Arbeiten an den Flußkraftwerken

Zauneidechsen und Haselmäuse sollen im Inntal einen neuen Unterschlupf bekommen

Im Zusammenhang mit der Dammanpassung wird in Nußdorf die ehemalige Landungsrampe für Bundeswehrboote einer Fischwanderhilfe weichen.
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Im Zusammenhang mit der Dammanpassung wird in Nußdorf die ehemalige Landungsrampe für Bundeswehrboote einer Fischwanderhilfe weichen.
  • vonVolkhard Steffenhagen
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An den Inn-Kraftwerken zwischen Oberaudorf und Feldkirchen wurden bereits die Vorbereitungen für die Arbeiten zur Dammanpassung sowie den Einbauten für Fischwanderhilfe getroffen. Ausgangspunkte sind die Kraftwerke Nußdorf und Feldkirchen. Die Arbeiten werden flussabwärts aufgenommen.

Nußdorf/Flintsbach/Oberaudorf/Erl/Schechen/Vogtareuth – Vor einigen Tagen hat der österreichische Kraftwerksbetreiber „Verbund“ damit begonnen, die Dammflächen an den Inn-Kraftwerken zwischen Oberaudorf und Feldkirchen für die anstehenden Arbeiten zur Dammanpassung vorzubereitet und Fischwanderhilfe einzubauen. Ausgangspunkte sind die Kraftwerken Nußdorf und Feldkirchen, von denen die Arbeiten dann jeweils flussabwärts aufgenommen werden.

Heimat für Haselmaus und Zauneidechse

Aufmerksamen Spaziergängern sind bereits die vielen Aufschüttungen im Unterwasserbereich der Kraftwerke aufgefallen. Dabei handelt es sich um Ausweichquartiere für Reptilien. Vor allem die streng geschützte Zauneidechse soll hier Unterschlupf finden. Es wurden auch Behausungen für die Haselmaus errichtet.

„Die Maßnahmen zur Dammanpassung sind für das Winterhalbjahr 2020/21 und 2021/22 geplant. Wir haben für diese Arbeiten bewusst die Winterhalbjahre ausgewählt, weil wir in dieser Zeit nicht mit Hochwasserereignissen rechnen müssen. Die Planungen und Konzepte werden eng mit den Fachbehörden abgestimmt“, erklärt Wolfgang Syrowatka, Pressesprecher der „Verbund AG“. Mit den Freimachungen der Arbeitsbereiche an den Dammkörpern wird demnächst begonnen. Die Arbeiten werden bis März 2021 dauern.

Die Bewuchsentfernung erfolgt nach Genehmigung und nur unter Rücksicht auf Flora und Fauna. Deshalb beginnen die Arbeiten (Fischwanderhilfe und Dammanpassung) bereits lange im Vorfeld. „Zunächst muss nämlich von Experten festgestellt werden, welche Lebewesen den jeweiligen Lebensraum besiedeln. Anschließend müssen Konzepte erarbeitet werden, wie für diese Ersatzlebensräume geschaffen werden können“, so Syrowatka.

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Gleichzeitig wird mit dem Bau einer Fischwanderhilfe in Höhe des Kraftwerks Nußdorf begonnen. „Sie ist die logische Fortsetzung unseres Bemühens, den Inn für Wasserlebewesen durchgängig zu gestalten. Ein gutes Beispiel für eine funktionierende Wandermöglichkeit und wertvollen Lebensraum ist das benachbarte Kraftwerk Oberaudorf-Ebbs“, erklärt der Pressesprecher. Die Fertigstellung soll bis Ende 2021 erfolgen. Dabei verschwindet auch die ehemalige Landungsrampe der Bundeswehr. So plant der „Verbund“ bis 2026 alleine am Inn rund 85 Millionen Euro in ökologische Verbesserungen zu investieren.

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Nicht nur in Nußdorf, sondern auch an Stellen, an denen keine Fischwanderhilfen bestehen, sollen solche errichtet werden. Wo entsprechende Einrichtungen bestehen, aber nicht dem Stand der Technik und den Erfordernissen für die Durchgängigkeit genügen, werden die Wandermöglichkeiten angepasst. Für „Verbund“ sind dabei zwei Aspekte wesentlich: Zunächst muss eine Wanderhilfe funktionieren – und zwar für alle Fischarten in allen Lebensphasen. Ein weiterer Aspekt sei die Lebensraumbetrachtung. „Es geht bei unseren Überlegungen nicht nur darum, die Wanderung am Kraftwerk vorbei fortzusetzen. Es geht auch darum, Lebensräume zu schaffen beziehungsweise wiederherzustellen. Hier ist die Wasserkraft in einer besonderen Situation. In den vergangenen 200 Jahren hat der Mensch den Inn gestaltet und erheblich verändert“, so Syrowatka. Landgewinnung, Schiffbarkeit und Hochwasserschutz haben zur Umbildung der Flusslandschaft beigetragen. Erst diese Veränderungen machten später den Bau von Kraftwerken möglich.

Ziel: Artenvielfalt an Dämmen erhöhen

Die Wasserkraft ist es auch, die in der Lage ist, Verbesserungen zu realisieren. „Am Beispiel Steinbach wird das Gewässer ökologisch umgestaltet und wieder an den Inn angebunden. Das ist gerade in diesem Bereich, der flussbaulich auf die rasche Hochwasserabfuhr optimiert wurde, ein wichtiger Aspekt“, erklärt Syrowatka. Denn der Steinbach solle künftig wieder Rückzugsort für Wasserlebewesen werden. Auch Laich- und Jungfischhabitate werden wiedererschlossen, die Auswirkung auf die Fischpopulation im Inn haben.

Ziel sei es, die Diversität und Artenvielfalt an den Dämmen und Deichen zu erhöhen. Hierzu lässt sich die „Verbund AG“ von Fachplanern und Experten der TU Weihenstephan beraten. Nach Abschluss der Bauarbeiten will die „Verbund AG“ durch ein Pflegemanagement den Zustand langfristig sichern.

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