohl psychische als auch physische Folgen haben. Sie können dadurch traumatisiert sein. Denn die Pferde fühlen sich dann wie verlorene Seelen. Sie verstehen nicht, warum man nicht mehr kommt. Ich bin entsetzt, wie so eine Trennung einfach bestimmt werden kann.

Ein Pferd ist auch kein Sportgerät, das man einfach im Fitnessraum abstellen kann. Bewegung ist für das Tier unerlässlich. Wie sehen Sie das?

Von Bredow-Werndl: In der freien Natur haben Pferde 16 Stunden am Tag Bewegung. Es reicht dabei aber nicht, die Tiere einfach auf die Koppel zu lassen. Schritt reiten oder führen ist wichtig für die Knochen, Gelenke und Sehnen, die sonst verkümmern. Auch wird so die Kolikgefahr gemindert.

Interview: Silvia Mischi

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